„Bei mir gibt’s keine Ermüdungserscheinungen“

Dieter Bohlen ist seit 30 Staffeln Juror in RTL-Castingshows

Dieter Bohlen sitzt seit der Geburtsstunde von „Deutschland sucht den Superstar“ am Jurypult.
© TVNOW

31. Januar 2020 - 10:17 Uhr

Poptitan Dieter Bohlen hat immer noch Bock

Kaum zu glauben: Am Samstag, den 1. Februar 2020, feiert Poptitan Dieter Bohlen ein ganz besonderes Jubiläum. Der Juror von "Deutschland sucht den Superstar" sitzt an diesem Tag nämlich zum 500sten Mal am Jurypult einer RTL-Castingshow. Und ans Aufhören denkt der Poptitan noch lange nicht.

Im Video: Dieter Bohlen über angebliches DSDS-Aus

Seit 30 Staffeln in einer RTL-Jury

17 Jahre DSDS und 13 Jahre "Das Supertalent": Als Chefjuror ist Dieter Bohlen aus den großen RTL-Castingshows wirklich nicht mehr wegzudenken. Aber ist nach 30 Staffeln nicht irgendwann die Luft raus? Darauf hat der Poptitan – der am 7. Februar 2020 seinen 66. Geburtstag feiert – eine klare Antwort: "Bei mir gibt's keine Ermüdungserscheinungen – sonst würde ich es nicht machen." Was ihm an der Arbeit am meisten Spaß macht und wie er überhaupt zu seinem Jury-Job bei DSDS gekommen ist, erzählt er im RTL-Interview.

Dieter Bohlen hat „immer an die Formate geglaubt“

DSDS 2020 ist deine 30. Staffel einer Castingshow und am 1. Februar hast du deinen 500. Einsatz als Juror. Hättest du das jemals gedacht, dass du so lange dabei bist und so eine erfolgreiche Karriere im TV machen würdest?
Ganz am Anfang wäre das unvorstellbar gewesen über 30 Staffeln zu reden. Doch ich habe immer an die Formate – sowohl DSDS als auch "Das Supertalent" – geglaubt und gesagt, wenn man die gut macht, dann wird es die lange geben.
Wir sehen ja in vielen anderen Ländern, dass dort "Idols" nicht mehr läuft. Warum? Weil dort nichts verändert wurde und sie immer wieder dasselbe gemacht haben. Wir ändern ständig Sachen und wir gucken uns genau an, was beim Publikum ankommt und was nicht. Wir überlegen jetzt schon, was wir 2021 machen und darüber hinaus. Dabei geht es natürlich immer darum, den Zuschauern das zu zeigen, was sie mögen. Das sind auf jeden Fall die Castings, die schon seit Anfang an mega gut ankommen. Aber wir gucken uns alles an, um es zu verbessern. Derzeit denken wir über das Konzept der Liveshows nach – da hat sich über die Jahre natürlich das Zuschauerverhalten verändert. Da muss man darauf reagieren und das werden wir tun.

So wurde aus Dieter Bohlen der DSDS-Chefjuror

Kannst du dich noch dran erinnern, als man dir das Angebot gemacht hat, als Juror bei DSDS mitzumachen. Was hast du damals gedacht?
Ja, das weiß ich noch super genau. Damals hat mich Gerhard Zeiler, der damalige Europa-Chef der RTL Group, angerufen, ob ich mir vorstellen könnte, in diesem Format mitzumachen – eine Castingshow mit Sängern. Damals gab es noch gar keinen Namen. Erst sollte es "Pop Idol" heißen. Und dann konnten wir diesen Namen nicht benutzen, weil sich ein schlauer Produzent die Rechte an dem Titel hat sichern lassen – das war Frank Farian.
Auf jeden Fall war ich wirklich hellauf begeistert. Man hat mich eingeladen nach Köln zu kommen und dort war man auch begeistert von mir, weil ich mich ziemlich gut vorbereitet hatte. Dann ging das ratzfatz und die Frage war nur noch, wer neben mir sitzen soll.

Der Poptitan und seine vielen Jury-Kollegen

Sie sitzen auch in der 17. Staffel von DSDS in der Jury: Xavier Naidoo, Oana Nechiti, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen.
Sie sitzen auch in der 17. Staffel von DSDS in der Jury: Xavier Naidoo, Oana Nechiti, Pietro Lombardi und Dieter Bohlen.
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Neben dir saßen ja sehr viele Kollegen in den letzten Jahren in der Jury. Mit wem hat es dir am meisten Spaß gemacht?
Ja, ich habe unheimlich liebe nette Kollegen kennengelernt. Mir hat es mit vielen Spaß gemacht. Ob das ein Heino, HP Baxxter oder Thomas Stein war. Es gab wirklich ganz tolle Kollegen. Auch aktuell mit meinen Jurykollegen Pietro, Oana und Xavier ist es wirklich klasse.
Es gab natürlich – wie es im Leben ist – auch Leute, die mir auf den Geist gegangen sind. Das ist ja nichts anderes, als wenn man in irgendeiner Firma arbeitet. Da hat man auch Kollegen, die man echt mag, mit denen man befreundet ist und ein Bier trinken geht. Und dann gibt's natürlich auch Kollegen, denen man am liebsten in den Arsch treten würde. (lacht)

