Miet-Schock

80 Großstädte im 5-Jahresvergleich

Auch der Berliner Mietendeckel konnte die Preissteigerungen in der Hauptstadt kaum aufhalten.
Auch der Berliner Mietendeckel konnte die Preissteigerungen in der Hauptstadt kaum aufhalten.
© dpa, Fabian Sommer, som fgj

05. August 2021 - 13:47 Uhr

Bis zu 42 Prozent Mietsteigerung

Wer in einer Großstadt wohnt, lebt seit Jahren mit steigenden Kosten. Vor allem bei Neuvermietungen sind die Preissteigerungen enorm. Eine Auswertung des Immobilienportals "Immowelt" in 80 deutschen Städten hat jetzt ergeben: Die Mietsteigerung im 5-Jahresvergleich beträgt bis zu 42 Prozent.

Berlin trotz Mietendeckel mit krassen Zuwächsen

Laut Immowelt haben sich in den vergangenen 5 Jahren die Mieten in allen 80 untersuchten Städten verteuert. In 34 Städten müssen Wohnungssuchende aktuell sogar mindestens 20 Prozent mehr bezahlen als noch 2016. Für die Immowelt-Analyse wurden die Angebotsmieten von Wohnungen (40 bis 120 Quadratmeter, alle Baujahre) im jeweils 1. Halbjahr 2016 mit 2021 verglichen. Zur Einordnung: Die Inflation beträgt im gleichen Zeitraum 8 Prozent.

Den stärksten Anstieg aller untersuchten Großstädte weist Berlin auf. Im Jahr 2016 betrugen die Angebotsmieten im Median noch 9,00 Euro. Aktuell müssen Mieter über alle Wohnungstypen und Baujahre hinweg mit Mieten von 12,80 Euro pro Quadratmeter rechnen, was einen Anstieg von 42 Prozent entspricht. Und das, obwohl der Mietendeckel eingeführt wurde und die Angebotsmieten von regulierten Bestandswohnungen seit der Ankündigung des Gesetzes im Juni 2019 bis zuletzt gesunken waren. Nach dem Aus des Mietendeckels im April dieses Jahres kam es bereits jetzt zu Nachholeffekten, die sich wahrscheinlich auch in den kommenden Monaten fortsetzen werden.

Der große Miet-Check: 80 Städte im 5-Jahresvergleich

StadtMiete 2016Miete 2021Veränderung
Berlin9,00 €12,80 €42 %
Heilbronn8,00 €11,00 €38 %
Hildesheim5,70 €7,60 €33 %
Offenbach8,80 €11,40 €30 %
Kaiserslautern6,00 €7,70 €28 %
Stuttgart10,90 €13,80 €27 %
Freiburg10,30 €13,00 €26 %
Heidelberg10,00 €12,50 €25 %
Pforzheim7,30 €9,10 €25 %
Mönchengladbach5,70 €7,10 €25 %
Augsburg9,00 €11,20 €24 %
Lübeck7,10 €8,80 €24 %
München15,50 €19,20 €24 %
Solingen5,90 €7,30 €24 %
Bochum6,00 €7,40 €23 %
Dortmund6,20 €7,60 €23 %
Essen6,20 €7,60 €23 %
Fürth8,10 €9,90 €22 %
Leipzig5,90 €7,20 €22 %
Bielefeld6,40 €7,80 €22 %
Ludwigshafen7,40 €9,00 €22 %
Oldenburg7,40 €9,00 €22 %
Bergisch Gladbach8,00 €9,70 €21 %
Köln9,90 €12,00 €21 %
Leverkusen7,10 €8,60 €21 %
Mainz10,00 €12,1021 %
Krefeld6,20 €7,50 €21 %
Münster9,10 €11,00 €20 %
Mannheim8,30 €10,00 €20 %
Osnabrück6,90 €8,30 €20 %
Darmstadt9,90 €11,90 €20 %
Bremen7,00 €8,40 €20 %
Koblenz7,00 €8,40 €20 %
Erlangen9,20 €11,00 €20 %
Kassel6,70 €8,00 €19 %
Paderborn6,70 €8,00 €19 %
Reutlingen8,80 €10,50 €19 %
Hamburg10,50 €12,50 €19 %
Karlsruhe9,00 €10,70 €19 %
Bremerhaven4,80 €5,70 €19 %
Mülheim5,90 €7,00 €19 %
Kiel7,00 €8,30 €19 %
Duisburg5,40 €6,40 €19 %
Herne5,40 €6,40 19 %
Nürnberg8,70 €10,30 €18 %
Hamm5,50 €6,50 €18 %
Regensburg9,90 €11,70 €18 %
Moers6,20 €7,30 €18 %
Aachen8,00 €9,40 €18 %
Neuss7,50 €8,80 €17 %
Bottrop6,00 €7,00 €17 %
Hannover8,00 €9,30 €17 %
Oberhausen5,60 €6,50 €16 %
Frankfurt12,50 €14,50 €16 %
Düsseldorf9,50 €11,00 €16 %
Bonn8,90 €10,30 €16 %
Wuppertal5,80 €6,70 €16 %
Gelsenkirchen5,20 €6,00 €15 %
Recklinghausen5,40 €6,20 €15 %
Würzburg9,50 €10,90 €15 %
Trier8,20 €9,40 €15 %
Remscheid5,50 €6,30 €15 %
Hagen5,10 €5,80 €14 %
Potsdam9.10 €10,30 €13 %
Jena8,50 €9,60 €13 %
Dresden7,00 €7,90 €13 %
Gütersloh6,50 €7,20 €11 %
Göttingen8,40 €9,30 €11 %
Ulm9,40 €10,40 €11 %
Erfurt7,00 €7,70 €10 %
Saarbrücken7,00 €7,70 €10 %
Salzgitter5,00 €5,50 €10 %
Siegen6,40 €7,00 €9 %
Magdeburg5,50 €6,00 €9 %
Halle (Saale)5,60 €6,10 €9 %
Wiesbaden9,90 €10,70 €8 %
Braunschweig7,50 €8,00 €7 %
Chemnitz5,00 €5,30 €6 %
Rostock6,00 €6,20 €3 %
Ingolstadt11,40 €11,70 €3 %

