„Red Bull hätte überall auf Pole stehen müssen“

Mercedes-Chef Wolff lobt Verstappen und stichelt

Das Duell der Saison.
Das Duell der Saison.
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29. Mai 2021 - 16:50 Uhr

Die Psychospielchen zwischen Mercedes und Red Bull gehen weiter

Der enge Zweikampf zwischen Rekordchampion Lewis Hamilton und Herausforderer Max Verstappen elektrisiert die Formel 1. Mercedes-Teamchef Toto Wolff traut dem Niederländer den Titel zu, stellt aber auch klar: Die aktuelle Situation kommt uns entgegen. Und Verstappen mache noch kleine Fehler, obwohl sie das beste Paket hätten.

Wolff: Mercedes profitiert von der Situation

Formula One F1 - Bahrain Grand Prix - Bahrain International Circuit, Sakhir, Bahrain - March 26, 2021  Mercedes' Team Principal Toto Wolff with Red Bull Team Principal Christian Horner during the press conference  FIA/Handout via REUTERS   ATTENTION
Die Teamchefs unter sich: Toto Wolff (l.) und Christian Horner (Red Bull).
© REUTERS, HANDOUT, gb

Enges Gerangel an der Spitze der Fahrer- und Teamwertung. Das ist man in der Formel 1 schon gar nicht mehr gewöhnt. Nach dem Sieg in Monaco thront Verstappen zum ersten Mal in seiner Karriere an der Spitze, und erstmals seit 2013 (!) führt Red Bull Racing die Konstrukteurswertung mal wieder an. Es ist zurzeit eine ganz enge Kiste. Verstappen liegt hauchdünn vor dem Weltmeister: 105 zu 101 lautet der Vorsprung. In der Konstrukteurswertung trennen Red Bull und die Silberpfeile sogar nur ein Zähler. Schon in Baku in der kommenden Woche kann dies wieder anders aussehen.

Die Frage, die die Formel 1 bewegt: Ist die Zeit der Wachablösung angebrochen? Viele F1-Experten glauben an Verstappens Titelchance. Und auch der schärfste Konkurrent traut ihm das zu. "Ja, das kann er schaffen", sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff auf die Frage der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", ob Verstappen das Zeug zum Weltmeister habe. "Allerdings macht er noch kleine Fehler, weil er jung ist", schob Wolff direkt nach. Diese kleine Stichelei ließ er sich nicht nehmen, trotzdem zollte er Respekt: "Sein Speed und die Fahrzugbeherrschung sind hervorragend."

Und die machen Mercedes ganz schön zu schaffen. Zum ersten Mal in der Hybrid-Ära sind die Rollen vertauscht. Die Mercedes-Jungs sind auf einmal nicht mehr die Gejagten, sondern als Schwarzpfeil-Jäger unterwegs auf den Strecken der F1-Welt. Ein Problem? Überhaupt nicht. Super, findet der Mercedes-Boss. "Aber wenn man keinerlei Fehler mehr machen darf, weil Lewis auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit fährt, dann kommt eine neue Herausforderung dazu, die er in der Formel 1 noch nicht kennt. Jäger zu sein ist deswegen viel einfacher. Deswegen kommt uns die Situation entgegen."

Red Bull hat das "schnellste Paket"

 33 Max Verstappen NED, Red Bull Racing, F1 Grand Prix of Monaco at Circuit de Monaco on May 23, 2021 in Monte-Carlo, Monaco. Photo by HOCH ZWEI Monte-Carlo Monaco *** 33 Max Verstappen NED, Red Bull Racing , F1 Grand Prix of Monaco at Circuit de Mon
Ist Max Verstappen reif für den Titel?
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Wie schon nach den Testfahrten in Bahrain Mitte März schiebt er Red Bull unverhohlen die Favoritenrolle zu: "Red Bull kann die Favoritenrolle nicht abstreiten. Das ist die Realität", sagte Wolff. Seiner Meinung nach habt die Konkurrenz aus Österreich das schnellste Auto in diesem Jahr, auch wenn es nur ein Mal für die Pole (Bahrain) reichte. Anschließend war bis Monaco immer Mercedes ganz vorne. "Red Bull hätte überall auf der Pole stehen müssen. Das ist das schnellste Paket." Klare Ansage.

Und Wolff legt den Finger noch etwas in die Wunde und listet auf, wo Verstappen und Red Bull noch mehr Punkte hätten holen müssen. Zum einen beim Auftakt in Bahrain, dort "hätte Max gewinnen müssen, wenn Lewis nicht so unglaublich gefahren wäre". Kurz vor Ende des Rennen hatte Verstappen Hamilton zwar überholt, war aber außerhalb der Strecke gewesen und musste infolgedessen den Briten wieder vorbeilassen.

"Hätte er vor dem Überholversuch noch eine halbe Runde gewartet, dann wäre er als Erster ins Ziel gekommen", analysierte der 49-Jährige. Auch in Imola habe Verstappen in der Quali einen Fehler gemacht. In Portugal hätte ihm erneut Track Limits das Leben schwer gemacht.

Ein Grund dafür: Hamilton saß "ihm im Nacken" und konnte "deshalb überholen".

Das letzte Wort zwischen den Platzhirschen ist noch lange nicht gesprochen. Sicher ist nur: Die F1-Psychospielchen gehen munter weiter. (msc)