Überlebender des Seilbahnunglücks von Opa entführt?

Tante von Eitan klagt an: "Therapien, erster Schultag, sie haben ihn aus allem rausgerissen"

13. September 2021 - 20:23 Uhr

Eitan B. (6) von eigenem Opa nach Israel entführt?

Eitan B. überlebte als Einziger das Seilbahn-Unglück in Italien. Danach wurde er von seiner Tante Aya B. aufgenommen, mit der er bereits seit er ein Baby war aufwuchs. Doch jetzt soll die Familie aus Israel den Sechsjährigen entführt haben – sein Opa habe ihn gekidnappt, heißt es.

Tante Aya B. spricht mit Presse in Italien: "Heute hätte Eitan seinen ersten Schultag gehabt"

Sechsjähriger Eitan B. soll von Großvater nach Israel entführt worden sein.
Aya B., Tante des Überlebenden des Seilbahn-Unglücks in Italien wendet sich an die Presse.
© AP

Eitan verlor bei dem Seilbahn-Unglück am Lago Maggiore seine Eltern und seinen jüngeren Bruder. Seine Tante (väterlicherseits), Aya B., kümmerte sich seither um den einzigen Überlebenden der Tragödie. Doch das damit sind offenbar nicht alle einverstanden. Zwischen den Familien väterlicher- und mütterlicherseits soll ein Sorgerechtsstreit entbrannt sein. Trauriger Höhepunkt: Der Großvater väterlicherseits soll den Jungen nach Israel entführt haben.

"Eitan ist jetzt Zuhause in Israel", soll der Großvater väterlicherseits Aya B. per SMS geschrieben haben, berichtet "Corriere della Sera". In dieser Sekunde soll eine Welt für die junge Frau zusammengebrochen sein. Sie habe weder gegessen, noch geschlafen – aus Sorge, ihren Neffen nun zu verlieren.

Wie konnte es so weit kommen? Der Streit soll begonnen haben, als die Verwandtschaft von Eitans verstorbener Mutter aus Israel zu Aya B. nach Italien ins Krankenhaus reiste, wo der Junge nach der Katastrophe behandelt wurde. Ein Gericht hatte Aya B. daraufhin die Vormundschaft zugesprochen. Die Tante erzählt im Interview, dass Eitan nur wenige Monate alt war, als seine Eltern nach Italien gezogen seien, nur 50 Meter von ihr entfernt. Der kleine Eitan sei mit ihr, ihrem Mann und ihren Kindern groß geworden, sie hätten alle ein sehr inniges Verhältnis zu dem kleinen Jungen. Jetzt habe die Familie von Eitans Mutter ihn einfach herausrausgerissen, nach allem, was das arme Kind schon ertragen musste.

"Sie haben ihn einfach mitgenommen. Sein Bett ist leer, seine Spielsachen sind alle hier, der gepackte Schulranzen steht da. Montag wäre doch sein erster Schultag gewesen", erzählt die junge Frau verzweifelt "Corriere della Sera".

Tante in Italien sagt: "Das alles ist eine weitere Tragödie für Eitan"

Rettungshelfer arbeiten am Wrack einer Seilbahngondel, nachdem diese am Monte Mottarone abgestürzt ist. Nach dem Seilbahn-Unglück ist der einzige Überlebende, ein fünfjähriger Junge.
Archivbild vom Seilbahnunglück am Monte Mottarone in Stresa, Italien.
© dpa, -, frd alf sab

"Eitan machte Physiotherapie, um sich körperlich von dem Unglück zu erholen, aber vor allem auch Psychotherapie, um das Geschehene psychisch zu verarbeiten. Jetzt ist er aus allem einfach rausgerissen worden. Das alles ist eine weitere Tragödie für dieses Kind, das im Alter von nur fünf Jahren das Schlimmste erlebt hat, das man sich vorstellen kann. Seine Mama, seinen Papa und seinen kleinen Bruder zu verlieren. Und jetzt muss er wieder Verluste erleiden", sagt Aya B. in "Corriere della Sera".

Sie sei in großer Sorge um Eitan. Im Krankenhaus habe sie ihrem Neffen immer etwas von ihr geben müssen und ihm versichern müssen, dass sie wiederkomme – auch wenn sie nur das Zimmer für kurze Zeit verließ. Und jetzt das: Eine Entführung, an einen Ort, der für Eitan nach Angaben von Aya B. kein Zuhause ist. Sein Zuhause sei Pavia in Italien und nicht in Israel. Dort hätten die Eltern von Eitan zwar den einen oder anderen Urlaub mit ihm verbracht, um die Familie zu besuchen, aber mehr nicht.

Die Tante mütterlicherseits, Gali P., hingegen möchte den Vorfall nicht als Entführung betiteln. In einem Radiointerview des israelischen Senders "103" sagte sie: "Wir haben nur zu seinem Besten gehandelt. Eitan wird hier in Israel wieder zu sich finden."

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Eitan malt seine Familie
Die Kita-Erzieherin des kleinen Eitan zeigt ein Bild, das der Junge vor dem Seilbahnunglück von seiner Familie gemalt hat.
© Milano Pavia News

Laut Aya B. würde die Familie auch telefonisch keinen Kontakt mehr mit Eitan zulassen. "Sie gehen einfach nicht mehr ran", sagt sie "Corriere della Sera".

Weiter erzählt die Frau: "Sie sagten, sie gehen mit ihm in einen Spielzeugladen. Eitan hatte noch versprochen, seinen Cousins und Cousinen was mitzubringen." Auch auf die Schule habe der Sechsjährige sich so sehr gefreut. Eine katholische Grundschule, wo seine Eltern ihn noch angemeldet hatten und wo seine Kindergartenfreunde auch alle hingingen. Jetzt sei er kilometerweit weg. Bei der Familie, die er nur aus dem Urlaub kenne.

Aya B. sorgt sich um die Sicherheit ihres Neffen und erhebt schwere Vorwürfe: "Ich möchte darüber unterrichten, dass Eitans Großvater bereits mehrere Male wegen Misshandlung seiner Ex-Ehefrau in Israel verurteilt wurde."

Seine Tante richtete einen verzweifelten Appell an Eitan: "Eitan, wir alle warten hier zuhause auf dich, auch deine Cousins und Cousinen. Denn eigentlich solltest du hier, bei uns sein." (mca)