Tierheime kommen an ihre Grenzen

Kranker Kater Kurti wegen Tierarztrechnung abgegeben

Eine Hand, die zum leeren Geldbeutel greift mit ein paar Münzen und eine kranke Katze mit Halskrause und traurigem Blick
Für den kranken Kater Kurti wurde das Geld knapp
istock/instagram: tierheim_bergheim

von Emily Geisler

Immer mehr Menschen geben ihre oftmals kranken Haustiere in Tierheimen ab und vergessen dabei die daraus entstehenden Folgen für das Tier und die Pfleger. Auch die Abgabegründe werden immer skurriler und sorgen für Kopfschütteln bei den Tierheimen. Wie ernst die Lage vor Ort im Tierheim Süderstraße in Hamburg aussieht, sehen Sie im Video.

Kater Kurti muss ins Tierheim

„Komm rein Kurti, setz dich zu deinen Leidensgenossen in die Krankenstation, dort bist (du) in bester Gesellschaft.“ Was hier nach Sarkasmus klingt, ist für das Tierheim Bergheim bittere Realität und nur eines von vielen Beispielen. In einem Post auf Instagram macht die Auffangstation für Haus- und Wildtiere die Internetnutzer auf den kranken Kater aufmerksam.

„Die Leute können einfach mit einem kranken Tier nicht umgehen“ erklärt die Tierheimleiterin Heike Bergmann im Gespräch mit RTL. Ihr zufolge fehle die Einsicht der Besitzer, dass ein Tier auch mal krank werden kann und auch darf – auch wenn es sich oft nur um eine vorübergehende Erkrankung handelt. Heike Bergmann erklärt dafür: „Sie müssen das immer auf die Lebenszeit des Tieres sehen“, denn der gesunde Zustand dauert in den meisten Fällen länger.

Kater Kurti hat in der Vergangenheit einen Beinbruch erlitten und bereits eine Operation hinter sich. Wegen Komplikationen in der Heilungsphase ist nun eine weitere operative Korrektur nötig, die die Besitzer nicht mehr hätten zahlen können. Plan B ist gefragt und das ist oftmals der Weg ins Tierheim.

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Warum geben immer mehr Tierhalter ihre kleinen Schätze ab?

Eine Instagram-Userin kommentiert den Beitrag von Kater Kurti mit einer Anmerkung, ob es nicht möglicherweise an den steigenden Lebenshaltungskosten liegen mag und die Menschen durch die Inflation zu wenig Geld für die Vierbeiner aufbringen könnten. Auch während Corona hat sich einiges in den Tierheimen verändert und die Anzahl der Neuankömmlinge nimmt stetig zu. „Da dreht sich mir der Magen um, wenn ich das sehe“, gibt Heike Bergmann zu, wenn Sie sieht, wie viele Tiere derzeit auch im Internet angeboten werden. Und wenn das Geld knapp wird, fehlt bei vielen Leuten eben auch das Geld für die ärztliche Versorgung ihrer Tiere.

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Im Gespräch mit RTL gibt Tierschutzberaterin Gina Lularevic an: „Es wurden jetzt 109 Tiere in den ersten drei Wochen der Sommerferien ausgesetzt, dass ist eine sehr hohe Zahl. Letztes Jahr hatten wir vergleichsweise nur 64 Aussetzungen, das ist schon ein Anstieg um circa 40 Prozent.“ Das Tierheim Süderstraße in Hamburg stellt fest, dass oft die finanziellen Mittel bei den Besitzern fehlen, um das eigene Tier ausreichend versorgen und behandeln zu können. Dieses Problem wirkt sich wiederum auch auf die Tierheime aus, da die Tiere häufig in einem sehr schlechten Zustand abgegeben werden.

Auch Heike Bergmann stimmt zu: „Das geht einfach nicht!“ und bezieht sich dabei auf die Corona-Nachwirkungen. Es handle sich oftmals um „die Abgabe und Anfrage von Hunden, die einfach nicht ganz kompatibel und schwierig sind, Sachen kaputt machen, nicht alleine bleiben können oder geschnappt haben.“

Ihre Erfahrung interessiert uns:

Wie Sie und Ihr Tier zusammen bleiben und die Abgabe im Tierheim vermeiden

Ein tapsiger Welpe ist einfach niedlich – und war eine Bereicherung in der einsamen Pandemie-Zeit. Doch jetzt ist der Alltag zurück und der Hund groß. Die Folgen bekommen die Tierheime zu spüren und machen deshalb darauf aufmerksam. Durch Vorbeugen der Probleme wollen sie versuchen, sowohl dem Tier als auch dem Menschen das Leid und Mühsal zu ersparen. „Man kann nicht in der Zeit versuchen einen Hund in sein Leben einzusortieren, da muss man ein bisschen mehr Zeit und Geld investieren“, macht die Tierheimleiterin deutlich.

Daher gelten für die Tiervermittlung im Tierheim strenge Regeln. Nur nach Aufklärungsarbeit und sorgfältigen Kontrollen werden für die Vierbeiner potentielle Besitzer ausgesucht. Haustier-Interessierte sollten sich Gedanken machen, wie viel Zeit und Anspruch ein Tier mit sich bringt und auch den Kostenfaktor schon vorher berücksichtigen. In tragischen Fällen, wie bei dem Kater Kurti zum Beispiel, appelliert Heike Bergmann gerade die noch jungen Tiere krankenversichern zu lassen.

„Eigentlich müsste man die Leute verpflichten dazu“, sagt sie in Bezug auf die Krankenversicherung für Haustiere. Eine Ratenzahlung für Tierarztkosten beim Tierheim sei nicht möglich, erklärt Heike Bergmann: „Ein Tierheim, das selber auf Spenden angewiesen ist, kann das eigentlich so nicht leisten – wir würden unser Geld nicht sehen. Da haben wir alle keine Zeit für, auch die Tierärzte nicht.“ Als Tipp gibt Sie noch auf den Weg, auch größere Krankenprobleme, wie Operationen mit in der Versicherung für das Tier abzuschließen.

Kater Kurti befindet sich noch auf der Krankenstation und bekommt hoffentlich noch die Chance auf ein neues lebenslanges Zuhause.

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