Reynhard Sinaga missbrauchte fast 200 Männer

"Auf den Bildern sehe ich aus wie tot" - Daniel erfuhr erst durch Fotos von Vergewaltigung

Daniel feierte in Manchester seinen Geburtstag, als er Opfer des Serienvergewaltigers Reynhard Sinaga wurde.
Daniel feierte in Manchester seinen Geburtstag, als er Opfer des Serienvergewaltigers Reynhard Sinaga wurde.
© Facebook/Daniel Conrad Rolland

07. Oktober 2021 - 9:13 Uhr

Reynhard Sinaga gilt als schlimmster Serienvergewaltiger Großbritanniens

Fast 200 Männer sprach er in Nachtclubs oder auf der Straße an, setzte sie unter Drogen und vergewaltigte sie: Reynhard Sinaga gilt als schlimmster Serienvergewaltiger in der Geschichte Großbritanniens. Ein Gericht verurteilte ihn Ende 2020 zu mindestens 40 Jahren Haft. Jetzt spricht Daniel, der 2015 in Manchester Opfer des Vergewaltigers wurde, in einer Dokumentation des britischen Senders "BBC" über die Tat. Einer Tat, von der er erst Jahre später erfuhr.

Großbritannien: Vergewaltiger filmte seine Opfer

"Auf den Bildern sehe ich aus wie tot", sagt Daniel zu jenen Fotos, die ihm die Polizei im Jahr 2017 zeigte. "Man sieht, dass ich bewusstlos bin." Die Bilder hatte der Vergewaltiger selbst aufgenommen. Erst als sie zwei Jahre später in die Hände der Polizei fielen, konnten die Beamten Daniel darüber aufklären, was passiert war.

Hunderte Videos von Übergriffen und Vergewaltigungen an fast 200 Männern entdeckte die Polizei auf Sinagas Handy. Nachweisen konnte sie letztlich nur 159 Vergewaltigungen: Viele der Männer auf den Videos ließen sich nicht identifizieren, denn sie erinnerten sich wie Daniel gar nicht an die Tat.

BBC-Doku "Catching a Predator" über Reynhard Sinaga

Serienvergewaltiger Reynhard Sinaga
Reynhard Sinaga mag harmlos aussehen - doch er hat fast 200 Vergewaltigungen begangen.
© Facebook

"Es ist einfach schrecklich, sich so hilflos auf Fotos zu sehen, die jemand anderes gemacht hat", sagt Daniel der BBC. Durch sein Mitwirken in der Doku "Catching a Predator" will er anderen Opfern helfen. Und spricht aus, was vermutlich viele empfinden: "Als Mann zu sagen: 'Ich bin vergewaltigt worden', ist eine harte Sache. Man fühlt sich verletzlich."

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Daniel feierte Geburtstag – dann wurde er vergewaltigt

Wohnung von Reynhard Sinaga
Sinaga ging immer nach der gleichen Masche vor: Er bot jungen, alkoholisierten Männern im Club einen Schlafplatz oder ein Getränk an - und verabreichte ihnen in seiner Wohnung K.o.-Tropfen.
© Polizei

An jenem Tag im Jahr 2015 feierte Daniel in Manchester seinen Geburtstag mit seinem Partner und seinen Freunden. Für die Heimfahrt bestellten sie ein Taxi. "Ich musste mal, ging deshalb eine Gasse hoch. Ab dem Zeitpunkt kann ich mich an nichts mehr erinnern", sagt er.

Als er am nächsten Morgen angezogen auf einem Sofa aufwachte, fühlte sich Daniel "erschöpft". An das, was in den Stunden zuvor passiert war, erinnerte er sich nicht. "Ich sah die Füße von jemandem und erstarrte. Dann gingen die Füße aus dem Raum. Ich stand einfach auf und rannte zur Tür hinaus." Daniel dachte nie daran, zur Polizei zu gehen, weil es sich "dumm anfühlte". Und er habe ja gar nicht geahnt, was passiert war.

Vergewaltigungsopfer erkannte sein Tattoo

2017 zeigte ihm eine Polizistin die Fotos – und Daniel war schnell klar, dass er darauf zu sehen war. "Mein Tattoo war deutlich zu erkennen." Einerseits sei er erleichtert gewesen, zu erfahren, was geschehen war. "Aber das ist natürlich nicht die Art Erleichterung, die man sich wünscht", fügt Daniel an.

Zufall führte Behörden auf Reynhard Sinagas Spur

Reynhard Sinaga
Reynhard Sinaga wird für mindestens 40 Jahre im Gefängnis sitzen. Doch noch immer wissen vermutlich nicht alle seiner Opfer. dass sie überhaupt vergewaltigt wurden.
© Polizei

Fast keines der Opfer von Reynhard Sinaga konnte sich an die Taten erinnern. Und so kamen ihm die Behörden nur durch einen Zufall auf die Spur; ein einziger Mann brachte die Ermittlungen ins Rollen: Statt seinem eigenen hatte er nach der Tat zufällig das Handy des Täters mitgenommen.

Nach insgesamt vier Prozessen wurde Sinaga im Februar 2020 zu mindestens 30 Jahren Haft verurteilt. Im Dezember hob ein Gericht diese Strafe noch einmal an: auf mindestens 40 Jahre. (bst)