Dritter Prozess gegen verurteilten Vergewaltiger

Vergewaltigt und getötet im Klosterwald: Judiths Familie hofft endlich auf gerechte Strafe

08. September 2021 - 17:50 Uhr

Judiths Vater: "Er soll wegen Mordes verurteilt werden"

Es ist eine Belastung für die Familie der vor sechs Jahren getöteten Judith aus Bad Rehburg. Ab Mittwoch wird der Fall wieder aufgerollt – zum dritten Mal. Ihr Vater, ihre Mutter und ihre Schwester kämpfen seit der Tat dafür, dass Jörg N. wegen Mordes verurteilt wird. In den vorherigen Prozessen ist das bisher nicht passiert, zuletzt wurde der 53-Jährige frei gesprochen.

Wie es der Familie des Opfers mit dem erneuten Prozess geht, erzählt Judiths Schwester im Video.

Jörg N. war Freigänger

Jörg N. Angeklagter im Mordprozess der getöteten Judith Thijsen.
Jörg N. Angeklagter im Mordprozess der getöteten Judith Thijsen.
© RTL Nord

Im Jahr 2015 sollen Jörg N. und die damals 23-jährige Judith im Klosterwald in Rehburg-Loccum aufeinandergetroffen sein. Der heute 53-jährige Jörg N. war zu dem Zeitpunkt im benachbarten Maßregelvollzugszentrum untergebracht, er wurde bereits wegen zweifacher Vergewaltigung verurteilt. An diesem Tag im September hatte er unbegleiteten Ausgang. Der Angeklagte soll die Studentin vergewaltigt und so stark gewürgt haben, dass sie starb. Anschließend soll er ihre Leiche unter Ästen und Gräsern versteckt haben.

Jörg N. wurde bereits frei gesprochen

In einem ersten Indizienprozess verurteilte das Landgericht Verden Jörg N. 2017 zu elfeinhalb Jahren Haft mit Sicherungsverwahrung. Weil das Gericht damals einen einvernehmlichen Geschlechtsverkehr nicht ausschließen kann, wird Jörg N. wegen Totschlags verurteilt - nicht wegen Mordes. Judiths Familie legte erfolgtreich Revision ein. Ein zweiter Prozess in Verden endete 2019 überraschend mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen. Auch dieses Urteil fochten die Familie und die Staatsanwaltschaft beim Bundesgerichtshof (BGH) erfolgreich an. Jetzt wird der Fall am Landgericht Osnabrück verhandelt. Jörg N. befand sich vor dem Prozess nicht auf freiem Fuß, sondern in Sicherungsverwahrung.

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„Der Freispruch war für uns der derbste Schlag ins Gesicht“

Barend Thijsen, Judiths Vater am Landgericht Osnabrück.
Barend Thijsen, Judiths Vater am Landgericht Osnabrück.
© RTL Nord

Als Judiths Vater Barend Thijsen das Gerichtsgebäude betritt, sagt er :"Ich bin doch noch ein bisschen nervös." Auch über seine Hoffnung spricht er: "Dass jetzt endlich Schluss ist. " Er und Judiths Schwester Pia wünschen sich, dass Jörg N. endlich wegen Mordes verurteilt wird. Pia Thijsen sagt dazu: "Der Freispruch war für uns der derbste Schlag ins Gesicht".

Das sagt Jörg N. zu den Vorwürfen

Jörg N. schweigt vor Gericht, aber sein Verteidiger Torben Werk hofft, dass das Landgericht Osnabrück ergebnisoffen an das Verfahren heran geht. "Der Angeklagte sagt, er hat keinen Kontakt zu der Getöteten gehabt. Von daher können wir zu diesem Tatgeschehen wenig sagen." Und er spricht von Beweismitteln, die nicht außer Acht gelassen werden dürften: "Dass die Getötete zuletzt mit einem jungen Mann gesehen wurde. Es gibt da keinerlei Gründe für diese Person sich nicht zu melden. Sie konnte auch nicht ermittelt werden. Insofern mag es ohne Beantwortung dieser Frage natürlich schwer sein, zu sagen, dass diese Person keinen Tatbezug hatte."

Laut Nebenklage haben Gutachter vor Jörg N. gewarnt

Rechtsanwalt Raban Funk ist einer der drei Anwälte, die Judiths Familie als Nebenkläger vor Gericht vertreten. Für ihn ist klar, dass der verurteilte Vergewaltiger Jörg N. auch Judith umgebracht hat. "Es finden sich Elemente aus nahezu sämtlichen Vortaten wieder, mit steigender Intensität. Gutachter haben immer wieder zuletzt ganz extrem vor ihm gewarnt. Haben auf das hohe Risiko, dass ein Mensch sein Leben in Zukunft lassen wird, hingewiesen und dennoch hat er Ausgang bekommen und es ist so gekommen, wie es gekommen ist". 23 Verhandlungstage sind am Landgericht Osnabrück angesetzt. Raban Funk sagt, die Prozesse seien wie ein Band, dass ihn und die Familie von Judith verbindet. Sie würden gemeinsam für Gerechtigkeit kämpfen. Wenn es nach dem Nebenklagevertreter geht, wird Jörg N. am Ende ihres Kampfes wegen Mordes verurteilt. (cgo)