Justizminister: "Staatsanwaltschaft Flensburg hat ordentlich gearbeitet"

Verdächtiger im Fall Maddie: Gab es eine Justizpanne um Christian B. in Schleswig-Holstein?

10.06.2020, Schleswig-Holstein, Kiel: Schleswig-Holsteins Justizminister Claus Christian Claussen (CDU) liest eine Erklärung vor während einer Sitzung des Innen- und Rechtsausschusses im Kieler Landtag. Es sollte geklärt werden, warum der Hauptverdäc
Ausschuss tagt im Fall Maddie in Kiel
axs, dpa, Frank Molter

Wurde Frist bei den Ermittlungen um Christian B. versäumt?

Ist Christian B., der im Verdacht steht Madeleine McCann entführt und ermordet zu haben, wegen einer Justizpanne der Staatsanwaltschaft Flensburg 2018 vorübergehend für etwa vier Wochen freigekommen? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Landtag in Schleswig-Holstein. Es ging um eine möglicherweise versäumte Frist, so dass der Mann aus der früheren Haft wegen Kindesmissbrauchs entlassen wurde. Justizminister Claus Christian Claussen musste dem Innen- und Rechtsausschuss Rede und Antwort stehen: „Es gab keine Panne. Die Staatsanwaltschaft hat ordentlich gearbeitet“, sagt er.

Christian B. kam zwischenzeitlich aus dem Gefängnis frei

2011 wird Christian B. verurteilt. Damals geht es um den Handel mit Betäubungsmitteln. Er bekommt eine Bewährungsstrafe. 2018 verbüßt er dann eine Haftstrafe wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes. Während er die 15 Monate absitzt, beantragt die Staatsanwaltschaft Flensburg, dass er die Haft, die im Urteil 2011 zur Bewährung ausgesetzt war, im Anschluss ebenfalls absitzen muss. Schließlich sei die positive Sozialprognose für den Verurteilten damals falsch gewesen.

Das Problem: Um diese ältere Strafe zu vollstrecken, muss die Staatsanwaltschaft Flensburg aber erst die Justiz in Portugal um ihr Einverständnis bitten. Von dort wurde Christian B. zuvor nach Schleswig-Holstein ausgeliefert. „Dann hat die Staatsanwaltschaft auch versucht, die Zustimmung aus Portugal zu bekommen, dass eine Anschlussvollstreckung stattfinden kann“, erklärt Claussen. Das sei aber innerhalb von zwei Monaten nicht machbar gewesen.

Bis alle notwendigen Zustimmungen vorliegen, ist Christian B. schon aus der Haft entlassen und reist nach Italien aus. Letztendlich wird ein europäischer Haftbefehl ausgestellt und die italienischen Behörden nehmen Christian B. fest. Sie übergeben ihn an die deutschen Behörden und er geht zurück ins Gefängnis. In Kiel verbüßt er also gerade die Haftstrafe von dem Vergehen aus 2011.

"Wir haben unsere Arbeit ordentlich gemacht"

Stephanie Gropp von der Staatsanwaltschaft Flensburg sagt auf RTL-Anfrage: "Wir haben unsere Arbeit ordentlich gemacht. Wir haben hier ein komplexes Verfahren. Wir haben langwierige Rechtshilfewege. Wir haben zahlreiche Beschwerden des Verurteilten. Das sind Umstände, die Verfahren sehr zeitaufwendig machen."

Wie Schleswig-Holsteins Justizminister mitteilte, wurde Christian B. inzwischen in eine Einzelzelle verlegt. Er darf zudem nur einzeln und in Begleitung von Wachpersonal aus der Zelle. So will man verhindern, dass er von Mitgefangenen attackiert wird.

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