Vom einsamen Wolf zum Teamplayer

17 Jahre DSDS, 13 Jahre "Das Supertalent" – da muss man natürlich die Frage stellen: Macht es dir noch Spaß oder hast du Ermüdungserscheinungen?
Bei mir gibt's keine Ermüdungserscheinungen – sonst würde ich es nicht machen. Das Schöne ist natürlich, dass ich bei DSDS in sehr vielen Punkten entscheidend mitreden kann. Das war natürlich am Anfang nicht so. Diese Sporen, die musste ich mir echt verdienen. Als ich angefangen habe, da hatten die Fernsehleute gar keine Lust, dass da jetzt ein Musiker mitredet. Aber da es um eine Musiksendung geht, wollte ich mich natürlich schon einbringen und ich habe in den letzten Jahren an vielen Erneuerungen dieses Formats mitgearbeitet.
Auch die Arbeit im Team ist mir lange Zeit gar nicht leichtgefallen. Ich habe immer alleine im Musikstudio gearbeitet, was ein ganz anderes Arbeiten war. Da musste alles so gemacht werden, wie ich mir das vorstellte. Und das ging jetzt nicht mehr. Ich wurde auf einmal vom einsamen Wolf in eine Team-Rolle gedrückt und damit hatte ich am Anfang meine Schwierigkeiten. Aber nach all den Jahren macht es mir Spaß, mit anderen Leuten Ideen auszuarbeiten, mich auszutauschen und zu diskutieren.

Dieter Bohlen: „Bei DSDS können wir jemanden groß machen“

Es kommt ja oft der Vorwurf, dass aus den DSDS-Gewinnern nichts wird und man nichts mehr von ihnen hört.
Das kann ich so nicht unterschreiben. Beatrice Egli geht immer noch auf Tournee und Pietro Lombardi hatte kürzlich drei Nummer-1-Hits. Es ist natürlich nicht mehr so wie in den Anfängen von DSDS, als es noch CD-Verkäufe gab. Damals sind wir mit unseren Produkten durch die Decke gegangen. In der ersten Staffel haben wir viereinhalb Millionen CDs verkauft: Alexander Klaws, der Gruppensong 'We have a dream', sogar Daniel Küblböck hat damals Platin gemacht. Das war der Wahnsinn.
Heute geht fast alles nur noch über Spotify und Streamings. Da haben alle Castingshows die gleichen Probleme. Der Gewinner von "The Voice" ist noch nicht mal in die Top 100 gegangen, findet also überhaupt nicht in den Charts statt. Da sieht es bei uns noch ein bisschen besser aus. Viele dieser Künstler, die heute ganz oben in den Streaming Charts sind, kennt kein Mensch, wenn die über die Straße gehen. Es sind eher Stars im Streaming Bereich. Aber bei DSDS können wir jemanden groß machen, Wir können jemanden an den Start schicken und ihm eine Aufmerksamkeit geben, die er nirgendwo kriegt. Den weiteren Weg muss er alleine laufen.

Der Poptitan lebt seinen Traum

Dieter Bohlen ist  auf der ganzen Welt zu Hause.
Dieter Bohlen ist auf der ganzen Welt zu Hause.

Andere gehen in deinem Alter in Rente. du scheinst ein sehr rastloser Mensch zu sein. Was treibt dich an?
Also bestimmt nicht Geld. Die Leute meinen immer, ich mache alles wegen des Geldes – das ist völliger Quatsch. Geld habe ich. Klar, Geld kann man nie genug haben, aber Geld ist nicht meine Antriebsfeder. Es ist eher das interessante Leben, das ich führen darf. Dafür bin ich wirklich total dankbar. Für mich gibt es wirklich nichts Schlimmeres als zu Hause zu sitzen und mich zu langweilen.
​Die Leute sagen, flieg doch um die Welt und guck dir das und das an! Da muss ich sagen: ich war überall auf der Welt und hab mir alles angeguckt. Wenn ich mal zwei Wochen auf einer Insel sitze, dann reicht mir das auch. Es sei denn Mallorca, da kann ich es länger aushalten. Aber zwei Wochen Malediven reichen mir, dann möchte ich auch wieder arbeiten. Mir macht das alles super Spaß, was ich mache. Ich bin ja in der super, super glücklichen Lage, dass ich mir einen Beruf ausgesucht habe, der wahnsinnig Spaß macht. Musik zu machen, war ja eigentlich mein Hobby und das habe ich zum Beruf gemacht. Ich bekomme Geld für mein Hobby. Das wünsche ich jedem. Ich weiß aber, dass ich eine wahnsinnig privilegierte Position habe und dafür bin ich wahnsinnig dankbar. Deshalb sage ich nie: Boah, ich habe keine Lust! Gut, wenn ich zehn Stunden Casting mache, werde ich auch irgendwann müde. Aber am nächsten Tag wache ich wieder auf und denke: Ey geil!

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