„Ich bin nichts davon“: Nara Smith wehrt sich gegen ihr Tradwife-Image
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Nara Smith wurde zur Ikone einer Internetbewegung, die sie selbst inzwischen ablehnt. Ihr Mann, ihre vier Kinder, das Kochen von Grund auf, dazu Haute Couture: Das Netz machte daraus die perfekte Tradwife. Nun erzählt Nara eine andere Geschichte. Von einer gleichberechtigten Ehe, ihrem Leben als Working Mom und von der Krebsdiagnose ihrer zweijährigen Tochter. Warum sie ihre Familie trotz Millionenpublikum so lange schützen wollte und weshalb sie jetzt doch darüber spricht.
Was hier nach dem perfekten Familienglück aussieht, wird für Nara Smith und ihre Familie gerade zum Albtraum. Ihre zweijährige Tochter Whimsey Lou ist krank – schwer krank. Knapp neun Monate ist der Moment der Diagnose inzwischen her, und trotzdem ist er für Nara Smith noch so präsent wie am ersten Tag.
„Und in diesem Moment ist mir das Herz in die Hose gerutscht. Da war so ein seltsames Bauchgefühl, dass sie Krebs hat", erinnert sich Nara Smith im Podcast "Calling Her Daddy".
Nara Smith wurde 2001 als Tochter einer Südafrikanerin und eines Deutschen in Südafrika geboren. Sie wuchs teilweise in Frankfurt auf und lebt inzwischen seit über sechs Jahren mit ihrem Mann, dem internationalen Topmodel Lucky Blue Smith, in den USA. Die beiden haben vier Kinder, die alle im Abstand von nur knapp einem Jahr geboren wurden.
Eindrücke aus ihrem Familienleben teilt das Model mit ihren inzwischen knapp fünf Millionen Followern auf Instagram. So richtig bekannt wurde sie allerdings während der Corona-Pandemie mit ihren Kochvideos: Ihre sanfte Hauchstimme, die Haute-Couture-Looks, in denen sie aufwendige Gerichte kocht – alles „from scratch“, also komplett selbst gemacht.
„Als das alles losging, war ich schwanger. Ich habe mich in dieser Zeit sehr feminin gefühlt, und das hat sich in meinen Looks gezeigt – mit den süßen Krägen und den femininen Kleidern. Ich denke, jeder hat seine eigene Verbindung dazu, aber mein Ziel war es nicht, etwas Bestimmtes zu verkörpern“, sagt Nara Smith.
Denn es ist eben diese Inszenierung, die auffällt und aneckt. Viele sehen in ihr die klassische Hausfrau: kochend, stylisch und mit vier Kindern. Hinzu kommt, dass ihr Ehemann Lucky als Mormone aufgewachsen ist – in einer Glaubensgemeinschaft mit einem traditionellen Familienbild.
Das steckt Nara Smith in eine Schublade und definiert sie schon fast: die sogenannte „Tradwife“, zu Deutsch „traditionelle Ehefrau“. Von dieser Beschreibung will sie sich im US-Podcast „Call Her Daddy“ jedoch freisprechen.
„Ich bin nichts davon, wir können es Punkt für Punkt durchgehen! Ich bin nicht in erster Linie eine Hausfrau. Ich arbeite, bin in Los Angeles unterwegs und reise viel. Ja, ich liebe das Kochen, das ist meine Leidenschaft. Bin ich hauptverantwortlich für die Kinder? Nein, mein Mann und ich machen das fünfzig-fünfzig. Unterstütze ich die Rolle meines Mannes als Hauptverdiener? Nein. Wir arbeiten beide. Das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn. Ich trage genauso zum Unterhalt unserer Familie bei!“, stellt Nara Smith im Podcast klar.
Der Trend der „Tradwife“ verbreitet sich inzwischen durch die sozialen Medien. Junge Frauen leben die klassische Rollenverteilung bewusst vor und zelebrieren sie. Nara Smith sieht sich selbst offenbar nicht so. Für sie ist das eine grundsätzliche Frage.
„Ich glaube, dass Frauen ganz allgemein in allen Bereichen ihres Lebens in Kategorien eingeteilt werden. Und ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft damit aufhören. Lasst Frauen einfach den Platz einnehmen, den sie selbst wählen, ohne sie auf eine bestimmte Rolle festzulegen. Frauen sind facettenreich. Wir können all das sein – ganz egal, ob im Berufsleben, zu Hause oder irgendwo dazwischen“, sagt Nara Smith.
Die vierfache Mutter möchte authentisch und für ihre Follower nahbar sein. Vielleicht teilt sie auch gerade deswegen bewusst die negativen und schweren Dinge aus ihrem Leben – darunter Updates über die Erkrankung ihrer zweijährigen Tochter.
„Je mehr ich durchgemacht habe, desto mehr wurde mir klar, dass ich Trost darin finde, zu wissen, dass ich nicht allein bin. Ich habe erkannt, dass ich, wenn ich meine Plattform richtig nutze, vielleicht erreichen kann, dass sich auch nur eine Person weniger allein fühlt“, so Nara Smith.
Welche Art von Krebs ihre Tochter genau hat, hält Nara Smith bis heute geheim. Auch die Gesichter ihrer Kinder zeigt sie nicht in der Öffentlichkeit. Die Privatsphäre und das Leben ihrer Kinder stehen für sie an erster Stelle. Dafür will sie stark sein. Dabei hilft ihr ihr Mann.
„Je mehr Zeit vergangen ist, desto mehr Haare sind ihr ausgefallen, und man konnte es körperlich sehen. Da sind wir beide zusammengebrochen. Aber er hat mir geholfen, wenn ich am Boden war. Und wenn er einen schlechten Tag hatte, habe ich ihm geholfen. Es fühlte sich an wie in diesem Spiel, bei dem man an jemand anderen gebunden ist und gemeinsam ins Ziel kommen muss“, sagt Nara Smith.
Wie es der zweijährigen Whimsey Lou aktuell geht, verrät Nara Smith nicht. Eines ist jedoch sicher: Sie wird alles in ihrer Macht Stehende tun, damit es dem kleinen Mädchen bald wieder gut geht.
