Integrations-Politikerin Güler über die Impfskepsis unter Migranten

„Wir brauchen Impf-Vorbilder“

27. April 2021 - 14:24 Uhr

Herausforderung Impfen

Das Impfen hat offenbar ein Akzeptanzproblem unter Einwanderern. Es sei eine große Herausforderung, bei Migranten für Impfungen zu werben, sagte gestern Gesundheitsminister Spahn. Die Integrationspolitikerin Serap Güler bestätigt den Befund. Dagegen hilft aus ihrer Sicht nur eins: Aufklärung. In den richtigen Sprachen und gegen falsche Vorstellungen.

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Impfhindernis Sprachbarriere

Nordrhein-Westfalens Staatssekretärin für Integration, Serap Güler (CDU), sieht in der geringen Impfbereitschaft von Migranten in erster Linie ein Sprachproblem. "Wenn ich an die Anschreiben denke, die die erste und die zweite Priorisierungsgruppe nach Hause bekommen haben, da haben Deutsche schon ein Problem, diesen Brief zu verstehen", so Güler im "Frühstart" von RTL/ntv.

Häufig werde dann so ein Schreiben einfach zur Seite gelegt und vergessen. "Da müssen wir noch eine bessere Aufklärungskampagne in den jeweiligen Sprachen machen", sagte die CDU-Politikerin.

Fatale Legenden

Zudem kursieren ungünstige Mythen und Legenden unter verschiedenen Migranten-Gruppen. Viele Asylbewerber glauben etwa, dass Geimpfte leichter abgeschoben werden. Junge Frauen fürchten angeblich, dass bestimmte Impfstoffe die Fruchtbarkeit beeinflussen.

Güler plädiert daher für öffentlichkeitswirksame Impf-Aktionen. "Was wir brauchen sind Vorbilder, die sich impfen lassen." Den Menschen müsse so klargemacht werden, "dass das ganz wichtig ist, wenn wir wieder schnell zur Normalität finden wollen, dass man sich impfen lassen sollte."

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Verstärktes Impfen gegen hohe Infektionszahlen

Serap Güler hat sich zudem für ein verstärktes Impfen in von Migranten bewohnten Statteilen mit hohen Infektionszahlen ausgesprochen. "Es ist keine Frage der Herkunft, es ist vor allem eine soziale Frage. Und viele Migranten leben nach wie vor in sozial prekären Verhältnissen", so Güler im "Frühstart" von RTL/ntv.

Viele Migranten hätten Jobs, die kein Homeoffice zuließen. Dienstleistungs-, Reinigungs- und Pflegeberufe seien weit verbreitet. Einwanderer nutzten öfter mit öffentlichen Verkehrsmitteln, hinzu kämen beengte Wohnverhältnisse. Kurzum, sie hätten ein größeres Infektionsrisiko.

"Dass man in diese Sozialräume geht und sagt, hier müssen wir stärker impfen, ist ein richtiger Ansatz", so Güler.