RTL News>News>

Erstes Kriegsverbrecher-Urteil: Die Welt schaut heute in Gerichtssaal 201 in Kiew

Erster russischer Kriegsverbrecher verurteilt:

Die Welt schaut heute in Gerichtssaal 201 in Kiew

Lebenslange Haft für russischen Kriegsverbrecher Urteil in Kiew gefallen

30 weitere Videos

von Jakob Paßlick, Kiew

Am 24. Februar 2022 begann in der Ukraine ein grauenvoll geführter Krieg der Russen - nun drei Monate später folgt das erste Urteil gegen einen russischen Soldaten wegen begangener Kriegsverbrechen . Der Medienandrang ist riesig, aus aller Welt sind Journalisten da, die aus dem Gerichtsaal 201 in Kiew berichten. Angeklagt ist der russische Soldat Wadim Sch. Groß war die Sorge, dass es ein Schauprozess würde.

Unser Reporter Jakob Paßlick berichtet aus dem Gerichtssaal.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

RTL-Reporter Jakob Paßlick berichtet aus der Ukraine.
RTL-Reporter Jakob Paßlick berichtet aus Kiew.
RTL

Witwe des Ermordeten zeigt sich offen für einen Gefangenenaustausch

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass er am 28. Februar im Dorf Tschupachiwka im Gebiet Sumy im Nordosten der Ukraine den 62-jährigen Zivilisten Alexander Schelipow getötet hat. Der Mann war mit seinem Fahrrad unterwegs, nicht weit von seinem Haus entfernt, als der 21-jährige Soldat Wadim Sch. auf ihn schießt und ihn tötet. Der Russe gesteht, doch er habe diesen Befehl ausführen müssen, als er mit drei weiteren Soldaten mit einem geklauten Auto flüchten wollte. Befehl hin, Befehl her, der junge Mann hat ein unschuldiges Menschenleben auf dem Gewissen.

Die Witwe des Ermordeten forderte lebenslange Haft, zeigte sich dennoch offen für einen möglichen Gefangenenaustausch mit Asovstal-Kämpfern, die sich derzeit in russischer Gefangenschaft befinden. Ihr Herz sei aber für immer gebrochen.

Der Soldat entschuldigte sich, bittet um Verzeihung und akzeptiere jede Strafe.

Es war kein Schauprozess - der Angeklagte wurde nicht unnötig vorgeführt

Als das Urteil gesprochen wird, steht er regungslos in einem Glaskasten. Ein junger Kerl, abrasierte Haare, ja fast kindliche Gesichtszüge, die keine Regung verspüren. Es ist das erwartete Urteil, das die Richter fällen: Lebenslang. Sein Pflichtverteidiger möchte in Berufung gehen, doch ein anderes Strafmaß scheint kaum vorstellbar, angesichts der erdrückenden Beweise und des ausführlichen Geständnisses von Wadim Sch..

Die Sorgen, dass aus diesem ersten Prozess gegen russische Kriegsverbrechen ein Schauprozess werden würde, waren groß. Doch es war keiner, der Angeklagte wurde nicht unnötig vorgeführt.

Das zeigte vor allem auch das Gericht, dass sich viel Zeit für eine detaillierte Begründung ließ – 90 Minuten wurde die Sachlage dargelegt. Nach dem Urteil wurde er geschützt vor zu aufdringlichen Journalisten von Polizei und Soldaten in einem Auto abtransportiert. Schnell setzte sich der Wagen im Regen von Kiew in Bewegung – die Zukunft des Soldaten bleibt trotz der lebenslangen Freiheitsstrafe ungewiss. Aber selbst, wenn ein Gefangenaustausch zustande käme, müsste er immer mit der Schuld leben, einen unschuldigen Menschen ermordet zu haben.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Unsere Reporter vor Ort, Interviews und Analysen - in unserer Videoplaylist

Playlist: 30 Videos

So können Sie den Menschen in der Ukraine helfen

Helfen Sie Familien in der Ukraine! Der RTL-Spendenmarathon garantiert: Jeder Cent kommt an Alle Infos und Spendenmöglichkeiten hier!