Bordell wegen Corona geschlossen

Prostituierte in Bagladesch: "Wenn das so weiter geht, werden Frauen und Kinder an Hunger sterben"

02. Juni 2020 - 17:40 Uhr

Das Corona-Virus zwingt Bordelle in die Knie

Sie verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Freude anderer. Doch damit ist seit Beginn der Corona-Pandemie Schluss: Staatlich betriebene und damit in Bangladesch rechtlich legale Bordelle mussten ihre Türen schließen. Für 1.500 Frauen, die als Sexarbeiterinnen in einem der weltweit größten Bordelle angestellt sind, bedeutet das jetzt vielleicht den Hungertod. Unser Video zeigt die dramatischen Szenen.

Hungern wird zum Dauerzustand

Women living in one of the world’s biggest brothels are facing a new crisis in the face of Covid-19: Hunger.
Frauen stehen teils stundenlang an, um einen der heißbegehrten Reisbeutel zu ergattern.
© CNN

Verzweifelt und vom Hunger gezeichnet stehen etliche Frauen mitten im Regen in langen Schlangen vor einer Lebensmittelausgabe in Daulatdia an. Der Beginn der Corona-Pandemie ist nun gut zwei Monate her. Seitdem fürchten sie alle um ihre Existenz, denn normalerweise verdienen die Frauen als Sexarbeiterinnen ihr Geld – angestellt bei einem der größten Bordelle weltweit. Doch um die Ausbreitung des Covid-19-Virus zu stoppen ließ die Regierung alle Bordelle Bangladeschs zwangsschließen. Für die 1.500 Prostituierten des Bordells in Daulatdia könnte das ihr Todesurteil bedeuten, denn es gebe keine Möglichkeit für sie Geld zu verdienen. Aus diesem Grund stehen sie teils stundenlang an – in der Hoffnung einen der heißbegehrten Reisbeutel zu ergattern. "Danke Gott! Ich habe die Erleichterung", rief eine der Frauen als sie ihren Beutel erhielt.

Die Lebensmittel sollen durch die lokale Regierung, die Polizei und durch Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt worden sein. Morjina Begum ist Geschäftsführerin der Organisation Mukti Mohila Samity. Im Interview mit CNN sagte sie: "Ich möchte, dass sie sicher und gesund sind. Aber diese Vorräte halten nur 5-7 Tage." Vor allem gebe es für die 1.500 Frauen, die 100 Kilometer außerhalb von Dhaka mitten im nirgendwo um ihr Überleben kämpfen, viel zu wenig davon.

Mit 14 Jahren ins Bordell

Women living in one of the world’s biggest brothels are facing a new crisis in the face of Covid-19: Hunger.
Die Lebensmittel sollen durch die lokale Regierung, die Polizei und durch Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt worden sein.
© CNN

"Wenn dies so weitergeht werden die Frauen und Kinder an Hunger sterben. Wir beten, dass das Virus verschwindet", berichtete die verzweifelte Nodi, die sonst einem der insgesamt elf staatlichen Bordelle beschäftigt ist. Seit 25 Jahren lebt sie unter fragwürdigen Umständen. Mit vierzehn Jahren sei sie in das Bordelle Madam gekommen, nachdem ein Freier sie dorthin verkauft habe. Mehr als ein Jahrzehnt später steht Nodi jetzt vor einem neuen Problem: Hunger. "Wegen der Pandemie sind wir jetzt in Schwierigkeiten. Es gibt nicht genug für alle", sagte sie.

Wie Nodi sollen laut einer Studie der lokalen Menschenrechtsgruppe in Bangladesch 80 Prozent Prostituierten bereits als Minderjährige in einem Bordell gearbeitet haben. Offiziell ist Prostitution in Bangladesch jedoch erst ab einem Alter von 18 Jahren erlaubt. In einem Interview mit CNN bestritt der Vorstand der lokalen Polizei den Vorwurf minderjähriger Prostituierter. Er gebe aber zu, dass sie vor Ort Probleme mit dem sogenannten Menschenhandel hätten und die Regierung mit harten Strafen dagegen vorgehe.

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Schwanger von Männern, die gerade mal zwei Dollar für Sex zahlten

Women living in one of the world’s biggest brothels are facing a new crisis in the face of Covid-19: Hunger.
Die Frauen in Bangladesch bangen um das Leben ihrer Kinder.
© CNN

Ein weiteres Problem in Daulatdia sei, dass viele der Frauen im Lager schwanger seien – von Männern, die gerade mal zwei Dollar für Sex zahlten. So sollen rund 500 der Kinder, die mit ihren Müttern in einem Lager nahe dem Bordell in Daulatdia leben, im Bordell zur Welt gekommen sein.

Die 22-jährige Shurovi war eines dieser Kinder und ist heute selbst Mutter. Trotz guter Ausbildung und der Heirat mit einem wohlhabenden Mann habe Shurovi den Aufstieg in ein besseres Leben nicht geschafft. Denn nach der Scheidung soll sie wohnungslos und ohne Job an den Ort zurückgekehrt sein, an dem sie geboren wurde. Ihre Träume genug Geld zu verdienen, um ein eigenes Grundstück zu kaufen und nie wieder Existenzängste zu haben seien längst fort, berichtete CNN.

„Es scheint so, als würden wir vor unserem eigentlichen Tod sterben.“

"Ich stehe vor einer Finanzkrise, die unser Überleben bedroht. Wenn ich kein Einkommen habe, kann ich mein Kind nicht unterstützen. Die Unterstützung, die wir von der Regierung erhalten, reicht nicht aus", berichtete sie von der dramatischen Lage in Bangladesch. Die junge Mutter könne nicht einmal Babymilch oder Windeln für ihren 10-monatigen Jungen kaufen. "Es scheint so, als würden wir vor unserem eigentlichen Tod sterben", sagte sie, denn Shurovi, Nodi und die anderen Frauen wissen nicht mehr wie lange sie noch durchhalten können.