Ermittlungen im Fall Madeleine "Maddie" McCann

Hat Christian B. (43) auch Carola Titze (†16) getötet?

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11. Juni 2020 - 9:39 Uhr

Ermittler prüfen Verbindung zum Mordfall "Carola Titze"

Vor 24 Jahren machte die damals 16-jährige Carola Titze aus dem niedersächsischen Vechta mit ihren Eltern Urlaub an der belgischen Nordseeküste. Die Jugendliche brach damals zu einem Spatziergang im Badeort De Haan auf, von dem sie nicht mehr zurückkehrte. Ihre Leiche wurde wenig später nur 200 Meter von der Feriensiedlung entfernt gefunden. 2016 wurden die Ermittlungen zu dem Fall eingestellt. Doch nun die Wende: Laut belgischen Medien prüfen die Ermittler, ob der Verdächtige im Fall Maddie McCann etwas mit dem Mord an der 16-Jährigen zu tun haben könnte.

Carola (†16) wurde vergewaltigt und ermordet

Christian B. wird verdächtigt, mit dem Verschwinden von Maddie McCann zu tun zu haben.
Christian B. wird verdächtigt, mit dem Verschwinden von Maddie McCann zu tun zu haben.
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Wie das belgische Nachrichtenportal "Het Nieuwsblad" berichtet, prüfen die Ermittler, ob ein Zusammenhang zwischen dem Mord an Carola Titze und Christian B., dem Verdächtigen im Mordfall Madeleine "Maddie" McCann, besteht. Die damals 16-Jährige war im Juli 1996 im belgischen Badeort De Haan ermordet worden. Sie hatte dort in mit ihren Eltern in einem Ferienhaus Urlaub gemacht. Am 5. Juli brauch sie zu einem Spaziergang auf und verschwand. Sechs Tage lang durchkämmte die Polizei die Gegend und fand die Leiche des Teenagers 200 Meter von der Feriensiedlung entfernt. Nach Angaben der Ermittler war das Mädchen vergewaltigt worden, ihr Körper wies Gewaltspuren auf.

Ex-Ermittlungsrichter: „Er könnte es gewesen sein“

Die Ermittler hatten damals nach einem jüngeren Verdächtigen im Alter zwischen 17 und 19 Jahren gesucht. Er soll Carola am Abend vor ihrem Verschwinden in einer Disco angesprochen haben. Augenzeugen beschrieben ihn als 1,80 Meter großen schlanken Mann mit braunen Haaren. Er habe mit einem "ostdeutschen Akzent" gesprochen. Doch die Suche blieb erfolglos. Bis heute konnte der Fall nicht aufgeklärt werden. Vor vier Jahren wurden die Ermittlungen schließlich ergebnislos eingestellt. 

Der ehemalige Brügger Ermittlungsrichter Paul Gevaert erinnert sich noch gut an den Fall. Es sei die größte Enttäuschung seiner Karriere gewesen, den Fall ohne Ergebnis beendet zu haben. Doch als er die neusten Entwicklungen im Fall Maddie und das Foto von Christian B. sah, sagte der 71-Jährige laut "Het Nieuwsblad" zu seiner Frau: "Er könnte es sein, ich hoffe es wirklich für die Familie." Christian B. weise Ähnlichkeiten mit einem Phantombild des Gesuchten auf.

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Phantombild des Mannes, der als Zeuge im Zusammenhang mit dem Tot der Carola Titze in De Haan / Belgien gesucht wird.
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Verdacht gegen Ronald Janssen und Marc Dutroux

Wie das Nachrichtenportal "De Standaard" beichtet, haben die Ermittler aber auch noch andere Verdächtige im Visier: Ronald Janssen und Marc Dutroux. Janssen war 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt worden, nachdem er drei Jugendliche ermordet hatte. Ein Jahr später musste er sich erneut wegen Vergewaltigung und versuchter Vergewaltigung in zehn Fällen vor Gericht verantworten.

Dutroux hatte in den neunziger Jahren mehrere Mädchen monatelang im Keller gefangen gehalten und getötet, 2004 war er wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Fall erregte internationales Aufsehen, weil er massive Defizite der belgischen Justiz und Polizei ans Licht brachte und Anlass für eine Staatskrise war.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem Mord an Carola und den beiden verurteilten Mördern und Sexualstraftätern besteht, werde noch geprüft, heißt es.

Zusammenhang zum Vermisstenfall "Louise Kerton"

Am Dienstag meldete sich im Nachrichtenportal "The Sun" auch der Vater einer in Deutschland verschwunden Britin zu Wort. Phil Kerton bittet die Ermittler zu prüfen, ob Christian B. auch seine im Jahr 2001 spurlos verschwundene Tochter Louise entführt und ermordet haben könnte. Die damals 24-jährige Krankenschwester aus dem englischen Kent war zu Besuch bei den Eltern ihres Verlobten in Swisttal bei Bonn. Ihre zukünftige Schwiegermutter fuhr sie am 30. Juli zum Bahnhof nach Aachen. Von dort aus wollte sie mit dem Zug zurück nach England reisen. Ob Louise überhaupt in den Zug stieg, ist noch immer unklar. Sicher ist nur: Sie kam nie an ihrem Ziel an. Die Polizei geht davon aus, dass sie ermordet wurde.

In dieser Zeit pendelte B. zwischen Portugal und Deutschland. Zum Beuteschema des 43-jährigen Verdächtigen scheinen wohl alle Altersgruppen gehört zu haben, sagt Kerton und fügt hinzu: "Ich würde die Polizei dringend bitten, zu prüfen, ob sein Aufenthaltsort und seine Aktivitäten zum Zeitpunkt von Louises Verschwinden ordnungsgemäß untersucht worden sind."

TVNOW-Doku zum Fall Maddie

Maddies Eltern, die zwischendurch sogar selbst ins Visier der Ermittler gerieten haben 13 Jahre lang gebangt und gehofft, dass ihr Kind noch am Leben sein könnte. Hat die Polizei diesmal endlich den richtigen Tatverdächtigen? Lässt sich der Fall jetzt endlich aufklären? Mehr dazu sehen Sie in der TVNOW-Doku "Der Fall Maddie – haben sie endlich den Richtigen?".