Verdacht: Unterschlagung von Impfstoff

Hotel-Team aus Italien in München geimpft: Ermittler durchsuchen Apotheke und Arztpraxis

Einmal hin, alles drin - das altbekannte Motto einer Supermarktkette setzte die Ferienanlage offenbar für ihre Mitarbeiter am Flughafen München um (Archivbild)
Einmal hin, alles drin - das altbekannte Motto einer Supermarktkette setzte die Ferienanlage offenbar für ihre Mitarbeiter am Flughafen München um (Archivbild)
© dpa, Armin Weigel

18. Juni 2021 - 14:27 Uhr

Staatsanwaltschaft ermittelt: Unterschlagung von Impfstoff, Bestechung und Bestechlichkeit

Mehr als 100 Mitarbeiter einer italienischen Ferienanlage sind für eine Corona-Impfung nach Bayern gereist. Wie die "Süddeutsche Zeitung" zuerst berichtete, hatten sich die Teilnehmer der Reisegruppe im Mai während eines Tagestrips am Münchner Flughafen die Impfspritzen geben lassen. Die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg teilte am Freitag mit, dass die Ermittler eine Arztpraxis, eine Apotheke und eine Rechtsanwaltskanzlei im Zusammenhang mit dieser Impf-Aktion durchsuchen. Ihr Tatverdacht lautet: Unterschlagung von Impfstoff, Bestechung und Bestechlichkeit im Gesundheitswesen. Insgesamt werde gegen sieben Beschuldigte ermittelt, teilte die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg mit.

Italienische Hotel-Mitarbeiter waren nicht impfberechtigt

Nach dem Durchsuchungsbeschluss des Amtsgerichts Nürnberg soll sich der beschuldigte Apotheker der Unterschlagung schuldig gemacht haben, indem er den Impfstoff für die Impfaktion zur Verfügung gestellt haben soll. Einer der beschuldigten Ärzte soll den Impfstoff von dem beschuldigten Apotheker angekauft haben. Weitere Ärzte sollen bei der Impfung geholfen haben. Der beschuldigte Rechtsanwalt soll den Vertrag für die Impfaktion entworfen haben. Bei der Durchsuchung wird jetzt nach schriftlichen und elektronischen Unterlagen gesucht, die den Verdacht bestätigen, so Matthias Held von der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg.

"Die Bundesrepublik Deutschland erwirbt den Corona-Impfstoff und stellt ihn nur dem nach der Corona-Impfverordnung berechtigten Personenkreis zur Verfügung", heißt es in der Pressemitteilung. Der Impfstoff werde den Apothekern und Ärzten unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Der Weiterverkauf des Impfstoffs sowie Impfung nicht impf-berechtigter Menschen sind demnach illegal. Die geimpften Mitarbeiter des italienischen Hotels hatten in Deutschland keinen Anspruch auf eine Impfung gegen das Coronavirus, begründet Held die Vorwürfe.

Italiener in München geimpft: Das sind die Hintergründe

Der "Spiegel" zitiert die Beschreibung der Impfreise durch den Hotelmanager bei Italiens öffentlich-rechtlichem TV-Sender Rai so: "Um 9 Uhr haben wir den Flieger in Cagliari genommen, um 11 Uhr waren wir in München, um 12.30 Uhr war alles schon vorbei. Pause mit bayerischem Bier. Um 17 Uhr sind wir mit unserem Impfnachweis nach Cagliari zurückgereist." Für die Impfungen habe sich die Gruppe in einem Hotel in unmittelbarer Nähe des Flughafens eingefunden. Die Ferienanlage habe für die Impf-Aktion bezahlt, so der Hotelmanager.

An dem Einsatz sind sechs Staatsanwältinnen und Staatsanwälte der Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen sowie Einsatzkräfte des Poliezipräsidiums München beteiligt. Wann die Untersuchungen abgeschlossen sein werden, konnte die Staatsanwaltschaft noch nicht abschätzen. (dpa, swi, lgr)

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