Was die Expertin Wohnungssuchenden rät

Erst zum Medizin-Check, dann die Wohnung? Angebliche Vermieter-Mail sorgt für Wirbel

Ein Mieter hält einen Schlüssel in der Hand.
Was dürfen Vermieter? Und worauf kommt es bei einer Wohnungsbesichtigung wirklich an?
picture alliance / dpa-tmn | Christin Klose

von Vera Dünnwald

Wenn man innerhalb einer Großstadt umziehen und sich eine neue Bleibe suchen muss, beginnt oft eine lange Odyssee, denn: Eine neue Wohnung zu finden, scheint vielerorts nahezu ein Ding der Unmöglichkeit zu sein – zu wenig Angebote, alles viel zu teuer, Massenbewerbungen, Absagen ohne Ende. Auch der Wohnungsmarkt in Deutschlands Hauptstadt ist prekär. Dass Vermieter gerne aussortieren, um den potenziell „besten“ Mieter zu finden, ist dabei bis zu einem gewissen Grad verständlich. Doch eine vermeintliche Vermieter-Mail an einen Bewerber, der sich für eine Wohnung in Berlin-Schöneberg interessierte, übertrifft dann doch alles!

Wohnungsinteressenten sollen sich angeblich per Video-Call einem Medizin-Check unterziehen

Wie der „Tagesspiegel“ berichtet, soll ein Interessent auf eine Anfrage für eine 4-Zimmer-Wohnung in Schöneberg eine bizarre E-Mail des Vermieters erhalten haben. Angeboten wurden 96 Quadratmeter für 1.200 Euro Kaltmiete – für Familien, die bereit sind, sich einem Medizin-Check zu unterziehen.

Im Text hieß es demnach angeblich: „Familien haben die Möglichkeit, heute oder morgen einen Nachweis zu machen, dass Sie wirklich eine Familie sind und somit die Bewerbung deutlich zu unterstützen. Hierzu erfolgt ein kurzer spezieller Video-Call mit einer beauftragten Ärztin, in welchem die Eltern Fragen beantworten müssen. Zudem erfolgt ein Abgleich von 3 Körperstellen (Mutter und ältestes Kind) als Mutter/Kind-Nachweis.“

Wie bitte? Eine Ärztin soll Teil des Bewerbungsprozesses sein? Drei Körperstellen sollen untersucht werden? Man soll nachweisen, dass man wirklich miteinander verwandt ist? Was ein solcher Medizin-Check mit der Suche nach einer neuen Wohnung zu tun hat, ist mehr als fraglich. Begründet wurde das verrückte Prozedere in der Mail angeblich mit dem „knappen Wohnungsmarkt“. Dennoch: Darf man so etwas wirklich verlangen?

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Rechtsanwältin Nicole Mutschke erklärt im RTL-Interview ganz klar: Eine solche Forderung geht zu weit. „Zum einen haben Vermieter grundsätzlich keinen gesetzlichen Anspruch darauf, Auskünfte von potenziellen Mietern zu ihrer Person zu verlangen“, so die Expertin. Andererseits könne ein Vermieter aber frei entscheiden, an wen er die Wohnung vermietet, sodass die Nichtbeantwortung von Fragen die Chancen des Mietinteressenten schmälern könnten. „Hierbei ist das Fragerecht des Vermieters allerdings nach geltendem Datenschutzrecht beschränkt auf solche Fragen, die für das Mietverhältnis bedeutsam sind.“ Ein Medizin-Check gehöre nicht dazu.

Daneben sei auch das Recht auf informationelle Selbstbestimmung des Mieters zu beachten, so Mutschke. „Personenbezogene Daten des potenziellen Mieters müssen mit der Miete in Zusammenhang und für den Vermieter notwendig sein. Daher mag zwar ein Interesse des Vermieters bestehen, zu wissen, wer letztendlich in der Wohnung wohnen wird. Eine ärztliche Untersuchung zur Feststellung des Familienverhältnisses dürfte hierzu aber nicht notwendig und für die Betroffenen unangemessen sein.“

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Was Vermieter fragen dürfen - und was nicht

Die Rechtsanwältin weiß aber auch, dass Vermieter durchaus immer wieder mit kruden Forderungen daherkommen und mit ihren Fragen an Mietinteressenten über das Ziel hinausschießen, etwa persönliche Fragen „zu (geplanten) Schwangerschaften oder auch zu besonderen Vorlieben in Bezug auf Musik und Hobbys, die im Grunde nichts mit dem künftigen Mietverhältnis zu tun haben.“

Wie weit dürfen Vermieter also letzten Endes gehen, wenn es um die Auskunft potenzieller Mieter geht? Sie dürfen sich durchaus ein Bild machen und dazu berechtigte Fragen stellen. Es gilt: „Je konkreter der Abschluss eines Mietvertrages wird, desto mehr kann der Vermieter fragen.“

Auskünfte zum Beruf und Einkommensverhältnis sowie zu einer Bonitätsauskunft seien durchaus relevant, auch Fragen zu Alter und Zahl der im Haushalt angehörigen Personen seien grundsätzlich zulässig.

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Tipps bei der Wohnungsbewerbung: Das sollten Sie wissen

Um eine Wohnung zu finden, empfiehlt Rechtsanwältin Nicole Mutschke vor allem eines: schnell sein. Denn „gerade in Ballungszentren mit angespanntem Wohnungsmarkt melden sich häufig – für manche Vermieter unerwartet – viele Interessenten. Sollte man es zu einer Wohnungsbesichtigung geschafft haben, sollte man natürlich einen möglichst guten Eindruck hinterlassen und dem Vermieter auch gleich echtes Interesse signalisieren.“

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Ihr Tipp: sinnvolle Auskünfte von selbst anbieten und übersichtlich präsentieren. Schließlich zähle für viele, gerade private Vermieter häufig der erste Eindruck, sodass man hier schon versuchen könne, sich von anderen Bewerbern abzuheben.

Basierend auf einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Mindline Media hat das Immobilienportal Immobilienscout24 die wichtigsten Punkte, auf die Vermieter achten, zusammengefasst. An oberster Stelle steht die Zahlungsfähigkeit, dicht gefolgt von einer Mietschuldenfreiheitsbescheinigung, mit der Mietinteressenten nachweisen können, dass sie auch in der Vergangenheit ihre Miete pünktlich gezahlt haben. Viele Vermieter achten auf Sympathie, Persönlichkeit, gute Manieren, ein gepflegtes Erscheinungsbild, freundliches Verhalten und Pünktlichkeit. Und: Für einige ist unabdinglich, dass der potenziell zukünftige Mieter gut in die Nachbarschaft passt.