Geflüchtete in Ceuta

Diese Umarmung sorgt für Hass und Hetze im Netz

24. Mai 2021 - 11:56 Uhr

Luna reagiert menschlich - das Netz reagiert mit Hass

Sie wollte eigentlich nur helfen – und jetzt schlägt ihr der Hass entgegen. Auf diesem Foto, das gerade um die Welt geht, umarmt Luna einen unbekannten senegalesischen Mann in der spanischen Exklave Ceuta. Er ist aus dem Senegal geflohen – und wagte dafür den gefährlichen Seeweg. Mit allerletzter Kraft schwimmt er an den Strand. Körperlich und mental völlig ausgelaugt will ihm Luna helfen, gibt ihm Wasser zu trinken. Der Mann bricht in Tränen aus, umarmt die 20-jährige Praktikantin des Spanischen Roten Kreuzes voller Dankbarkeit. Diesen Moment hat Fotograf Bernart Armangué festgehalten – wie er die Situation erlebt hat, sehen Sie im Video.

Foto aus Ceuta: Rotes Kreuz-Helferin umarmt Flüchtling aus dem Senegal

Ihre öffentlichen Social-Media-Profile stellte Luna auf "privat"

Doch nicht alle finden diese Szenen rührend – ganz im Gegenteil. In sozialen Medien schlägt der jungen Frau der pure Hass entgegen. Der Grund: Einige Menschen können nicht verstehen, wie sie einen Flüchtling berühren kann. Andere stören sich daran, dass sie ihn umarmt, obwohl wir uns mitten in der Pandemie befinden. Luna stellt daraufhin alle ihre Profile auf privat. Als das Foto weiter um die Welt geht, erfährt sie aber nach dem "Shitstorm" einen wahren "Lovestorm". Unterstützung bekommt sie aus der spanischen Politik, von Schauspielern und Menschenrechtsorganisationen. Auf Twitter trendet der Hashtag #GraciasLuna, "Danke Luna!".

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Fotograf kann verstehen, warum das Bild um die Welt geht

"Ich denke, jeder von uns kann sich mit beiden identifizieren. Viele von uns haben im Leben schon Momente mit intensivem, emotionalem Schmerz erlebt und dann brauchen wir so eine Umarmung. Gleichzeitig haben wir andere in solchen Momenten schon unterstützt", sagt Fotograf Bernart Armangué, der nur wenige Meter neben den beiden steht und auf den Auslöser drückt.

Für den Journalisten ergab sich vor Ort ein angespanntes Bild: Das spanische Militär unterstützte zum Teil die Rot-Kreuz-Freiwilligen bei der Hilfe für die Migranten, andere Soldaten zogen und trugen die Geflüchteten zurück in Richtung Meer.

Laut der spanischen Regierung sind innerhalb von 48 Stunden rund 8.000 Menschen in spanisches Gebiet gelangt. Mehr als 5.700 wurden wieder zurückgedrängt, die meisten von ihnen gingen jedoch freiwillig wieder zurück, weil sie keine Unterkunft in Ceuta und einen Weg auf den europäischen Kontinent finden konnten. Die Stimmung zwischen den Nachbarländern Spanien und Marokko ist angespannt.