Nach Hilferufen aus Rhodos und Korfu an RTL-Urlaubsretter Ralf Benkö

Hotelmängel statt Corona-Hygiene: Veranstalter entschädigt Griechenland-Urlauber

13. Juli 2020 - 9:32 Uhr

Wenn man sich im Urlaub zurück nach Hause sehnt

Urlauber erwarten Schutz-Maßnahmen wegen Corona, also Hygiene und Sauberkeit. Doch was, wenn man sie stattdessen in ein verwahrlostes Hotel bringt? Das erleben gerade leider verschiedene deutsche Pauschalurlauber in Griechenland. Dort hat die Urlaubssaison für ausländische Touristen mit dem 1. Juli wieder begonnen, drei Monate später als gewöhnlich - genug Zeit für die Hoteliers, ihre Anlagen zu sanieren und schön zu machen – könnte man meinen. Dass hier oftmals nichts getan wurde, zeigen etliche Hilferufe, die uns über Urlaubsretter@rtl.de kontaktieren. Urlauber berichten von der Umbuchung in andere Hotels, viel Dreck und extremen Mängeln vor Ort, als ob seit Corona in ihren Hotels nichts mehr getan worden sei. Die schockierenden Bilder sehen Sie im Video. RTL-Reiseexperte Ralf Benkö hat Kontakt zum Veranstalter der Reisen aufgenommen – mit Erfolg. Denn den betroffenen Urlauber soll nun endlich geholfen werden.

Abgeschoben ins Dauer-Ärger-Hotel

Fall Rhodos: Das Kiotari Bay dort ist uns noch von einem Urlaubsretter-Einsatz vor 15 Jahren bekannt. Seitdem gibt es immer wieder Urlauber-Hilferufe von dort. Das war auch der Grund, warum 2018 dort die RTL Sendung "Team Wallraff – Reporter undercover" recherchiert hatte – mit erschreckenden Ergebnissen. Die Hotelbetreiber versprachen Verbesserungen. Dennoch erreichen uns in den letzten Tagen wieder zahlreiche Hilferufe von Urlaubern, die sich nun in diesem Resort befinden, obwohl sie ein ganz anderes gebucht hatten.

Blue Bay Resort angeblich überbucht

Eigentlich hatten sich Jessica Waczynski, ihr Sohn und Corina und Klaus Alpert auf das 5-Sterne Labranda Blue Bay Resort gefreut, das nur wenige Kilometer vom Flughafen und von Rhodos entfernt liegt. Erst nach der Landung erfahren die Familien, dass das Blue Bay angeblich überbucht sei und sie daher im 60 Kilometer und zwei Stunden entfernten 4-Sterne Labranda Kiotari Bay Resort untergebracht werden. Ärgerlich, denn die meisten von ihnen hatten sich bewusst für das Blue Bay Resort entschieden: "Wir haben das Labranda Blue Bay gebucht, um dicht an der Stadt zu sein und etwas zu erleben", erzählt Corina.

Im Horror-Hotel

Nach dem wesentlich längeren Bustransfer endlich angekommen, freuen sich die Familien, ihr Zimmer beziehen zu können. Während sie darauf warten, dass ihre Zimmer bezugsbereit sind, kommen ihnen erste Zweifel, ob sich hinter der angeblichen "Überbuchungsproblematik" nicht doch eine Masche verbergen könnte: Im Gespräch mit anderen Urlaubern, die früher angereist sind, erfahren sie, dass diese ursprünglich ebenfalls das Blue Bay gebucht hatten. Der erste Eindruck verschlechtert sich weiter. An der Rezeption streiten sich Gäste mit dem Personal und verlangen Zimmerreinigungen oder schlichtweg Toilettenpapier. Hygiene scheint in dieser Anlage vernachlässigt zu werden.

Warten auf ein heruntergekommenes Zimmer

"Wir haben sechs Stunden auf das Zimmer gewartet. Durchgeschwitzt, keine Möglichkeit sich umzuziehen in einem extra Raum, keine Dusche, nichts. Einfach nur traurig, wie man hier abgespeist wird", berichtet Corina in ihrer Videobotschaft.
Nach einer so langen Wartezeit geht man davon aus, dass das Zimmer dementsprechend hergerichtet wurde. Doch die nächste böse Überraschung steht bereits vor der Tür - oder eher im selben Zimmer: Vieles von dem, was die Familien mit dem Blue Bay Resort gebucht hatten, vermissen sie nun in den bezogenen Zimmern. Die 29 qm große Familien-Suite ist in diesem Resort nur halb so groß. Das Zimmer mit Meerblick bietet nur Aussicht auf gegenüberliegende Balkone.

Ähnliche Zustände im Labranda Sandy Beach Resort auf Korfu

Fall Korfu: Auch Jackie und Jan Komin freuten sich auf den ersten gemeinsamen Familienurlaub mit ihrer 3-jährigen Tochter Joy in Griechenland. "Als wir das Zimmer betraten, bin ich rückwärts direkt wieder raus", sagte Jackie. Sofort steht fest: In diesem Zimmer bleiben sie nicht. Wieder an der Rezeption gelingt es dem Pärchen, in eines der "Superior"-Zimmer umzuziehen. Doch auch hier keine Spur von höherem Standard. Eine Führung durch das Zimmer zeigt, in was für einem schlechten Zustand es sich befindet: Im Badezimmer hat sich der Schimmel bis in die Fugen zwischen den Fliesen gefressen, der Duschkopf spritzt in alle Richtungen. Das Bett sieht aus, als hätte es schon einige Jahrzehnte hinter sich. Statt "Meerblick" gibt es hier vor allem die Aussicht auf ein graues Flachdach.

