Vettel punktet zum dritten Mal in Folge

Sieg in Strategie-Thriller: Verstappen gewinnt in Frankreich knapp vor Hamilton

Max Verstappen gewann den Frankreich-GP knapp vor Lewis Hamilton
Max Verstappen gewann den Frankreich-GP knapp vor Lewis Hamilton
© imago images/Every Second Media, Phil Duncan via www.imago-images.de, www.imago-images.de

20. Juni 2021 - 21:07 Uhr

Verstappen triumphiert in Le Castellet

Red-Bull-Pilot Max Verstappen hat den Großen Preis von Frankreich in Le Castellet gewonnen und seine Führung in der Formel-1-WM ausgebaut. Der Holländer setzte sich in einem Strategie-Thriller mit mehreren Wechseln an der Spitze knapp vor seinem Titel-Rivalen Lewis Hamilton im Mercedes durch, Sergio Perez wurde im zweiten "Bullen" Dritter.

Sebastian Vettel fuhr im Aston Martin ein taktisch kluges Rennen und sammelte als Neunter zwei Punkte. Mick Schumacher belegte vor Haas-Rivale Nikita Mazepin den vorletzten Platz.

Durch seinen 13. Grand-Prix-Sieg vergrößerte Verstappen sein Polster in der WM vor Hamilton auf zwölf Punkte – auch, weil er als Sahnehäubchen noch den Extra-Zähler für die Schnellste Rennrunde einfuhr.

Hamilton: "Max hat einen super Job gemacht"

Dabei hatte Verstappen seine Führung kurz nach dem Start an Hamilton verloren, zunächst sah es nach dem dritten Le-Castellet-Erfolg des Rekordchampions seit dem F1-Comeback der Retortenstrecke 2018 aus. Dank einer fantastischen "In Lap" vor seinem Boxenstopp eroberte der Holländer den Platz an der Sonne nach Hamiltons Reifenservice aber zurück.

Es entwickelte sich eine gnadenlose Hatz – in der Red Bull die goldene Strategie-Karte zog. Das Team holte Verstappen in Führung liegend zum zweiten Mal in die Garage. Auf frischen Medium-Pneus eröffnete der 23-Jährige danach die Jagd, krallte sich erst Hamilton-Adjutant Valtteri Bottas, zwei Runden vor Schluss dann den Weltmeister selbst.

"Nach dem ersten Stopp hat man gesehen, dass Mercedes hart gepusht hat. Dann hatten wir den zweiten Stopp und das hat sich ausgezahlt", sagte Verstappen.

Der geschlagenen Hamilton erkannte die Leistung seines WM-Rivalen an: "Max hat einen super Job gemacht. Wir hatten einfach Probleme während des ganzen Wochenendes. Wenn man sieht, was für einen schwierigen Freitag wir hatten, dann ist das noch ein gutes Ergebnis. Ich hatte am Ende einfach keine Reifen mehr", resümierte der Brite.

Frankreich-GP | Ergebnis

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Frankreich-GP im Zeitraffer: So lief der Strategie-Krimi

Start/1. Runde: Hamilton kommt etwas besser aus den Puschen als Verstappen, dennoch biegt der Holländer als Erster in Turn 1 ein – allerdings in einem sehr steilen Winkel! Der Red-Bull-Pilot verliert kurz das Heck, muss durch die Auslaufzone, Hamilton huscht vorbei an die Spitze. Dahinter verliert Perez ganz kurz Rang 4 an Carlos Sainz (Ferrari), schlägt aber postwendend zurück. Im Hinterfeld büßt Mick Schumacher drei Positionen ein, fällt auf 18 zurück.

Runde 3-5: Schumacher lässt weiter Federn. Haas-Rivale Nikita Mazepin presst sich kompromisslos an Schumi jr. vorbei, der muss nachgeben und die Auslaufzone nehmen. Mick damit Letzter. An der Spitze pendelt sich Hamiltons Vorsprung auf Verstappen zwischen 1,1 und 1,4 Sekunden ein, eine weitere Sekunde dahinter folgt Bottas. Dahinter kann Perez die Pace des Spitzentrios nicht mitgehen. Vettel – auf harten Pneus gestartet – arbeitet sich an Alpine-Mann Esteban Ocon vorbei, liegt als Elfter in Schlagdistanz zu Punkten.

