Weil die Schmerzen nicht auszuhalten waren

Wegen Endometriose: 24-Jährige entscheidet sich für künstliche Wechseljahre

Chantelle Urquhart entschied sich wegen ihrer Endometriose für künstliche Wechseljahre.
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26. Oktober 2019 - 11:55 Uhr

Medikamente schalten ihren Zyklus aus

Seit sie mit zwölf Jahren ihre Periode bekam, plagten Chantelle Urquhart schlimme Unterleibsschmerzen. Dass sie an Endometriose leidet, wurde jedoch erst vergangenes Jahr diagnostiziert. Seitdem unterzog sich die 24-Jährige zwei Operationen, doch die Schmerzen wurden nicht besser. Jetzt nimmt die junge Frau Medikamente, die ihren Zyklus ausschalten und sie so künstlich in die Wechseljahre versetzen.

Diagnose Endometriose erst nach zwölf Jahren

Mehr als ein Jahrzehnt lang ging Chantelle Urquhart aus dem englischen Hull von Arzt zu Arzt, um endlich die Ursache für ihre starken Unterleibsschmerzen zu finden. Ohne Ergebnis: Es handele sich lediglich um starke Regelschmerzen und sie übertreibe einfach, sagten ihre Ärzte. Erst im vergangenen Jahr erkannte ein Arzt die Ursache für Chantelles Leiden: Die junge Frau hat Endometriose.

Die Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut waren in die Eierstöcke, den Darm und das Becken vorgedrungen. In zwei Operationen konnten die Endometrioseherde zwar entfernt werden - starke Schmerzen hat Chantelle aber immer noch. Täglich nimmt sie Medikamente, um den Schmerz im Unterbauch, den Beinen und im Rücken zu lindern. "Ich hatte das Gefühl, dass eine winzige Person in meinem Bauch sitzt und ein Messer schwingt", erzählt Chantelle "The Sun".

Künstlich erzeugte Menopause soll die Schmerzen lindern

Deshalb entschied Chantelle sich für eine weitere, drastische Therapie: eine künstlich erzeugte Menopause. Sie bekommt nun Medikamente, die die Funktion der Eierstöcke unterdrücken und die Östrogenproduktion stoppen. Auch ihre Periode bleibt deswegen aus. Künstliche Wechseljahre mit 24 - ein Schritt, der für Chantelle zwar schwer war, den sie aber nicht bereut: "Es fühlte sich erst seltsam an. (...) Aber es hat meine Periode gestoppt, was eine große Erleichterung ist", sagt Chantelle.

Den Wirkstoff bekam die junge Frau zunächst als Injektion verabreicht, hatte dadurch aber starke Stimmungssschwankungen. Jetzt nimmt sie ein Nasenspray mit dem Medikament und kann die Dosierung so besser steuern. Die künstliche Menopause ist allerdings zeitlich begrenzt und wird beendet, wenn die Medikamente abgesetzt werden.

Was passiert bei der künstlichen Menopause?

Die Gabe von Hormonen ist neben einer operativen Therapie eine gängige Methode, um Endometriose zu behandeln. Die sogenannten GnRH-Analoga hemmen die Östrogenproduktion und versetzen den Körper so in künstliche Wechseljahre. Häufig bewirken sie, dass sich die Endometrioseherde zurückbilden und die Beschwerden der Patientinnen abnehmen.

Die GnRH-Analoga hemmen die Funktion der Eierstöcke und rufen daher häufig erhebliche Nebenwirkungen hervor: Neben depressiven Verstimmungen wie im Fall von Chantelle kann es zu Schlaflosigkeit und Schweißausbrüchen kommen - jene Symptome, die Frauen in den Wechseljahren häufig haben. Die GnRH-Analoga verringern zudem den Mineralgehalt in den Knochen und fördern so Osteoporose. Die Therapie ist daher nur über einen begrenzten Zeitraum von maximal sechs Monaten möglich und wird nur in Ausnahmefällen verlängert.

Letzter Ausweg ist eine Hysterektomie

Zwar verschaffen die Medikamente ihr Linderung, schmerzfrei ist Chantelle durch die künstlichen Wechseljahre bisher aber nicht: "Die erzwungene Menopause kann mir die täglichen Schmerzen nicht nehmen, aber sie stoppt meine furchtbaren Perioden und hält die Endometriose davon ab, weiter zu wachsen".

Wenn die Schmerzen langfristig nicht weniger werden, zieht die 24-Jährige auch eine Hysterektomie in Betracht. Sich die Gebärmutter entfernen zu lassen und damit die Endometriose endgültig zu stoppen, ist für die junge Frau der letzte Ausweg.

Video: Wie schlimm ist Endometriose?

Welche Folgen Endometriose haben kann, zeigen wir im Video.