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Demenz unter 60: Wenn der plötzliche Gedächtnisverlust mitten im Leben zuschlägt

Mit 57 plötzlich Gedächtnisverlust!

Demenz-Patient Karl-Heinz: "In manchen Sachen bin ich einfach keine Hilfe mehr für meine Frau"

Wenn die Demenz mitten im Leben zuschlägt Plötzlicher Gedächtnisverlust
02:46 min
Plötzlicher Gedächtnisverlust
Wenn die Demenz mitten im Leben zuschlägt

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Er steht im Supermarkt und plötzlich weiß er nicht mehr, was er einkaufen wollte: So fing es an bei Karl-Heinz-Herzberger. Mit 57 steht der Offenbacher eigentlich noch mitten im Leben, doch die traurige Diagnose lautet: Demenz.Warum die Gehirnkrankheit auch jüngere Menschen erwischen kann und wie sich Gedächtnisverlust und Vergesslichkeit vermeiden lassen – im Video!

Demenz kann sogar schon ab 40 auftreten

„Sie sind auf einer Party und begrüßen einen Gast dreimal. (...) Bei zweiten oder dritten Mal merken Sie: Der guckt mich irritiert an. Und ich merke: Hier läuft irgendetwas schief, hier stimmt etwas nicht von den sozialen Normen.“ Maren Ewald, Leiterin des „StattHaus“ in Offenbach für junge und alte Betroffene, beschreibt diese Situation als klassisch für die Anfänge von Demenz bei jüngeren Menschen. Denn die Krankheit ist nicht nur ein Problem bei alten Menschen, 1-2 Prozent der Demenz-Patienten sind unter 65. In seltenen Fällen kann die Krankheit sogar schon ab 40 auftreten.

Diplom-Soziologin Maren Ewald
Diplom-Soziologin Maren Ewald vom StattHaus in Offenbach betreut auch jüngere Demenz-Patienten.
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Demenz in jungen Jahren passt nicht zum Lebensbild

Das StattHaus übernimmt die Tagesbetreuung von Demenz-Patienten. Mit Spielen und Gesprächen lernen Betroffene, mit der Krankheit umzugehen. Und auch die Angehörigen beraten Diplom-Soziologin Maren Ewald und ihre teils ehrenamtlichen Kollegen. Denn nicht nur der Erkrankte, auch das Umfeld muss lernen, mit der Krankheit umzugehen. Vor allem bei jüngeren Betroffenen, die noch in den „produktiven Jahren stehen“, und deren Familien sei eine mentale Hilfestellung notwendig, so Ewald. „Demenz bedeutet immer, dass man sich neu mit seiner Identität arrangieren muss“, beschreibt Maren Ewald die psychische Herausforderung der Krankheit. Dieses falle älteren Menschen oft leichter, mit 40 oder 50 sei es bedeutend dramatischer, „weil es zu dem Bild von dem Leben und was ich auch noch vor mir habe, einfach nicht passt“.

Gruppenaktivitäten erhöhen die Lebensqualität von Demenz-Patienten, davon ist man im Offenbacher "StattHaus" überzeugt.
Gruppenaktivitäten erhöhen die Lebensqualität von Demenz-Patienten, davon ist man im Offenbacher "StattHaus" überzeugt.
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Bin ich nur vergesslich oder dement?

Doch ab wann spricht man von Demenz? Einmal den Weg oder ein Wort zu vergessen, sei laut Ewald nicht bedenklich. Warnzeichen sind das vermehrte Auftreten solcher Situationen, wenn Sie z.B. ihr Zuhause nicht mehr finden oder wenn Sie bemerken, dass andere in sozialen Reaktionen irritiert auf Sie reagieren. Ein MRT, das Eiweißablagerungen im Gehirn sichtbar macht, gibt zum Beispiel Aufschluss, ob man an der Krankheit leidet. Erste Tendenzen können auch Tests beim Hausarzt feststellen – wie beispielsweise die Abfrage, ob der Patient eine Uhr zeichnen und eine Uhrzeit auf dieser einzeichnen kann. Der sogenannte Uhrentest prüft, ob der Proband seine geistigen Fähigkeiten wie Erinnerung, Merkfähigkeit, visuelle Orientierung etc. noch ausreichend besitzt.

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Neurologin: Demenzpatienten brauchen ganz viel Geduld, Verständnis und Liebe

Frankfurter Neurologin Dr. Bettina Müller
Die Frankfurter Neurologin Dr. Bettina Müller sieht Grenzen der Medizin bei Demenz. Vor allem das Umfeld sei wichtig für ihre Patienten.
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„Wenn Menschen merken, dass ihr Gedächtnis nicht funktioniert, suchen sie Hilfe“, beschreibt die Frankfurter Neurologin Dr. Bettina Müller den richtigen Instinkt vieler ihrer Patienten. Gedächtnisstörungen müssen nicht immer gleich Demenz bedeuten, oftmals können auch andere Faktoren wie z.B. Stress das Gehirn über einen Zeitraum blockieren. Geht man die Ursachen an, könne man in diesen Fällen wieder das ursprüngliche Leistungsniveau erreichen.

Bei diagnostizierter Demenz sieht das jedoch anders aus: „Es gibt kein Mittel gegen Demenz, was den Prozess stoppen oder gar rückgängig machen kann“, erklärt Dr. Müller. Medikamente könnten die Symptome vor allem in den ersten Jahren etwas schwächen, aber der Patient muss sich statt auf Medizin vor allem auf seine Umgebung verlassen: „Ganz viel Geduld, ganz viel Verständnis, ganz viel Liebe“ bräuchten Betroffene, so die Neurologin im RTL-Interview. Und das betrifft Patienten JEDEN Alters.

Risikofaktoren für Demenz: Hoher Blutdruck, Diabetes und fehlende Bewegung

Die Risikofaktoren, die uns in unserem westlichen Lebensstil generell krankmachen, sind laut Neurologin Dr. Müller die gleichen, die eine Demenz auslösen können: hoher Blutdruck, Diabetes, und fehlende Bewegung. Mit Sport, gesunder Ernährung und auch der Behandlung von den genannten Beschwerden ließe sich also auch eine Demenz verhindern bzw. das Risiko daran zu erkranken minimieren. Dr. Müller bringt es auf den Punkt: „Man kann ganz viel sebst dazu beitragen, nicht dement zu werden. Wenn wir es schaffen, in unserem Leben aktiv, sportlich und gesund zu sein, dann schützt uns das auch vor Demenz.“ (gmö)

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