1.700 Personen auf unbestimmte Zeit eingesperrtFrankreich stellt Kreuzfahrtschiff unter Quarantäne

Ein Traum von Freiheit auf dem Meer!
Doch plötzlich dürfen mehr als 1.700 Menschen ihre Kabinen nicht mehr verlassen und hängen in Bordeaux fest. Statt Deckliegen, Ausflügen und Bordbuffet gibt es Fiebermessen, geschlossene Türen und das ständige Warten auf neue Durchsagen. Auf dem Kreuzfahrtschiff „Ambition“ der Reederei Ambassador Cruise Line herrscht seit Dienstag Quarantäne-Stimmung: Ein 90-jähriger Passagier ist gestorben, rund 50 weitere Menschen haben Übelkeit, Erbrechen und Durchfall – an Bord geht die Angst vor einem Norovirus um.
Frankreich stoppt Kreuzfahrt in Bordeaux
Dienstagabend läuft die „Ambition“ in Bordeaux ein, zuvor kam das Schiff aus Brest, davor von den Shetland-Inseln, mit Stopps in Belfast und Liverpool. Eigentlich sollten die meist britischen und irischen Passagiere von hier weiter Richtung Spanien reisen. Doch statt Landgang und Tapas-Tour heißt es: bleiben, wo man ist. Französische Gesundheitsbehörden ordnen an, dass niemand von Bord darf – weder die 1.233 Gäste noch die 514 Crewmitglieder.
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Der Grund: Schon seit einigen Tagen klagen Reisende über plötzliche Magen-Darm-Beschwerden – typisch für eine hochansteckende Gastroenteritis. Der Höhepunkt der Symptome soll bereits am 11. Mai erreicht worden sein, als das Schiff in Brest lag. Jetzt sitzt der komplette schwimmende Hotelbetrieb am Ufer fest. Ein 90-jähriger Passagier, der schon vor der Ankunft in Brest starb, wird im Zusammenhang mit der Verdachtswelle geführt.
Norovirus im Fokus – doch Tests sind noch nicht eindeutig
An Bord laufen seit Tagen Tests. Zunächst schien es Entwarnung zu geben: Erste Analysen hätten Norovirus nicht bestätigt, heißt es. Doch ganz vom Tisch ist der Verdacht nicht – zusätzliche Proben wurden ins Krankenhaus von Bordeaux geschickt. Die Behörden schließen auch ein Problem mit Lebensmitteln nicht aus. Klar ist: Einen Zusammenhang mit dem Hantavirus-Ausbruch auf einem anderen Kreuzfahrtschiff („Hondius“) vor wenigen Wochen schließen die Experten aus.
Für die Menschen an Bord macht diese Differenzierung kaum einen Unterschied. Wer sich krank fühlt, meldet sich beim Bordarzt, wird isoliert und versorgt. Wer bislang symptomfrei ist, soll sich möglichst wenig bewegen, Abstand halten und strenge Hygieneregeln einhalten – auf einem Schiff mit engen Gängen, Aufzügen und Gemeinschaftsflächen alles andere als leicht.
Wie es den Menschen an Bord geht
Offiziell sprechen Reederei und Behörden sachlich von „konsequenten Schutzmaßnahmen“. Zwischen den Zeilen lässt sich erahnen, wie sich das für die mehr als 1.700 Menschen tatsächlich anfühlt:
Viele Kabinen sind klein, manche Gäste sind älter oder vorerkrankt – Isolation ist für sie kein Wellnessprogramm, sondern Belastungsprobe.
Crewmitglieder müssen gleichzeitig arbeiten, reinigen, Essen verteilen – und sich selbst vor Ansteckung schützen.
Die geplante Route ist dahin, der Heimweg unsicher – niemand weiß, wie lange die Quarantäne dauern wird, bis die Labore Klarheit bringen.
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Die Reederei Ambassador Cruise Line betont in einem Statement, man arbeite eng mit den französischen Behörden zusammen und habe bereits an Bord zusätzliche Hygienemaßnahmen, Desinfektionen und Einschränkungen umgesetzt, um die Ausbreitung zu stoppen. Wer auf dem Schiff ist, erlebt aber vor allem eines: Eine Reise, die als „Adults only“-Erholung mit Routen-Romantik verkauft wurde, ist auf einmal ein schwimmendes Quarantäne-Hotel.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen, bfmtv.com, rtl.fr, sudouest.fr



