Kein Totschlag: Horror-Eltern freigesprochen

Opa von Urteil schockiert – jetzt will er seine Enkelin (8) zu sich holen

30. November 2021 - 8:38 Uhr

Elsterberg: Freispruch für Eltern des getöteten Liam

Es ist ein Urteil, das Fragen aufwirft: Im Prozess um den Tod des 6 Monate alten Liam in Elsterberg (Sachsen) hat das Landgericht Zwickau die Eltern vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen. Vater Patrick S. (28) war angeklagt, das Baby im Juli 2017 erstickt zu haben. Mutter Lisa S. (25) soll dabei zugesehen, aber nichts unternommen haben. Uwe P. (56), der Opa des getöteten Jungen, ist vom Urteil schockiert. Jetzt will er Sarah (Name geändert), die achtjährige Tochter von Lisa S., zu sich holen. Das Mädchen sagte im Prozess als Kronzeugin aus, verstrickte sich dabei aber in Widersprüche.

Opa von Urteil des Landgerichts Zwickau "maßlos enttäuscht"

"Ich bin maßlos enttäuscht", sagt Uwe P., als er nach dem Urteil am Montag aus dem Gerichtssaal kommt. Er glaubt, dass der Einfluss der Pflegeeltern bei Sarahs Aussage eine Rolle spielte. "Ein Kind denkt sich das nicht aus. Aber wenn man noch was dazudichtet, läuft's natürlich in die andere Richtung", erklärt er gegenüber RTL.

Mädchen vertraute sich Pflegemutter an

Die Vorwürfe gegen Patrick S. und Lisa S. waren erst zwei Jahre später nach Liams Tod bekannt geworden. Nachdem Sarah im Frühjahr 2019 zu einer Pflegefamilie gekommen war, soll sie sich ihrer Pflegemutter anvertraut haben: Sie habe die schreckliche Tat ihres Vaters beobachtet, erzählte Sarah. Kurz darauf seien Sanitäter in der Wohnung aufgetaucht. Die Pflegemutter sagte im Prozess aus. "Da hat Papa ein Kissen drauf gemacht, er war dann ruhig", gab sie die Schilderungen des Mädchens wieder. Als Liam starb, war Sarah vier Jahre alt.

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Vater soll dem Jungen Kissen aufs Gesicht gedrückt haben

Landgericht Zwickau
Das Landgericht Zwickau hat Patrick S. und Lisa S. vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen.
© RTL

Eine Obduktion des Jungen war 2017 zu dem Schluss gekommen, er sei eines natürlichen Todes gestorben. Als die Pflegemutter die Polizei über Sarahs Aussagen informierte, wurde das Verfahren neu aufgerollt.

Der Vater soll dem sechs Monate alten Jungen mindestens zwei bis drei Minuten lang ein Kissen aufs Gesicht gedrückt haben, um ihn ruhigzustellen, lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschat. Dadurch sei das Baby erstickt. Das Gericht sprach die Eltern aus Mangel an Beweisen frei. Die Widersprüche bei Sarahs Aussagen weckten Zweifel an ihrer Glaubhaftigkeit – letztlich konnte das Gericht nicht ausschließen, dass Liam an einer bestehenden Herzerkrankung starb.

Liams Opa: Meine Tochter ist für mich gestorben

Uwe P. hatte auf ein "gerechtes und hartes Urteil" gehofft und dass "die zwei weggesperrt" werden. Mit seiner Tochter will er nichts mehr zu tun haben. "Für mich ist sie gestorben und zählt nicht mehr zur Familie", sagt er. Die weiteren Familienmitglieder sähen das genauso. "Das sind Rabeneltern. Sie haben die Kinder wahrscheinlich nur in die Welt gesetzt, um das Kindergeld zu kassieren."

Von der Schuld der Eltern ist er überzeugt: "Wenn ich unschuldig bin, dann kämpfe ich um meine Kinder. Und das haben sie nicht gemacht." Uwe P. möchte, dass die achtjährige Sarah demnächst bei ihm aufwächst. "Wir haben den Platz und würden das gerne machen. Aber zurzeit sind die Pflegeeltern und das Jugendamt dagegen."

Paar aus Elsterberg soll weiteres Kind misshandelt haben

Es war nicht der einzige Prozess für die Eltern: Patrick S. und Lisa S. müssen sich auch vor dem Amtsgericht Plauen verantworten. Sie sollen 2018 ein weiteres ihrer Kinder schwer misshandelt haben. Die Tochter des Paares sei geschlagen und gewürgt worden, dabei habe sie mehrere Knochenbrüche an Armen und Beinen erlitten, lautet der Vorwurf. Anschließend habe die Mutter versucht, die Verletzungen zu überschminken. (bst)