Familienstreit um Corona-Impfung landet vor Gericht

Corona-Impfung bei Kindern: Wenn sich Eltern uneinig sind, "entscheidet" die Stiko

Wer entscheidet, ob sich ein Kind impfen lassen darf?
Wer entscheidet, ob sich ein Kind impfen lassen darf?
© imago images/Westend61, Mareen Fischinger via www.imago-images.de, www.imago-images.de

25. August 2021 - 9:41 Uhr

Oberlandesgericht in Frankfurt fällt wichtiges Urteil

Seit Mitte August empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Für viele sicher Grund zu Freude und Erleichterung. Aber was tun, wenn ein Elternteil Impfgegner ist oder die Corona-Impfung aus anderen Gründen ablehnt, die Kinder sich aber impfen lassen wollen? Am Oberlandesgericht Frankfurt ist dazu jetzt ein Urteil gefallen.

+++ Alle aktuellen Infos zum Coronavirus finden Sie im RTL.de-Liveticker +++

16-Jähriger will Corona-Impfung, Mutter ist dagegen

In dem Fall geht es um einen fast 16-jährigen Jungen mit Vorerkrankungen, der sich gegen das Coronavirus impfen lassen möchte. Der Vater des Jungen ist dafür, die Mutter dagegen. Sie bezeichnet die Impfung als "Gentherapie". Die geschiedenen Eltern haben das gemeinsame Sorgerecht, weswegen der Impf-Streit der Familie am Ende vor Gericht verhandelt werden muss.

Das Amtsgericht verfügt, dass der Vater allein über die Impfung seines Sohnes entscheiden könne. "Wenn sich Eltern bei gemeinsamer elterlicher Sorge in einer einzelnen Angelegenheit, die für das Kind von erheblicher Bedeutung ist, nicht einigen können, kann auf Antrag eines Elternteils die Entscheidung diesem allein übertragen werden", bestätigt das Oberlandesgericht wenig später. Die Mutter hatte Beschwerde eingereicht.

LESE-TIPP: Streit um Corona-Impfung für Kinder: DAS ist die Faktenlage

Im Video: Kinder impfen lassen? Familie Steinert aus Bad Homburg ist unschlüssig

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Wenn zwei sich streiten, "entscheidet" die Stiko

Obwohl der Jugendliche mit fast 16 Jahren einwilligungsfähig sei, also auch ohne Einverständnis der Eltern die Impfung durchführen lassen könnte, "bedürfe es bei dem nicht geringfügigen medizinischen Eingriff [...] auch der Einwilligung der sorgeberechtigten Eltern im Wege eines sogenannten Co-Konsenses", heißt es im Urteil. Doch einigen können sich Vater und Mutter nicht. Deswegen entscheidet das Gericht: Das Elternteil, das die Impfung gemäß Stiko-Empfehlung befürwortet, darf am Ende entscheiden – unter der Voraussetzung, dass beim Kind keine Impfrisiken vorlägen. Der 16-jährige Junge hat inzwischen seine erste Impfdosis mit einem mRNA-Vakzin erhalten.

LESE-TIPP: So erlebte die 17-jährige Cara ihre Impfung und so geht es ihr jetzt

Über ein Viertel der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal geimpft

Auch ohne generelle Empfehlung waren bisher auch bei Gesunden in der Altersgruppe Impfungen möglich – "nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz". Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag (24. August) sind 27,9 Prozent der 4,5 Millionen 12- bis 17-Jährigen in Deutschland mindestens einmal gegen Corona geimpft und 18,2 Prozent vollständig. (fge)

AUDIO NOW: Podcast zum Coronavirus