Arm trotz Vollzeit-Job

Jeder Fünfte ist Geringverdiener - wie Arbeitsminister Heil helfen will

07. Januar 2022 - 9:28 Uhr

Minister im RTL-Interview

Rund ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland zählen trotz Vollzeit-Job zu den Geringverdienern. Sie müssen mit einem weniger als 2284 Euro Brutto im Monat über die Runden kommen. Das zeigt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Im RTL-Interview erzählt Bundesarbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD), wie die Ampel-Koalition diesen Menschen helfen will.

Höherer Mindestlohn - auch gegen Alterarmut

Der Mindestlohn soll in diesem Jahr von aktuell 9,82 Euro auf 12 Euro steigen. "Das wird Millionen von Menschen helfen", ist der Minister überzeugt. Über acht Millionen Menschen in Deutschland arbeiten momentan für weniger als 12 Euro pro Stunde. Ein höherer Mindestlohn sei auch der Schlüssel gegen Altersarmut: "Altersarmut ist meistens das Ergebnis von Armut im Erwerbsverlauf. Deshalb muss es möglich sein, sozial aufzusteigen."

Niedrige Löhne seien außerdem ein Zeichen fehlender Wertschätzung für die Arbeit der Menschen, so Minister Heil: "Wir reden hier über sehr fleißige Menschen, die jeden Tag richtig rankeulen, aber am Ende des Tages zu wenig Geld in der Tasche haben."

Frauen und Ostdeutsche besonders häufig betroffen

Ein höhere Mindestlohn sei aber nur ein Baustein. Außerdem gebe es in Deutschland zu wenig Tarifverträge. 48 Prozent der Arbeitnehmer arbeiten ohne einen Tarifvertrag. Zu wenig, findet der Minister: "Denn da, wo Tarifverträge sind, sind in der Regel die Lohn- und Arbeitsbedingungen in Deutschland besser."

Die Zahl der Geringverdiener in Deutschland ist ungleich verteilt. Am stärksten betroffen sind Frauen mit 25,4 Prozent, während bei den Männern der Geringverdieneranteil mit 15,4 Prozent geringer ist. Besonders hoch ist der Anteil im Gastgewerbe, in der Leiharbeit und in der Land- und Forstwirtschaft. Dort arbeiteten mehr als die Hälfte der Vollzeitkräfte im unteren Entgeltbereich.

Auch regional zeigen sich große Unterschiede in der Studie, für die die Verfasser auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zurückgreifen. Im Osten Deutschlands betrage der Geringverdieneranteil 29,1 Prozent, im Westen 16,4 Prozent.

Damit könne man sich nicht abfinden, so der Minister: "Das werde ich ändern durch einen höheren Mindestlohn, durch eine stabile Rente und auch durch klare Anreize für mehr Tarifverträge. Wir werden beispielsweise als Bundesregierung dafür sorgen, dass alle öffentlichen Aufträge des Bundes daran gebunden werden, dass die Unternehmen ihre Beschäftigten auch anständig nach Tarif bezahlen."

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Hilfe gegen explodierende Energiepreise

Die explodierenden Heiz- und Strompreise belasten Geringverdiener besonders. Neben einem höheren Mindestlohn verspricht Minister Hubertus Heil auch noch weitere Hilfen: "Es wird im Frühjahr noch einen Heizkostenzuschuss für Wohngeld-Empfänger geben und wir werden auch bei bedürftigen Familien dafür sorgen, dass sie kurzfristig Unterstützung bekommen, wenn sie Kinder haben."

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