Opfer wehrt sich gegen Ungerechtigkeit

Frau vergewaltigt - für "Pille danach" und Gesundheitstests muss sie selbst zahlen

22. Oktober 2021 - 10:29 Uhr

Antrag auf Geld nach Opferschutzgesetz seit einem Jahr unbeantwortet

Für Frauen, die vergewaltigt wurden, ist es schwer und belastend genug, einen Prozess gegen den Täter durchzustehen. Die 27-jährige Gudrun Stifter aus Bayern hat das geschafft, der Vergewaltiger wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Was sie bisher nicht geschafft hat: Kosten für die Pille danach und medizinische Tests erstattet zu bekommen.

Nach besonders schwerem Verbrechen muss sie auch noch Geld bezahlen

Gudrun Stifter wurde Opfer einer besonders schweren Tat, der Peiniger verging sich mehrfach an ihr und drohte damit, sie umzubringen. Bis heute leidet sie unter dem Verbrechen, träumt jede Nacht davon.

Einem Opfer sollten nicht auch noch zusätzlich Kosten auferlegt werden, diese Ansicht teilen viele Menschen. Gudrun Stifter erzählt, was ihr nach dem Verbrechen widerfahren ist. Weil sie einige Monate vor der Tat die Pille abgesetzt hatte, wurde ihr eine "Pille danach" verschrieben. Die Kosten dafür sollte sie zu ihrer Verwunderung selbst tragen.

Auch für weitere Untersuchungen, die eine Ärztin ihr wegen des Risikos nach der Vergewaltigung empfahl, wurde sie zur Kasse gebeten. Die Krankenkassen würden dafür nicht aufkommen, hieß es.

Zivilklage auf Schmerzensgeld gegen Peiniger ohne Erfolg

Die "Pille danach" wird nur Frauen bis zum 22. Lebensjahr erstattet. Gegen diese offensichtliche Gesetzeslücke in der Krankenkassenverordnung zieht Gudrun Stifter jetzt ins Feld. Sie hat Petitionen in den Bayerischen Landtag eingebracht, um zu erreichen, dass allen Vergewaltigungs-Opfern geholfen wird.

Mit Erfolg: dieses Thema rückt nun bundesweit in den Fokus, Opfern könnte künftig wenigstens erspart bleiben, selbst auf Folgekosten durch medizinische Behandlung sitzen zu bleiben. Keinen Erfolg hatte hingegen Gudrun Stifters Zivilklage gegen ihren Peiniger. Sie bekam kein Schmerzensgeld, weil bei dem Verbrecher nichts zu holen war.

Nun hofft sie wenigstens auf einen Ausgleich nach dem Opferschutzgesetz. Den hat sie bereits vor über einem Jahr beantragt - auf einen Bescheid dazu wartet sie bis heute vergeblich. (srö/aso/uvo)