Vettel fährt erste Punkte für Aston Martin ein

Verstappen triumphiert in Monaco und knöpft Hamilton WM-Führung ab

Die Entscheidung beim Monaco-GP: Max Verstappen gewinnt den Start und später auch das Rennen.
Die Entscheidung beim Monaco-GP: Max Verstappen gewinnt den Start und später auch das Rennen.
© imago images/Motorsport Images, Andy Hone via www.imago-images.de, www.imago-images.de

23. Mai 2021 - 22:46 Uhr

Max Verstappen gewinnt Grand Prix von Monaco

Max Verstappen hat den Ausfall von Polesetter Charles Leclerc genutzt und den Großen Preis von Monaco gewonnen. Der Red-Bull-Pilot münzte seinen geschenkten Platz an der Sonne beim Start in eine Führung um, die er nicht mehr abgab. Carlos Sainz trocknete die Tränen der Ferraristi mit Platz 2 zumindest ein wenig, McLaren-Mann Lando Norris komplettierte das Podest.

Weil Weltmeister Lewis Hamilton in den Häuserschluchten Monte Carlos nur Siebter wurde, knöpfte Verstappen dem Briten die WM-Führung ab. Valtteri Bottas' Ausfall wegen einer klemmenden Radmutter machte das schwarze Mercedes-Wochenende perfekt. Sebastian Vettel fuhr im fünften Saisonrennen nach tadelloser Leistung endlich die ersten Punkte für Aston Martin ein: Der 33-Jährige belegte Rang 5. Mick Schumacher landete bei seinem F1-Debüt im Leitplanken-Labyrinth hinter Haas-Rivale Nikita Mazepin auf dem 18. und letzten Platz.

Des einen Freud, des anderen ...

"Ich bin superhappy. Es ist etwas ganz Besonderes, hier zu siegen. Es war ein unglaubliches Rennen, man muss immer hochkonzentriert sein. Man weiß nie, was passiert, ich musste auf die Reifen achten und einen guten Moment für den Boxenstopp finden, aber ich hatte eigentlich das ganze Rennen unter Kontrolle", sagte Verstappen nach seinem zwölften GP-Sieg. "Schon als kleine Junge träumt man davon, hier zu gewinnen."

Albtraum statt Traum hieß es dagegen für Leclerc. Dem Monegassen klebte auch bei seinem dritten F1-Auftritt in den heimischen Straßen das Pech am Heck. Weil sein Ferrari streikte (offenbar die linke Antriebswelle), musste Leclerc schon vor dem Start aus seinem SF21 aussteigen, statt von Pole den erhofften Heimsieg einzufahren.

Auch für Hamilton lief das prestigeträchtige Rennen nicht wie geplant. Statt von Startposition 6 Jagd zu machen, verlor der Brite unterm Strich wegen einer verpatzten Strategie sogar einen Platz, meckerte zudem rundenlang über sein Team. Immerhin schnappte sich der Titelverteidiger noch den Extrapunkt für die Schnellste Rennrunde. In der WM liegt Hamilton nach der Monaco-Schlappe jetzt vier Punkte hinter Verstappen.

Der Monaco-GP im Zeitraffer

Start/Runde 1: Verstappen kommt nicht gut vom Fleck, knallt Bottas aber sofort die Tür zu und biegt als Erster in die Sainte Devote. Unmittelbar dahinter keine Positionswechsel. Dafür gewinnt Schumacher einen Platz: In der superlangsamen Grand Hotel Hairpin (früher Loews-Kurve) presst er sich innen über den Randstein und tuckert an Haas-Rivale Nikita Mazepin vorbei, der netterweise Platz lässt – sonst hätte es hier gerumpelt. Vettel kommt hinter Hamilton als Siebter auf Start/Ziel zurück.

Runde 2-8: Verstappen und Bottas ziehen vorne weg, knallen abwechselnd schnellste Rennrunden aufs fürstliche Parkett. Sainz liegt auf Rang 3 schon vier Sekunden zurück.

Runde 10-13: An der Spitze ist Reifenmanagement gefragt: Die Verstappen-Bottas-Lücke pendelt zwischen 1,5 und zwei Sekunden hin und her.

Runde 14: Track Limits – hört, hört! – gibt's in Monaco auch welche, vor allem in der Hafenschikane nach dem Tunnel. Weil Mazepin (P19) da schon dreimal über die Begrenzung gerattert ist, sieht der junge Russe die Schwarz-Weiße Flagge – heißt: Verwarnung, wiederholen verboten! Wenig später patzt Mazepin allerdings erneut, kassiert eine 5-Sekunden-Strafe. Das Loch zu Schumacher (P18) wird aber auch so von Runde zu Runde zu größer.

Runde 16: Mercedes-Flurfunk an Bottas: Zeig, was du hast! Das Kalkül: Der Finne soll den Vorsprung auf den achtplatzierten Perez ausbauen, damit er bei einem Stopp vor dem Mexikaner wieder rauskäme. Perez ist derweil bis auf 1,8 Sekunden an Vettel dran, knallt in Runde 19 eine schnellste Rennrunde hin, um Bottas unter Druck zu setzen.

