Gesundheitsminister warnt

„Große Herausforderung, bei Migranten für Impfung zu werben“

Laut Bundesgesundheitsminister Spahn ist es eine „große Herausforderung, bei Migranten für Impfung zu werben“.
Laut Bundesgesundheitsminister Spahn ist es eine „große Herausforderung, bei Migranten für Impfung zu werben“.
© imago images/Political-Moments, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

27. April 2021 - 9:09 Uhr

Spahn: Wenig Akzeptanz für Impfung

Während die Ministerpräsidenten und die Bundeskanzlerin schon über zusätzliche Rechte für Geimpfte beraten, gibt es offenbar ein zusätzliches Problem gewisse Bevölkerungsgruppen für eine Impfung zu begeistern. Neben Leuten, die die Coronamaßnahmen ohnehin ablehnen, ist offenbar auch bei Menschen mit Migrationshintergrund die Akzeptanz sehr gering.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de +++

Jens Spahn: "Migranten auf dem konventionellen Weg nicht zu erreichen"

Zwar ist das Thema nicht neu, dennoch spricht es ein Mitglied der Bundesregierung, nämlich Bundesgesundheitsminister Spahn nun erstmals aus. "Es ist eine große Herausforderung, bei Migranten für Impfung zu werben", sagte Spahn nach Informationen der "Bild"-Zeitung in der Präsidiumssitzung der CDU. Staatsministerin Annette Widmann-Mauz ergänzt, Migranten seien auf dem konventionellen Weg nicht zu erreichen.

Grund dafür sei offenbar, dass ein Teil dieser Gruppe nur wenig oder gar kein Deutsch versteht. Das zumindest glaubt RKI-Präsident Lothar Wieler. Er stützt seinen Standpunkt auf die hohe Anzahl der Coronapatienten in dieser Gruppe. Mehr als 50 Prozent der Coronapatienten auf den Intensivstationen hätten Migrationshintergrund. Bei einem Anteil von nur knapp fünf Prozent an der Gesamtbevölkerung, ein dramatischer Wert.

Wieler hatte mit dieser Behauptung Anfang März für viel Wirbel gesorgt. Denn die Zahlen lassen sich nicht bestätigen, weil kein Krankenhaus die Herkunft oder Religionszugehörigkeit seiner Patienten erfasse. "Wir Mediziner beharren darauf, dass es hier ein Persönlichkeitsrecht gibt. Und wir behandeln alle Patienten unabhängig von ihrer Herkunft und Hautfarbe", hatte damals der Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens gegenüber RTL gesagt.

Verbände kritisieren Zusammenhang zwischen Herkunft und Corona-Infektion

Wieler hatte damals offenbar einen Nerv getroffen. Denn in der Bundesregierung gilt das Thema noch immer als Tabu. Die Angst vor einer Rassismus-Debatte war offenbar zu groß.

Und tatsächlich kritisieren verschiedene Verbände diese Aussage laut "Bild"-Zeitung scharf. Vielmehr als eine Sprachbarriere seien es die Lebens- und Arbeitsbedingungen vieler Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund, die zu den überdurchschnittlichen Coronafallzahlen führten, sagte die Journalistin Düzen Tekkal in der "Bild". "Ein großer Teil der Deutschen mit Zuwanderergeschichte ist im Dienstleistungsgewerbe tätig, in Fleischfabriken, in den Krankenhäusern. Viele können nicht auf Homeoffice zurückgreifen." Viele seien zudem finanziell nicht in der Lage, auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten.

Und das legen auch eine Studie des RKI – aus der die "Bild" zitiert – und der Chef Paritätischen Wohlfahrtsverbands Ulrich Schneider nahe. Wer ärmer sei, habe eine bis zu 70 Prozent höhere Chance an Covid19 zu sterben. Schneider ergänzt: "Je ärmer die Menschen sind, desto weniger Möglichkeiten haben sie, sich vor dem Virus zu schützen."

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

TVNOW Doku "Zwischen Hoffnung und Tod - wer hat Schuld am deutschen Impf-Desaster?"

Könnten in Deutschland bereits mehr Menschen geschützt sein? Wer trägt die Schuld am Impf-Desaster? Die Bundesregierung? Die EU? Die Hersteller? Oder die Bundesländer? Die Dokumentation geht den Verantwortlichkeiten auf den Grund. Auf TVNOW: "Zwischen Hoffnung und Tod"

AUDIO NOW Podcast Empfehlung zum Thema Corona

Auch interessant