Vor Kamera konfrontiert!: Eigentümer bekommt Video-Botschaft von Bewohnerin
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Im Oberhausener „Weißen Riesen“ kämpfen Mieter seit Monaten mit kaputten Heizungen und defekten Aufzügen, während der Eigentümer auf tikTok prahlt. RTL konfrontiert ihn mit einer Videobotschaft seiner Bewohner.
Er präsentiert sich als raffinierter Businesstyp. Christian Straube
„Wenn man sich so die ganzen letzten Jahre ansieht, dann hat man mit Immobilien eigentlich auf langfristige Sicht immer gewonnen. Ohne Risiko verdienst du auch kein Geld.“
Seine Mieter im Europahaus in Oberhausen schäumen vor Wut. Die Stimmung im liebevoll genannten „Weißen Riesen“ ist "wenn ich ganz ehrlich bin, beschissen."
Denn so gepflegt, wie das Gebäude von außen wirkt, ist es innen schon lange nicht mehr. Die Heizungen sind monatelang ausgefallen, Aufzüge funktionieren nicht.
„Ich werde 68. Wir müssen da jeden Tag ein paar Mal 80 Treppen hoch, 80 Treppen runter.“
Die Zustände: miserabel. Aber wird sich hier irgendwas ändern? Seit zehn Jahren wohnt Irmgard Leutzel hier im „Weißen Riesen“. Schon als junge Frau hat sie davon geträumt, in diesem Komplex zu wohnen. Das Gebäude ist zentral gelegen, die Mieten sind günstig, aber seit Ende letzten Jahres funktioniert hier fast nichts mehr, wie zum Beispiel die Heizungen.
„Der Winter war sehr, sehr, sehr hart, sag ich mal. Also man hat sich gefühlt, als ob man obdachlos ist auf der Straße. Ich musste mit Mütze und Schal und Handschuhen und dicker Bekleidung und dicker Wolldecke ins Bett. Ich habe dann so die Arme rausgehabt und mir da Frostbeulen zugezogen.“
Und jetzt soll es auch noch Schimmel in einigen Wohnungen geben. Auch Rolf Grohmann ist betroffen. Ausziehen kommt allerdings für ihn aufgrund der Umstände nicht in Frage. Doch manche haben keine andere Wahl, beobachtet er.
„Schon etliche, die ausgezogen sind aufgrund der Situation. Wie gesagt, alte Leute, 70, 75 Jahre alt. Manche sind gehbehindert und die kommen dann die Treppen nicht mehr rauf und runter. Das ist alles – man kann das alles vergessen, im Grunde genommen. Es wird nichts gemacht. Nach Bitten und Betteln. Die machen nichts.“
Auch die Stadt Oberhausen konnte den Eigentümer nicht dazu bringen, dass sich die Zustände hier verbessern. Viele der rund 100 Bewohner haben ihre Miete schon gemindert.
Mieter haben einen Anspruch darauf, dass die Wohnung im vertragsgemäßen Zustand ist. Und wenn die Wohnung davon abweicht, dann können sie die Miete mindern. Es muss dann immer ein Mangel vorliegen. Und diesen Mangel muss ich natürlich auch meinem Vermieter unverzüglich anzeigen.
Sowohl Rolf Grohmann als auch Irmgard Leutzel haben das sofort getan, sagen sie. Vor vier Jahren wurde der „Weiße Riese“ mit 167 Wohnungen von der W und AG übernommen. Und das ist der Chef: In den sozialen Medien präsentiert er sich so:
„Für mich ist die Immobilie das richtige Anlageprodukt. Ich bin kein Typ, der jetzt in Aktien oder in Krypto investiert.“
Christian Straube sagt, so verkaufe er sich mittlerweile nicht mehr, die Videos seien alt. Aber was tut er, um die Zustände im „Weißen Riesen“ zu verbessern? Mieterin Irmgard Leutzel hat ihm sogar eine Videobotschaft geschickt:
„Sie mögen bitte die Aufzüge fertig machen und Sie mögen bitte die Heizung, dass die Heizung funktioniert.“
„Es ist nicht so, dass wir das mit Absicht machen oder das ignorieren, sondern es ist halt einfach auch ein schwieriger Markt geworden. Und wir kämpfen da die ganze Zeit dafür, dass es wirklich schnellstmöglich wieder alles funktioniert, weil das Letzte, was wir wollen, auch für unsere Reputation etc., ist natürlich, dass die Mieter sich beschweren.“
In den kommenden zwei Jahren will Christian Straube mit seiner Firma das Gebäude generalsanieren. Rolf Grohmann und Irmgard Leutzel wollen übrigens auch weiterhin im „Weißen Riesen“ wohnen bleiben, auch wenn die Zeit für sie gerade nicht leicht ist.
