Traurige Szene am Rande der Corona-Proteste in Schweinfurt

Mutiger Passant stellt sich Maßnahmen-Gegnern entgegen

29. Dezember 2021 - 9:28 Uhr

Schweinfurt (Bayern): Ansage an Gegner der Corona-Maßnahmen

Bis zu 3.000 Menschen gehen am zweiten Weihnachtsfeiertag bei unangemeldeten Corona-Protesten in Schweinfurt (Bayern) auf die Straße. Weil die Situation vielerorts eskaliert, muss die Polizei Schlagstock und Pfefferspray einsetzen. Dabei erleidet ein vierjähriges Kind eine Augenreizung. Die Mutter wurde mittlerweile angezeigt, das Jugendamt informiert. Doch während die einen gegen die Corona-Regeln protestieren, haben viele andere dafür kein Verständnis. Angesichts der vielen Corona-Toten riss einem Passanten in Schweinfurt deshalb die Hutschnur.

110.000 Corona-Tote in Deutschland

Der Mann ist mit seinem Auto unterwegs, als Demonstrierende scheinbar eine Straße in Schweinfurt blockieren. Dann zeigt ein Video des Journalisten Leon Enrique Montero den Gänsehaut-Moment: Wutentbrannt steigt der Autofahrer aus seinem Wagen und macht den Protestlern völlig losgelöst und wild gestikulierend eine Ansage. Tausende seien in Deutschland an Corona gestorben, der Mann selbst habe zwei Verwandte verloren.

Tatsächlich sind in Deutschland seit Beginn der Pandemie über 110.000 Menschen an Covid-19 gestorben. Fakten, die sich unter den Protestierenden in Schweinfurt scheinbar nicht herum gesprochen haben.

Menschen solidarisieren sich mit mutigem Passanten

Viele Twitter-User solidarisieren sich mit dem wütenden Autofahrer. "Viel Liebe für diesen Mann. Seine Verzweiflung im Gesicht ist deutlich zu sehen", schreibt eine Userin. "Auch wenn ich kein Fan von wüsten Beleidigungen bin, kann ich die Wut & den Hass des Mannes nur zu gut verstehen. Die Covidioten tanzen buchstäblich auf den Gräbern jener Toten, die das Virus hinweggerafft hat. Ein Schlag ins Gesicht für den Herrn. Er tut mir echt leid", erklärt ein anderer User.

Wie der Journalist Montero weiter berichtet, sollen Protestierende den Mann jedoch ausgelacht haben. Auch ein Stein soll laut des Berichts in Richtung des Autos geflogen sein. Die Polizei musste letztlich dazwischen gehen.

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Beschleunigtes Verfahren: Erste Teilnehmer von Randale-Protest verurteilt

Am Tag nach den gewalttätigen Übergriffen während der Demonstration wurden vier Teilnehmer bereits in einem beschleunigten Verfahren vom Amtsgericht Schweinfurt verurteilt.

  • Ein 22-jähriger Arbeitsloser wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zu einer Geldstrafe von1.600 Euro verteilt.
  • Eine 34-jährige Frau erhielt wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte sechs Monate Freiheitsstrafe, die auf Bewährung ausgesetzt wurden.
  • Ein 25 Jahre alter Mann wurde wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte sowie vorsätzlicher Körperverletzung zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, ebenfalls auf Bewährung.
  • Zudem wurde ein 50-Jähriger wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, versuchter Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einem Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt.

Bei der Demonstration am Sonntagabend waren mehrere Teilnehmer verletzt worden - darunter ein vierjähriges Kind. Zeitweise seien Sicherheitsabstände nicht eingehalten worden, hatte die Polizei mitgeteilt. Teilnehmer hätten immer wieder versucht, sich in Kleingruppen abzusondern. Einen "unkoordinierten Versammlungsverlauf" verhinderte die Polizei jedoch nach eigenen Angaben. Die traurige Bilanz: acht Personen wurden festgenommen. Gegen weitere 44 wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

(kra; uvo)