Runde 8: "Die Reifen werden heiß", funkt Hamilton durch. Wahrheit oder Bluff? Der Weltmeister hat seinen Vorsprung jedenfalls auf 1,7 Sekunden ausgebaut.

Runde 10: "Graining vorne", berichtet Lewis diesmal. Bottas bestätigt das, sagt aber auch, dass dies den Grip nicht sonderlich beeinträchtige. Graining hin oder her – Verstappen muss weiter abreißen lassen. Lücke nach vorne: 2 Sekunden.

Runde 11: McLaren-Pilot Daniel Ricciardo bremst sich in der Schikane an Altmeister Fernando Alonso im Alpine vorbei auf Rang 9. Dahinter rauscht Lando Norris heran, schnupft den Spanier ebenfalls auf. Und auch Vettel rückt Alonso auf die Pelle, dessen Reifen sichtbar eingehen.

Runde 12: Bottas verliert nach einem Verbremser viel Zeit, weil er durch die Auslaufzone muss. So reduziert Perez seinen Rückstand auf 3,3 Sekunden.

Runde 13: Vettel in den Punkten: Der Aston-Martin-Pilot krallt sich Alonso, ist damit Zehnter.

Hamilton verliert Führung in der Box

Runde 18: Bottas kommt als Erster der Topleute zum Reifenservice, bekommt in 2,5 Sekunden frische, harte Pneus. Auch Sainz (5.) und Pierre Gasly (6.) kommen zum Stopp – und gucken beim Rausfahren in die Röhre. Ricciardo hat sie mit einem Undercut in der Box überlistet. Ganz vorne legen Hamilton und Verstappen ein paar Kohlen nach.

Runde 19: Verstappen covert den Bottas-Stopp sofort – 2,3 Sekunden dauert das Wechseln der vier Reifen. Der Holländer kommt knapp vor Bottas zurück auf die Piste.

Runde 20: Was ist denn da los?! Trotz eines Superstopps (2,2 Sekunden) wird es ganz eng für Hamilton. Der Mercedes schleicht durch die Box, Verstappen fliegt auf Start/Ziel heran. Und tatsächlich: Ohne mit der Wimper zu zucken, bremst sich Verstappen innen an Hamilton vorbei in Kurve 1. "Wir wissen nicht, was da passiert ist", gibt die Mercedes-Box bedröppelt durch.

Dabei ist die Erklärung einfach: Verstappen hatte Hamilton mit einer fantastischen "In Lap" vor dem Stopp 2 Sekunden abgenommen.

Randnotizen: An der Spitze liegt mittlerweile Perez, der lange draußen bleibt. Ebenso Vettel: Ihn hat die erste Stopp-Phase auf 6 vorgespült.

Runde 22: "Halt den Druck hoch, du kannst das!", sagt der Renningenieur Hamilton ins Ohr. Der Weltmeister macht mächtig Dampf, ist im DRS-Fenster Verstappens.

Runde 23/24: Was ist bei Lewis los? Er muss etwas abreißen lassen, hinter dem W12 des Rekordchampions taucht Stallkollege Bottas formatfüllend im Rückspiegel auf. Eine Runde später gibt Hamilton die Antwort: Er kühlt die Reifen kurz ab und robbt sich direkt wieder bis auf 0,7 Sekunden an Verstappen heran. Das wird ein ganz hartes Stück Arbeit für den "Bullen".

Perez kommt derweil zum Service: Der Mexikaner reiht sich als Vierter wieder ein. Auch McLaren-Pilot Norris stoppt, fällt von 4 auf 14 zurück. Vettel rückt auf Position 5 vor.

Red Bull setzt auf 2-Stopp-Strategie

Runde 26: Eine gnadenlose Hatz an der Spitze: Die ersten 3 trennen keine 2 Sekunden.

Runde 28/29: Bei Ricciardo läuft's: Der Aussie rast an Leclerc vorbei, ist Siebter. Verstappen schwitzt unterdessen weiter: "Das können wir sicher nicht bis zum Ende durchhalten", schätzt er die Höllen-Pace an der Spitze ein.

Runde 30: McLarens Vormarsch geht weiter: Norris knackt Gasly, wenig später ist Charles Leclerc fällig. Der Lohn: Rang 9 für den jungen Engländer. Vettel bleibt draußen, legt aber zwischendurch eine ganz schwache Zeit aufs Parkett.