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Teuerste Städte mit starken Anstiegen

In den ohnehin teuren Städten haben die Mieten laut Immowelt in vergangenen 5 Jahren einen weiteren großen Sprung gemacht. So sind die Angebotsmieten in München von 15,50 Euro auf 19,20 Euro pro Quadratmeter angestiegen. Das entspricht einer Steigerung von 24 Prozent. Auch in Frankfurt (+16 Prozent) und Stuttgart (+27 Prozent) mussten Wohnungssuchende ihr Budget erneut deutlich nach oben anpassen, auch wenn das Preisniveau deutlich niedriger ist als in München. In der zweitteuersten Großstädten Frankfurt beträgt die Medianmiete aktuell 14,50 Euro, in Stuttgart sind es 13,80 Euro.

Doch in allen drei Top-Metropolen scheinen die Mieten allmählich zu stagnieren. Besonders im vergangenen Jahr sind die Mieten nur noch geringfügig gestiegen. München weist von 2020 auf 2021 ein Plus von 2 Prozent auf und Stuttgart von 3 Prozent. In Frankfurt sind die Angebotsmieten sogar gleichgeblieben. Auch in Hamburg hat sich nach einem Anstieg von 19 Prozent in den vergangenen 5 Jahren die Preiskurve zuletzt mit Plus 3 Prozent etwas abgeflacht. In Köln lässt sich dieser Trend hingegen nicht beobachten: Ein Großteil des Anstiegs von 21 Prozent stammt aus dem vergangenen Jahr. Allein vom 1. Halbjahr 2020 sind die Mieten um 8 Prozent nach oben gegangen.

Auch kleinere Großstädte mit starken Zuwächsen

Mit Ausnahme von Berlin gibt es die größten prozentualen Zuwächse eher in kleineren Großstädten. So schließen Heilbronn (+38 Prozent) und Offenbach (+30 Prozent) allmählich zu den Metropolen auf: In beiden Städten haben die Mieten die 11-Euro-Marke geknackt. Freiburg (+26 Prozent) und Heidelberg (+25 Prozent) liegen mit Quadratmeterpreisen von 13,00 Euro beziehungsweise 12,50 Euro sogar unter den Top 10 der teuersten Großstädte. In Hildesheim (+33 Prozent) und Kaiserslautern (+28 Prozent) ist das Preisniveau trotz großer Sprünge hingegen noch niedrig: Knapp 8 Euro kostet der Quadratmeter in beiden Städten.

Ostdeutsche Städte mit niedrigen Anpassungen

In den meisten ostdeutschen Großstädten halten sich die Mietanstiege in Grenzen - mit einer Ausnahme: In Leipzig kletterten die Angebotsmieten in den vergangenen 5 Jahren um 22 Prozent. Die sächsische Großstadt erfreut sich dank attraktivem Freizeit- und Kulturangebot aber auch renommierter Universität großer Beliebtheit bei jungen Erwachsenen und Familien. Die Einwohnerzahl steigt. Die erhöhte Nachfrage nach Wohnraum ist die Hauptursache für den Preisanstieg. Dennoch ist das Preisniveau noch vergleichsweise niedrig. Der Quadratmeterpreis bewegt sich aktuell bei 7,20 Euro. In Dresden (+13 Prozent) sind die Mieten trotz deutlich geringerem Anstieg teurer: 7,90 Euro werden in der Landeshauptstadt derzeit verlangt.

Generell befinden sich unter den Städten mit den geringsten Veränderungen zahlreiche ostdeutsche Großstädte: In Magdeburg, Halle (je +9 Prozent) liegen nur knapp über der Inflation von 8 Prozent im Vergleichszeitraum. Chemnitz (+6 Prozent) und Rostock (+3 Prozent) liegen sogar darunter. Nur im bayerischen Ingolstadt (+3 Prozent) ist die Veränderungen gleich gering. (aze)

Auch interessant