Neue Runde im Corona-Impfchaos

Aufregung um Impf-Schreiben: Land Niedersachsen lädt junge Gesunde zum Impfen ein

Wer wann gegen Corona geimpft wird, richtet sich nach Priorisierungsgruppen - eigentlich.
Wer wann gegen Corona geimpft wird, richtet sich nach Priorisierungsgruppen - eigentlich.
© picture alliance, R4179 Nicole Kubelka/Geisler-Fotopress

22. April 2021 - 9:37 Uhr

Verunsicherung bei den Angeschriebenen

Immer mehr Menschen mit Vorerkrankungen können sich gegen das Coronavirus impfen lassen. Wer wann dran ist, richtet sich unter anderem nach dem Alter, Vorerkrankungen, Berufsgruppen und verfügbaren Impfstoffen. Doch auch gesunde Menschen aus der Region Hannover haben Einladungen zum Impfen erhalten.

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Betroffene: "Ich weiß nicht, warum ich angeschrieben wurde"

Jenny Richter aus Hannover ist verunsichert. Die 28-Jährige fühlt sich vollkommen gesund. Vor einigen Tagen erhält sie vom Gesundheitsministerium Niedersachsen eine Einladung zur Corona-Schutzimpfung. "Als Niedersächsische Gesundheitsministerin liegen mir Ihre Gesundheit und Ihr Schutz besonders am Herzen. Daher freue ich mich, dass nun auch Personen mit bestimmten Vorerkrankungen einen Impftermin erhalten können", steht in dem Brief.

Absenderin ist Daniela Behrens, Gesundheitsministerin in Niedersachsen. Doch anstatt sich über den Impftermin zu freuen, ist Jenny Richter verunsichert: "Ich weiß nicht, was ich für Vorerkrankungen haben soll. Als Kind hatte ich mal Allergien, das war es aber." Von einer anderen aktuellen Erkrankung wüsste Jenny Richter nichts: "Ich leide nicht unter Asthma oder Ähnlichem. Warum ich jetzt geimpft werden darf, weiß ich nicht."

Ein fehlerhaftes Auswahl-Prozedere für die Corona-Impfungen?

Fläschchen mit dem Biontech-Impfstoff Comirnaty.
Weil der Corona-Impfstoff aktuell noch knapp ist, kann nicht jeder sofort geimpft werden.
© dpa, Paul Zinken, pzi kde

Die Impf-Einladungen werden auf der Datenbasis der Krankenkassen verschickt. Und darin könnte der Fehler liegen. Im Laufe eines Patientenlebens kommen viele Diagnosen zusammen, "aus den verschiedensten Quellen", erklärt Detlef Haffke von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Die Krankenkassen speichern alle Diagnosen ihrer Patienten.

Das Problem: "Eine Diagnose kann vor Jahren erstellt worden sein. Der Patient ist aber längst geheilt, doch die Diagnose ist noch gespeichert", erläutert Detlef Haffke. Dadurch sei es möglich, dass vermeintlich Gesunde als Risikopatienten zählen und deswegen eine Impf-Einladung erhalten haben.

Doch Impfdosen sind knapp. Hausärzten beispielsweise stehen wöchentlich nur zwischen 20 und 30 Impfdosen zur Verfügung. Eine Medizinische Fachangestellte eines Hausarztes in Hannover beschreibt die Situation so: "Viele Jüngere haben jetzt diese Impf-Einladung erhalten und rufen bei uns an, weil sie sich impfen lassen wollen. Insgesamt haben wir nun mehr als 400 Impfberechtigte auf unserer Warteliste. Die alle abzuarbeiten, wird Wochen dauern."

Gesundheitsministerium Niedersachsen: Krankenkassen sind verantwortlich für die Schreiben

Auf Anfrage erklärt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Hannover, dass das Ministerium selbst mit der Auswahl der Angeschriebenen nichts zu tun habe. Die Auswahl der Menschen, die einen solchen Brief erhalten, erfolge durch Abrechnungsdaten von Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenhäusern. Diese Daten sammeln die jeweiligen Krankenkassen.

Jörg Niemann, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) in Niedersachsen erläutert: "Weder das Land noch andere Institutionen wissen, an wen die Benachrichtigung des Landes zur Impfberechtigung gesendet worden ist. In dem Verfahren werden bei der Kasse vorliegende Abrechnungsziffern automatisiert gefiltert, die nach bundesweit geltenden Kriterien zur Impfberechtigung führen, ohne dass es eine individuelle Befassung damit gibt."

Gesundheitsministerin Daniela Behrens kommentiert den Vorgang so: "Damit soll allen aus medizinischen Gründen impfberechtigten Personen unkompliziert und unbürokratisch der Zugang zu einem Impftermin ermöglicht werden."

10 Fakten zur Corona-Impfung

Für viele Menschen rückt der erste Corona-Impftermin immer näher. Aber noch sind viele Fragen offen und täglich kommen neue hinzu. Wann kann ich mir einen Termin machen? An wen kann ich mich für einen Impftermin wenden? Worauf müssen Menschen mit Krebserkrankung und Schwangere achten? Darf ich mir meinen Wirkstoff selbst aussuchen und muss ich nach der Impfung die AHA-Regeln beachten? Sollte ich mich impfen lassen, obwohl ich schon Corona hatte? Diese und mehr Fragen beantworten wir in unserer Web-Story hier.

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