Runde 32: Norris lässt es weiter krachen, geht an Sainz vorbei auf Platz 8. Und vorne: Liegt Verstappen auf einmal 2,8 Sekunden vorne. Schont Mercedes seine Reifen für eine entscheidende Attacke?

Runde 33: Erst einmal nicht nötig: Verstappen holt sich frische Medium-Pneus, kommt als Vierter zurück auf die Retortenstrecke. Red Bull setzt also auf eine 2-Stopp-Strategie. Hamilton meldet gleichzeitig, dass seine harten Schluffen langsam schlapp machen.

Runde 34: Die Norris-Show geht weiter. Auch McLaren-Kollege Ricciardo kann dem Sturmlauf des 22-Jährigen nicht widerstehen.

Runde 35: Schnellste Rennrunde von Verstappen. Der Red-Bull-Pilot macht Druck, fliegt an Perez vorbei auf Rang 3. Sein Rückstand auf Hamilton: 14 Sekunden.

Bottas zetert gegen Mercedes, Wolff langt sich an den Kopf

Runde 37/38: Schwarzer Tag für Ferrari: Sainz kann gegen Gasly nichts ausrichten, fällt auf 9 zurück, Kollege Leclerc liegt als Elfter außerhalb der Punkte. Vorne verliert Hamilton 2 Sekunden im Schnitt. Von seinen harten Walzen ist nicht mehr allzu viel übrig. Verstappen nur noch 9 Sekunden zurück.

Als letzter Fahrer holt sich Vettel frische Medium-Pneus. Ein schlechter Stopp von 3,9 Sekunden. Der 33-Jährige sortiert sich als Elfter wieder ein, bläst dafür mit den frischesten Reifen zum Angriff auf die Ferrari vor ihm. Die Top 10 nach den Stopps: Hamilton, Bottas, Verstappen, Perez, Norris, Ricciardo, Gasly, Alonso, Sainz, Leclerc.

Runde 39: Weil der zweite Ferrari von Leclerc ein zweites Mal zum Service kommt, schlüpft Vettel in die Punkte. Ganz hinten hat es Schumacher durch eine clevere Strategie übrigens wieder an Mazepin vorbeigeschafft – Rang 19 für Mick.

Runde 43: Verstappen ist am ersten Mercedes dran – nur noch 0,6 Sekunden hinter Bottas.

Runde 44: Es ist soweit! Bottas patzt in der Schikane, kommt auf die schmutzige Linie, Verstappen katapultiert sich mit viel mehr Grip im folgenden Bogen locker vorbei. So macht der Finne keine Eigenwerbung für ein Mercedes-Cockpit 2022.

"Warum zur Hölle hört keiner auf mich, wenn ich sage, das ist ein 2-Stopp-Rennen", flucht Bottas aufgebracht. Teamchef Toto Wolff langt sich an den Kopf.

Von den Kameras unbemerkt, schnappt sich Vettel den Ferrari von Sainz, ist Neunter.

Verstappen setzt den Stich - Vettel bringt P9 nach Hause

Runde 47: Hamiltons Reifenmanagement ist im Vergleich zu Bottas in einer anderen Liga. Er gibt nochmal Gas, Verstappen kommt fürs Erste nicht mehr näher.

Runde 49/50: Bottas' Walzen sind durch, der Finne nölt am Funk entsprechend weiter. Ohne Probleme rauscht Perez außen am Finnen vorbei. Verstappen gibt wieder Stoff, gräbt seinen Rückstand auf 1,6 Sekunden runter.

Runde 52: Vor der Schikane setzt Verstappen den entscheidenden Stich: Ohne Mühe bremst sich der Ober-Bulle an Hamilton vorbei – alea iacta est: Die Würfel sind gefallen!

Runde 53/Ziel: Vierter Saisonsieg vor Verstappen, Hamilton muss mit Rang 2 leben, Perez komplettiert das Podest und macht Red Bulls Sahnetag perfekt. Bottas wird mit einem dicken Hals als Vierter abgewunken, es folgen die McLaren-Piloten Norris und Ricciardo (Kompliment).

Gasly (AlphaTauri) und Alonso (Alpine) machen beim (Team-)Heimspiel ordentliche Beute, die Aston Martins von Vettel und Lance Stroll (ebenfalls Kompliment) komplettieren die Top 10. Ferrari – zuletzt im Aufwind – geht leer aus. (mar)

Auch interessant