Zustand der Anlage besorgniserregend

Ein Gang über die Anlage versetzt die Familie immer mehr in Schrecken: Mäuse in der Hotellobby, in der Gegend stehengelassene Müllsäcke, geplatzte Fliesen am Pool, an denen man sich die Füße verletzen könnte und eine sich aus der Bodenverankerung lösende Wasserrutsche. Beim Versuch, diese Zustände an der Rezeption zu thematisieren, "wird man nur ausgelacht", berichtet uns Jackie in ihrer Videobotschaft und fügt hinzu: "Wären wir nur zuhause geblieben".

Keine Verbesserungsabsicht im Kiotari Bay

Zurück auf Rhodos: Auch die Urlauber im Kiotari Bay Resort berichten, dass ihnen mit ihren Problemen nicht geholfen wird. Als sie die Reiseleitung mit den Vorwürfen konfrontieren, soll diese bloß gesagt haben: "Ich kann da leider nichts machen." Auf die Frage, wer denn helfen könne, bekommen die Urlauber keine Auskunft.

Verdacht verhärtet sich

Als immer wieder Busse ankommen, aus denen Urlauber aussteigen, die eigentlich das Blue Bay Resort gebucht hatten, gewinnen mehr und mehr Urlauber den Eindruck, dass hinter der Überbuchungsbegründung eine Strategie stecken könnte: Unbeliebte Hotels mit Urlaubern füllen, die eigentlich für ein ganz anderes, besseres gezahlt hatten. "Es ist ein teurerer Urlaub und niemand bekommt das, was er oder sie gebucht hat", sagt Jessica Waczynski in ihrer Videobotschaft an Reisereporter Ralf Benkö. Viele Urlauber hatten sich für das Blue Bay Resort entschieden, da dieses einen Aqua Park hat und sich gut für einen Urlaub mit Kindern eignet. Das Schwimmbad im Kiotari Bay sei nichts für Kinder, wie uns die Urlauber berichten. Auch berichtet Andrea, dass das Hotel nicht alle Corona-Maßnahmen so ernst nehmen würde: Alle Desinfektionsflaschen im Poolbereich seien leer.

Wie erklärt sich der Veranstalter die Zustände in den Resorts?

Ralf Benkö hat mit dem Veranstalter, FTI, Kontakt aufgenommen und Video- und Fotobeweise für die schlimmen Zustände an die Verantwortlichen weitergeleitet. "Man nimmt das sehr ernst, was die Urlauber berichten, das wurde mir von FTI-Seite versichert", berichtet der RTL-Reporter. Nach kurzer Prüfung die gute Nachricht: Den Urlaubern auf Rhodos und Korfu wird schnellstmöglich geholfen.

Jessica Waczynski, ihr Sohn und Corina und Klaus Alpert, die zurzeit auf Rhodos Urlaub machen, konnten nun in das ursprünglich gebuchte Hotel Labranda Blue Bay umziehen. "Auch andere Gäste, die ins Hotel Kiotari Bay umgebucht wurden, sind bereits umgezogen oder werden, wenn sie es wünschen, schnellstmöglich ein Alternativhotel angeboten bekommen. Die Reiseleitung wird darüber hinaus allen Urlaubern, die nicht gleich im ursprünglich gebuchten Hotel untergebracht wurden, eine Kompensation anbieten", so FTI auf Nachfrage von Ralf Benkö.

Auch beim Hotelstandard soll nachgebessert werden. So heißt es von FTI: "Sauberkeit und Hygiene im Hotel sind gerade in der derzeitigen Situation elementar wichtig und haben auch für uns höchste Priorität. Alle Hotels haben strenge Richtlinien und Reinigungsanweisungen vorliegen und müssen zudem staatliche Vorgaben erfüllen. Wir haben umgehend regelmäßige Reinigungen aller Bereiche veranlasst."

Auch Jackie und Jan Komin und ihrer Tochter Joy soll nun möglichst schnell geholfen werden. "Auch für die Gäste in Korfu haben wir alles in die Wege geleitet um adäquate Abhilfe zu schaffen. So wurde umgehend ein Mitarbeiter aus der Zentrale nach Griechenland entsendet, der aktuell auf Korfu im Hotel Labranda Sandy Beach Resort die bereits angestoßenen Maßnahmen persönlich kontrolliert. Ein detaillierter Bericht geht Ihnen in Kürze zu", schreibt FTI.

Wie es überhaupt zu so vielen Umbuchungen auf andere Hotels kommen konnte, erklärt FTI folgendermaßen: "Leider kam es zu den Überbuchungen durch eine fehlerhafte Datenübermittlung, wir möchten Ihnen und unseren Gästen aber versichern, dass wir die Lage sehr ernst nehmen und alle nötigen Schritte veranlasst haben, um eine Lösung herbeizuführen." Und das soll zum Glück nun klappen!