Wir machen den Fakten-Check

Super-Mutation "Covid-22" trendet im Netz

Die Virus-Variante "Covid-22" könnte noch gefährlicher sein als Delta und Co., warnt ein Experte. Aber wird es diese Mutation überhaupt geben?
Die Virus-Variante "Covid-22" könnte noch gefährlicher sein als Delta und Co., warnt ein Experte. Aber wird es diese Mutation überhaupt geben?
© janiecbros

25. August 2021 - 9:26 Uhr

Coronavirus: Kommt etwa bald eine noch tödlichere Mutation auf uns zu?

SARS-CoV-2, Impfstoffe, Intensivstationen, Mutationen und Co.: All diese Begrifflichkeiten sind seit mehr als einem Jahr nicht mehr aus unserem alltäglichen Leben wegzudenken. Auch wenn die Corona-Lage sich dank der Impfung einigermaßen entspannt hat, bereiten den Menschen besonders die Virus-Varianten Sorge: Was kommt da in Zukunft noch auf uns zu? Der US-Immunologe, Professor Dr. Sai Reddy, ist sich sicher, dass wir mit "Covid-22" rechnen müssen, einer neuen, tödlicheren Super-Variante. Im Netz breitet sich "Covid-22" unter dem gleichnamigen Hashtag bereits aus. Aber was steckt wirklich dahinter? RTL hat mit Virologe Klaus Stöhr gesprochen.

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Ein Forscher sieht "Covid-22" als Kombination bisheriger Virus-Mutationen

Mit der Schweizer Tageszeitung "Blick" hat der US-Wissenschaftler Sai Reddy, der an der ETH Zürich tätig ist, über eine neue Coronavirus-Variante gesprochen, die uns gefährlich werden könnte – noch gefährlicher als Delta, Lambda und Co.. Diese nennt er "Covid-22". Dass wir in Zukunft mit weiteren Virus-Mutationen rechnen müssen, ist mittlerweile bekannt, da sich der Wildtyp von SARS-CoV-2 immer weiter verändern wird – ähnlich wie beim Grippevirus. Daher ist es besonders wichtig, die Impfstoffe an die jeweiligen Mutationen anzupassen, um weiterhin einen ausreichenden Schutz gewährleisten zu können.

Laut dem Forscher könnte "Covid-22" eine Kombination aus den vorherigen Virus-Varianten werden "wenn Beta oder Gamma infektiöser werden oder aber Delta Fluchtmutationen entwickelt". Zur Erinnerung: Die Virus-Variante Beta, die zuerst in Südafrika entdeckt wurde sowie Gamma, der Mutation mit erstem Auftreten in Brasilien, haben bisher Fluchtmutationen entwickelt, sprich: Sie können Antikörpern, die durch die Impfung im Körper gebildet werden, teilweise ausweichen. Delta hingegen hat bisher keine Fluchtmutationen gebildet, soll aber deutlich ansteckender sein. Eine Kombination könnte "das große Problem des kommenden Jahres sein", wie Reddy im Blick weiter erklärt. "Covid-22" würde dann – laut ihm – "noch schlimmer werden als das, was wir jetzt erleben."

Lese-Tipp: Forscher besorgt: Offenbar noch ansteckendere Delta-Untervariante AY.3 breitet sich aus

"Covid-22" bisher nur ein Hashtag im Netz

Im Netz – genauer gesagt auf Twitter – breitet sich das "neue Virus" schon aus. Viele User sind verunsichert, denken, sie haben "Covid-20" und "Covid-21" verpasst und haben Angst davor, was in Zukunft auf uns zukommen wird. Einige sind allerdings auch amüsiert darüber und tweeten sarkastische Meinungen in die Welt hinaus.

Bisher ist der vom Wissenschaftler Sai Reedy gebrauchte Begriff "Covid-22" allerdings weder von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder sonst wem in einem ernstzunehmenden Zusammenhang genannt worden und sorgt daher für Verwirrung.

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So schätzt Virologe Klaus Stöhr die Lage ein

Ob sich eine solche Mutation, die sich aus den bisherigen Coronavirus-Varianten zusammenschließen könnte, wirklich bilden wird, bleibt abzuwarten und lässt sich schwer vorhersagen. Virologe Klaus Stöhr hebt gegenüber RTL jedoch besonders die Tatsache hervor, dass es in Zukunft immer wieder neue Varianten geben wird. Laut ihm könnte es gut möglich sein, dass es "vielleicht am Ende des Winters, vielleicht nächsten Sommer schon eine Variante geben wird, die dann eine Erneuerung des Impfstoffes erforderlich macht." Der Grund: Die neue Virus-Mutation könnte den Impfschutz unterlaufen.

Der Virologe stellt allerdings auch klar: Das ist normal! "Das macht man routinemäßig bei der Influenza-Impfung jedes Jahr – wenn es notwendig ist." Angst davor brauche man daher nicht zu haben: "Die Mechanismen dafür sind jetzt auch für Corona etabliert, da hat man mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), mit den großen Zulassungsbehörden und den Impfstoffherstellern schon einen Prozess entwickelt. Also wenn das passiert im nächsten Jahr, wird auch der Impfstoff auf dem neusten Stand sein." Selbst wenn es eine etwaige Super-Mutation geben sollte, sind wir dank der Impfung erstmal gut aufgestellt.

Lese-Tipp: Corona, Grippe, Masern: Was unterscheidet die Impfungen?

Lieber auf das konzentrieren, was aktuell geschieht

Eine Pflegekraft wird im Rahmen der Mitarbeiter-Impfung im Krankenhaus Bethel Berlin gegen das Corona-Virus geimpft. Ungeimpfte Menschen haben einer aktuellen britischen Studie zufolge ein dreimal so hohes Risiko sich mit
Im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie und die aufkeimenden Virus-Mutationen wichtig: die Impfung.
© dpa, Kay Nietfeld, nie abl wst ah vco

Fakt ist: Selbst Wissenschaftler und Forscher können aktuell nicht sagen, was nächstes Jahr oder auch in den darauffolgenden Jahren in Bezug auf das Coronavirus und seine Mutationen auf uns zukommt. An sich ist es jedoch sinnvoller, sich auf das zu konzentrieren, was aktuell wichtig ist. Und das ist vor allem die Corona-Impfung: "Die nächste Variante, die es geben wird, hat vielleicht eine höhere Infektiosität, aber das Entscheidende ist: Wirkt der Impfstoff dagegen? Wenn das nicht der Fall sein sollte, wird der Impfstoff angepasst. Alles andere ist weit entfernt", sagt auch Virologe Klaus Stöhr. Das Einhalten der 2- beziehungsweise 3G-Regeln, das Tragen einer Mund- und Nasen-Schutz-Maske sowie das Beachten der weiteren Hygienemaßnahmen sollte ebenfalls weiter berücksichtigt werden. Nur so schaffen wir es gemeinsam, die Pandemie einzudämmen. (vdü)