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"Die Gefahr ist allgegenwärtig in dem Beruf"

Ex-Polizist über Todesschüsse von Kusel

"Die Gefahr ist allgegenwärtig in dem Beruf"

"Das Land muss genügend Mittel zur Verfügung stellen" Ex-Polizist über Todesschüsse von Kusel
01:12 min
Ex-Polizist über Todesschüsse von Kusel
"Das Land muss genügend Mittel zur Verfügung stellen"

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Zwei Polizisten kontrollieren ein Fahrzeug, es ist eigentlich Routine und gehört zu ihrem Berufsalltag. Doch leider kommt es dabei immer zu Angriffen, im Extremfall enden sie tödlich wie in Kusel in Rheinland-Pfalz. Das Fatale: Polizisten können sich kaum vor solchen Angriffen schützen – sie müssen einerseits immer mit dem Schlimmsten rechnen, dürfen es andererseits nicht permanent im Kopf haben. "Man kann nicht jeden Morgen aus dem Haus gehen und denken, "ich komme heute vielleicht nicht nach Hause". So kann man nicht leben", sagt Jürgen Röhr. Der 62-Jährige war früher selbst Polizist, ehe er bei einem Einsatz so schwer verletzt wurde, dass er den Dienst quittieren musste.

"Zum Glück nicht so wie in Amerika, dass wir ständig die gezogene Waffe in der Hand halten"

"Die Gefahr allgegenwärtig in dem Beruf", sagt Röhr. Es ist die Gefahr der Routine. "Wenn ich irgendwo klingle und die Tür geht auf, eine Hand mit einer Waffe kommt heraus und ich werde beschossen – das trifft oft den kleinen Streifenbeamten und nicht die Herren vom SEK, die sich darauf vorbereiten."

Solche Einsätze ließen sich nicht verhindern. "Die Routinekontrolle ist Standard, das ist allgegenwärtig", so der Experte. "Es ist ja hier zum Glück nicht so wie in Amerika, dass wir ständig die gezogene Waffe in der Hand halten." Eigentlich gebe es in Deutschland ein sehr gutes Sicherheitskonzept."

Röhr findet allerdings, dass der Beruf des Polizisten von der Bevölkerung mehr wertgeschätzt werden müsste. "Leider ist es so, dass der Polizist oft der Spielball der Gesellschaft ist", kritisiert er. Wenn die Polizei gebraucht würde, werde nach ihr gerufen, dann sei sie willkommen. Werde sie aktiv, beispielsweise bei selbstverständlichen Maßnahmen wie Verkehrskontrollen, gebe es Ablehnung bis hin zu Gewalt.

"Polizist ist ein Helferberuf"

31.01.2022, Rheinland-Pfalz, Kusel: Polizeibeamte sperren die Zufahrt zum Tatort, wo zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle durch Schüsse tödlich verletzt wurden. Die tödlichen Schüsse fielen nach Polizei-Angaben bei einer routinemäßigen Verk
Zwei tote Polizisten in Kusel
tfr sab, dpa, Thomas Frey

Röhr weist darauf hin, dass jeder Schusswaffengebrauch für Polizisten eine Extremsituation darstelle. "Wenn ich schießen muss oder beschossen werde, ist das eine Ausnahmesituation. Ein Polizist ist ja kein Soldat, sondern Polizist ist ein Helferberuf", sagt er.

Wer aber hilft den "Helfern", im Dienst verwundeten und traumatisierten Polizisten? Jürgen Röhr wurde 2003 im Einsatz bei einem Schusswechsel schwer verletzt. Er musste in Folge 20 Operationen über sich ergehen lassen.

Heute steht er den Kollegen als Polizei-Seelsorger zur Seite. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes weiß aus eigener Erfahrung: "Wenn ich als Helfer jemanden ja auch vielleicht verletzen oder gar töten muss im Dienst, dann macht das ganz viel mit mir in dem Moment." (uvo)