NABU-Ranking deckt aufKreuzfahrtbranche versagt beim Klimaschutz

Urlaub auf dem Meer bleibt dreckiger als gedacht.
Das am Donnerstag (6. August) in Hamburg vorgestellte NABU-Ranking zeigt, deutsche Kreuzfahrtriesen schneiden mäßig ab: Zwar nutzen sie mehr Landstrom, ein echter Umstieg auf grüne Treibstoffe bleibt aber aus.
Landstrom wird kaum genutzt
Die Häfen haben aufgerüstet, die Schiffe bleiben stur. In Hamburg, Kiel und Rostock stehen inzwischen Landstromanschlüsse an den Terminals – in Hamburg sogar an allen drei Kreuzfahrtkais. Trotzdem legen viele Schiffe ihre Dieselanlagen nicht still und ziehen weiter ihren günstigen Borddiesel vor. NABU-Landesvorsitzender Malte Siegert sagt klar: Wer anlegen kann und Landstrom nimmt, der müsse ihn auch nutzen. Schiffe, die gar nicht anschlussfähig sind, sollten seiner Ansicht nach gar nicht erst in den Hafen einfahren.
Nur 6 von 17 Punkten für AIDA und Mein Schiff
Das Kreuzfahrtranking, das der NABU am Donnerstag (6. August) präsentierte, bescheinigt den deutschen Marken AIDA und Mein Schiff von Tui jeweils nur 6 von 17 möglichen Punkten – ein mäßiges Zeugnis für eine Branche, die sich gern als Vorreiter verkauft. Zwar verbesserten viele Reedereien ihre Energieeffizienz, doch beim Umstieg auf klimaneutrale, wasserstoffbasierte Kraftstoffe bleiben fast alle zurück.

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Technik ja, Verantwortung nein
Siegert macht im RTL-Interview deutlich, wo er die Schuld sieht: „Aktuell ist es immer noch günstiger für die Schiffe, wenn sie an Bord ihren Diesel verbrennen, als wenn sie den grünen Strom aus dem Netz nehmen.“ Die Folge: Dieselqualm statt Ruhe an Deck und über den Stadtteilen. Der NABU kritisiert die anhaltende Nutzung von Schweröl und fordert härtere Vorgaben – von Häfen und von der Politik. Ohne klare Regeln werde sich in der Branche nichts ändern, so der Tenor auf der Pressekonferenz.
TUI sieht NABU-Ranking kritisch
TUI Cruises begrüßt auf RTL-Anfrage, dass der NABU mit dem Ranking Aufmerksamkeit für Klimaschutz und Nachhaltigkeit schafft, weist aber darauf hin, dass die konkreten Bewertungskriterien und deren Gewichtung nicht im Detail bekannt seien. Deshalb lasse sich das aktuelle Ergebnis laut TUI nicht abschließend bewerten. Der „Mein Schiff”-Betreiber möchte seine CO₂e-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2019 um 27,5 Prozent gesenkt haben und verweist auf 50.000 Tonnen Emissionen, die das Unternehmen bis Ende des Jahres eingespart haben will.
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Zahlen, die stutzig machen
Allein 2025 liefen 291 Kreuzfahrtschiffe den Hamburger Hafen an, in Kiel waren es 171. Bei so vielen Besuchern hätten Landstromanschlüsse einen großen Effekt, wenn sie genutzt würden. Stattdessen bleibt der Anschluss oft ungenutzt, weil er für Reedereien laut NABU wirtschaftlich unattraktiv ist. Das Ergebnis: kaum weniger Luftschadstoffe während der Liegezeiten und eine verschleppte Klimawende.
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Was der NABU jetzt fordert
Konkret verlangt der NABU: verbindliche Landstrompflicht für schiffsseitig anschlussfähige Schiffe, Ausschluss nicht anschlussfähiger Schiffe aus den Häfen und deutlich mehr politische Durchgriffsrechte auf nationaler und EU-Ebene. Nur so, argumentiert Siegert, lasse sich die Luftbelastung senken und die Branche auf klimafreundliche Treibstoffe umstellen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, NABU, Hafen Hamburg, Kiel Kreuzfahrtschiffliste



