Analyse zum Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Bundestagswahl 2021

Laschet und Scholz wollen Kanzler werden

Das Ergebnis dieser Bundestagswahl wird wohl denkbar knapp
Das Ergebnis dieser Bundestagswahl wird wohl denkbar knapp
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26. September 2021 - 21:29 Uhr

Bundestagswahl 2021: Blamage für die Union

von Robert Clausen

Es ist eine historische Klatsche für die Union und Armin Laschet – das schlechteste Wahlergebnis, das die Partei jemals bekommen hat. Trotz der Blamage: Armin Laschet gibt nicht auf und will trotzdem Kanzler werden. So leicht will es ihm die SPD aber nicht machen.

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Hauptsächlich Armin Laschet schuld an schlechten Unions-Ergebnissen

Vieles ist an dem Wahlergebnis dieser Bundestagswahl noch nicht klar, eins aber schon: Die SPD mit Olaf Scholz hat viele Stimmen dazugewonnen, die Union nach 16 Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel dramatisch verloren. Noch liefern sich die beiden Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Grünen erobern den dritten Platz vor FDP, AfD und Linken. Die Linkspartei muss sogar um den Einzug in den Bundestag zittern.

Die Union hat nach Analyse der ARD fast 1,4 Millionen Wähler an die SPD verloren. Zu den Grünen wanderten demnach rund 900.000. An die FDP wurden 340.000 Stimmen abgegeben. Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen zeigt: Verantwortlich für das schlechte Abschneiden der Union ist hauptsächlich Armin Laschet. 56 Prozent der Befragten urteilten, dass er dem Abschneiden der Union nicht zuträglich war.

Laschet will "Bundesregierung unter Führung der Union"

Trotzdem, Armin Laschet will Kanzler werden: "Eine Stimme für die Union ist eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung. Und deshalb werden wir alles daran setzen, eine Bundesregierung unter Führung der Union zu bilden", sagte Laschet am Sonntagabend in Berlin.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak zeigt sich in der ARD geknickt: "Die Verluste sind herb zur letzten Wahl. Das ist bitter." Wie Laschet will sich aber auch Ziemiak noch nicht von einer Unions-Kanzlerschaft verabschieden: "Es gibt die Möglichkeit für eine Zukunftskoalition", sagt er in der ARD. Man könnte mit Grünen und FDP regieren. Die Union habe eine Aufholjagd gezeigt.

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SPD bekräftigt Anspruch aufs Kanzleramt

So nahe wie die Parteien in den Hochrechnungen beieinander liegen, so nahe sind sie sich auch in der Frage, wer denn jetzt eine Regierung bilden soll. Auch die SPD, die in Hochrechnungen zumindest knapp vor der Union liegt, bekräftigt ihren Anspruch aufs Kanzleramt. Olaf Scholz sagte am Abend: "Sie haben entschieden, dass die Sozialdemokratische Partei bei allen Balken nach oben geht - und das ist ein großer Erfolg." Die Wähler hätten die SPD wegen ihrer Themen gewählt, wollten Gerechtigkeit und Klimaschutz. "Und auch weil sie wollen, dass der nächste Kanzler dieser Republik Olaf Scholz heißt."

Auch SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht den Auftrag zur Regierungsbildung bei den Sozialdemokraten. "Wir wussten, das wird ein knapper Wahlkampf", sagte Klingbeil. "Aber ganz klar: Die SPD hat den Regierungsauftrag. Wir wollen, dass Olaf Scholz Kanzler wird."

Der Sieger wird nicht automatisch Kanzler

Doch so klar ist die Situation noch nicht. Parteienforscher Karl-Rudolf Korte ist der Meinung, ein "Machtwechsel liegt in der Luft". Ihm zufolge stehen nun "komplexe Verhandlungen" an. Die Parteien könnten nicht zeitgleich verhandeln. Korte sagt im ZDF weiter: "Ich höre aus den Gesprächen heraus, dass der Sondierungsweltmeister den Kanzler stellt, nicht der Sieger von heute Abend." Das heißt: Egal, welche Partei die besten Ergebnisse erzielt – einen Anspruch auf das Kanzleramt gibt es damit nicht automatisch.

Wirtschaft wünscht sich schnelles Wahlergebnis

So komplex wie die Verhandlungen werden, so lange könnten sie sich auch hinziehen. Nach der letzten Bundestagswahl dauerte die Regierungsbildung 172 Tage, also genau fünf Monate, zwei Wochen und 5 Tage – ein fragwürdiger Rekord. So lange wollen Wirtschaftsverbände dieses Mal nicht warten: "Sicher ist, der Mittelstand braucht ab sofort vor allem Planungssicherheit. Der Wirtschaftsstandort Deutschland kann sich nicht schon wieder eine Regierungsbildung leisten, die sich zäh über Monate hinschleppt", sagt der Bundesgeschäftsführer des Mittelstandsverbandes BVMW, Markus Jerger, der Nachrichtenagentur Reuters.