Pharma-Forscher arbeiten unter Hochdruck

Corona-Erkrankung: Helfen bewährte Medikamente wie Chloroquin - oder brauchen wir ein neues Wundermittel?

20. März 2020 - 14:07 Uhr

Tübinger Institut für Tropenmedizin testet Chloroquin

Gegen die Pandemie mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 werden nicht nur Impfstoffe entwickelt, sondern zur Zeit auch bereits bestehende Medikamente erprobt. Unter ihnen auch das Malaria-Mittel Chloroquin. Es wird schon seit längerem erfolgreich gegen Malaria eingesetzt. Aber es wirkt auch gegen andere Viren. Das Tübinger Institut für Tropenmedizin will das Medikament Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen testen. Der Pharma-Konzern Bayer will die Produktion des Medikamentes deswegen hochfahren. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, es seien bereits "größere Mengen" reserviert worden. Wie vielsprechend ist der Einsatz des Medikaments?

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Entwicklung von Impfstoff dauert - Hoffnung richtet sich auf Medikamente

Die Entwicklung von Impfstoffen gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 hat im Zeitalter der digitalen Vernetzung ein nie gekanntes Tempo aufgenommen. Dennoch sei es unwahrscheinlich, "dass diese schon 2020 für Massenimpfungen verfügbar werden", so der Verband forschender Arzneimittelhersteller. Deshalb richteten sich die Hoffnungen darauf, ein Medikament zur Behandlung bereits Infizierter zu finden. Medikamente, die dabei helfen, dass die vom Virus verursachte Atemwegsinfektion Covid-19 nicht lebensgefährlich wird und rasch abklingt.

Bewährte Mittel „müssen nur umfunktioniert" werden

Die Hoffnungen, so der Verband, "konzentrieren sich insbesondere auf Medikamente, die schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder zumindest in Entwicklung sind". Sie müssten nur umfunktioniert werden, "was schneller gehen kann als eine grundständige Neuentwicklung". Zum Hoffnungsträger ist dabei in den letzten Tagen Chloroquin aufgestiegen. Chloroquin ist eigentlich als Wirkstoff in Malaria-Medikamenten bekannt geworden. Er kann aber auch antiviral eingesetzt werden, wie sich in der Zwischenzeit herausstellte. "Nach positiven Labortests gegen SARS-CoV-2 kam von chinesischen Forschern inzwischen auch die Nachricht, dass sich Chloroquin in einer klinischen Studie als wirksam erwiesen habe", schreibt der Verband.

Experte rechnet nicht mit Wundermittel

Dr. Georg-Christian Zinn
Dr. Georg-Christian Zinn glaubt nicht an das Wundermittel - es laufe auf eine Kombination bekannter Medikamente hinaus, so seine Einschätzung.
© RTL, infoNetwork

Aber wie erfolgsversprechend ist der Einsatz von altbewährten Medikamenten? Das haben wir Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia, gefragt. "Es wäre fantastisch, wenn wir da eine wirkliche Hilfe hätten", sagt er uns. Das Problem in seinen Augen ist: "Wir sind viel zu früh - bevor wir Hoffnungen wecken, müssen wir das wirklich erst ausprobieren."  Es gebe mehrere wirklich potente Substanzen, auch Medikamente, die aus der HIV-Therapie bekannt seien.

Aber ganz wichtig, auch für die Bürger, ist seiner Meinung nach: "Bevor diese Medikamente an den Patienten kommen, müssen wir belastbare Studien haben, wir können nicht jetzt schon sagen, dass das das Wundermittel wird." Wann aber können wird denn mit dem Wundermittel rechnen? "Ich glaube, es wird kein Wundermittel geben, sondern es wird eine Kombination mehrerer. Ein Medikament und dann kriegt man es nicht oder der Husten geht weg: Das wird es nicht geben", so die Einschätzung des Experten.