Runde 20: Auch Norris sieht die Schwarz-Weiße Fahne, auch der McLaren-Mann hat in Kurve 10 (Hafenschikane) schon dreimal die Limits gerissen. "Keine weiteren Fehler!", befiehlt sein Ingenieur.

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Bottas erlebt Boxen-Albtraum - bei Vettels wird's gaaaaaaanz eng

Runde 24-26: Sainz macht Druck, dampft seinen Rückstand auf Bottas auf 1,2 Sekunden ein. "Ihr wisst, dass der Reifen nicht mehr viel hat", funkt der Finne durch. Verstappen setzt sich derweil ab, rangiert vier Sekunden vor seinem Mercedes-Verfolger.

Runde 30-33: Hamilton in der Box: In 2,2 Sekunden gibt's harte Reifen. Der Weltmeister will Gasly per "Undercut" überholen, der reagiert sofort und bleibt knapp vorne. Noch länger bleibt Vettel draußen – sein Plan: Gasly und Hamilton "overcutten".

In Runde 31 kommt auch Bottas – und erlebt den Boxen-Albtraum! Vorne rechts frisst sich die Radmutter fest – der Schlagschrauber klemmt und klemmt und klemmt. Das Aus für den Finnen wegen einer Radmutter – unfassbar!

Ganz glatt läuft der Service dafür bei Vettel. Und Aston Martins Strategie passt wie A**** auf Eimer: Der Deutsche kommt hauchdünn vor Gasly und Hamilton als Fünfter raus. Hamilton kotzt sogleich im Funk ab, mosert, man hätte ihn länger draußen lassen sollen.

Runde 34-36: Top-Job bei Red Bull: Erst kriegt Verstappen in zwei Sekunden frische, harte Gummis. Zwei Runden später stoppt Perez als Letzter der Top-Leute. Die Strategie geht auf: Der Mexikaner schlüpft durch den späten Reifenwechsel an Vettel vorbei auf Rang 4. Die Top 7 nach den Stopps: Verstappen, Sainz, Norris, Perez, Vettel, Gasly, Hamilton.

Runde 40/41: Schumacher hat Platz 18 wegen eines Benzindruck-Gremlins an Mazepin verloren und kommt zur Garagen-Visite. Mit zwei Runden Rückstand gibt Schumi jr. als Letzter wieder Gas. Eine Runde später zeigt die Rennleitung auch Mick die Schwarz-Weiße Flagge. Vorne "thront" Verstappen – unter den Augen von Tennis-Legende Serena Williams – unterdessen mehr als drei Sekunden vor Sainz im Ferrari.

Küsschen für Max - Vettel "Fahrer des Tages"

Runde 59/60: Norris' harte Schluffen machen schlapp, Red Bull wittert Morgenluft und ordnet eine Perez-Attacke an. McLaren reagiert: "Alle haben jetzt Probleme. Voller Konzentrations-Modus." Klar: Überholen ist in Monte Carlo praktisch unmöglich, Norris muss seinen orange-blauen Boliden also eigentlich nur vor Perez ins Ziel tragen.

Vettel-Kollege Stroll kommt als letzter Pilot in die Box und geht mit Soft-Pneus auf Zeitenjagd. Aber: Beim Rausfahren kratzt Stroll die Boxen-Linie. Die Kommissare ermitteln, weil Stroll die Linie aber nicht kreuzte, setzt's keine Strafe.

Runde 66: Perez lässt die Trompeten von Mexiko ertönen, robbt sich bis auf 0,7 Sekunden an Norris heran.

Runde 68: Hamilton hat genug Vorsprung auf Stroll (P8) und holt sich deshalb nochmal frische Soft-Walzen. Sinn und Zweck: Mit den weichen Gummis wenigstens die Schnellste Rennrunde und den Extrapunkt einheimsen.

Runde 69: 1:12,909 – mit Wut im Bauch knallt Hamilton die Schnellste Rennrunde hin – obendrauf noch Rundenrekord auf dem Monaco Circuit. An der Spitze liegt Verstappen souverän, nämlich sieben Sekunden, vor Sainz.

Runde 78/Ziel: F1-Fürst Max I. cruist zu seinem ersten Monaco-Triumph und übernimmt mit 105 Punkten die WM-Führung von Hamilton (101). "Hahaha, yes!", funkt er befreit auf. Nach einem Küsschen von Freundin Kelly Piquet gibt's von Fürst Albert ("I'm glad it's you") die Trophäe. Sainz wird von Serena Williams als Zweiter abgewunken, Norris glänzt mit dem zweiten Podiumbesuch der Saison.

Perez krönt seine starke Rennpace mit P4, Vettel zeigt als Fünfter, dass er's noch kann, die Fans wählen ihn online zum "Fahrer des Tages". Pierre Gasly macht für AlphaTauri fette Beute, verweist Hamilton auf Platz 7. Stroll, Alpine-Ass Esteban Ocon und - bravo Gio! - Antonio Giovinazzi (Alfa Romeo) komplettieren die Top 10. (mar)