Bachelor 2021 - Kommentar zu Niko Griesert

Hand aufs Herz: Erkennen wir uns nicht alle in Niko Griesert wieder?

Niko Griesert steht als Bachelor sinnbildlich für das Dating-Verhalten einer ganzen Generation.
Niko Griesert steht als Bachelor sinnbildlich für das Dating-Verhalten einer ganzen Generation.
© TVNOW, SpotOn

03. April 2021 - 11:34 Uhr

von Larissa Schmitz

Tja, über Bachelor Niko Griesert, seinen fröhlichen Frauentausch und dann die traurige Gewissheit, dass es liebestechnisch weder mit Mimi Gwozdz noch mit Michèle de Roos für eine Beziehung gereicht hat ("Der Bachelor – Nach der letzten Rose" hier nochmal auf TVNOW gucken) – darüber hat wohl gerade ganz Deutschland eine Meinung. Und klar, so richtig cool hat sich Niko gegenüber den Mädels nicht verhalten, da hat meine Kollegin schon recht: Stephie Stark eine realistische Chance auf die letzte Rose vorgaukeln, sie dann aber schon vor der Vergabe austauschen – fies! Michèle erst rauskicken, dann zurück holen und ihr dann aber doch nicht die letzte Rose geben – noch fieser! Mimi im Finale eine zu Tränen rührende, mega-emotionale Liebeserklärung machen und hinterher "auf freundschaftlicher Basis" weitermachen wollen – am fiesesten! Aber mal Hand aufs Herz: Erkennen wir uns nicht alle ein bisschen in Niko wieder?

Niko Griesert sucht das ehrliche Gespräch, statt den Frauen etwas vorzuspielen

Niko Denise Bachelor 2021
Für Niko kam der Kuss mit Kandidatin Denise zu plötzlich - hat er ihr dann aber auch gebeichtet.
© TVNOW

Zugegeben, selbst habe ich so ein Liebeschaos zum Glück noch nie verursacht (hoffe ich). Aber wir alle kennen sicher jemanden, der schon einmal in so einem Love-Triangle oder eher Love-Square involviert war. Eins muss man Niko hier aber lassen: Er hat den Kandidatinnen immer gesagt, wo dran sie bei ihm sind. Nach dem unangenehmen ersten Kuss mit Kandidatin Denise ging Niko beim nächsten Wiedersehen direkt auf Konfrontation. Er gestand ihr, den Schritt bereut zu haben. Nicht schön zu hören, klar, aber immerhin ehrlich! Neulich habe ich irgendwo den Spruch: "Jeder will die Wahrheit wissen, aber niemand will ehrlich sein", gelesen. Stimmt halt. Unehrlichkeit kann man Niko aber nicht vorwerfen. Auch wenn meine Kollegin findet, dass Niko zu oft nur an sich selbst gedacht hat.

Mimis Unter-Druck-Setzen-und-wir-sind-ein-Paar-Verhalten-von-Tag-1 hat Niko übrigens frühzeitig angesprochen. Kurzerhand machte er ihr eine deutliche Ansage, statt ihr etwas vorzuspielen, was (noch) nicht da war. Auch vor der absolut schlimmen Hände-vors-Gesicht-halten-weil's-so-unangenehm-Anzuschauen-ist-Aussprache mit Stephie hat sich der Bachelor nicht gedrückt. Jemandem ins Gesicht zu sagen, dass es doch nicht reicht – das erfordert Mut. Ghostingauch eine der Top-Dating-Sünden, über die sich meine Kollegin ärgert – ist offensichtlich nicht Nikos Art. Gut so!

Generation-Y-ler und Entscheidungen treffen? Schwiiieeeerig!

Viele regen sich ja auch darüber auf, dass Niko sich nicht zwischen den Frauen entscheiden kann oder besser gesagt – nicht bei seinen Entscheidungen bleibt. Aber, liebe Leute, genau darum geht's doch beim Bachelor! Ausprobieren, reinfühlen, abwägen. Wer sich auf das Experiment einlässt, muss auch damit rechnen, dass ihm oder ihr das Herz gebrochen wird. Und ist es nicht ohnehin so, dass es der sogenannten Generation Y (Menschen,die zwischen 1981- 2000 geboren sind) schwer fällt, Entscheidungen zu treffen? Dank Globalisierung, Internet & Co. steht einem ja jede Tür offen. Höher, schneller, weiter, an jeder Ecke wartet die nächste tolle Chance – da auf einen Partner festlegen? Puh, schwierig! Denkt sich vielleicht auch Niko – und ist damit zumindest für meine Kollegin zu egoistisch unterwegs.

Niko Grieserts Dilemma steht für DEN Dating-Zwiespalt schlechthin

Mimi und Niko verbringen in der fünften Bachelor-Woche eine Nacht zusammen.
"Heimweh-Kuh" Mimi konnte Niko prima trösten.
© TVNOW

Eigentlich steht Niko und sein Damen-Dilemma doch auch sinnbildlich für DEN Dating-Zwiespalt schlechthin: Die Suche nach Sicherheit versus die Suche nach Abenteuer. Im Gegensatz zu einigen seiner Vorgänger hatte ich bei Niko zwar von Anfang an das Gefühl, dass er tatsächlich vom Hafen der Ehe, Vorstadt-Haus, zwei Kindern und Border Collie träumt. Wäre da nur nicht dieser gewisse Reiz des Ungewissen. In diesem Fall in Form von Michèle. Die Frau, mit der er eine Vorgeschichte hat, die Frau, die für ihn bis zum Schluss mysteriös bleibt. Und mit der es unfassbar knistert! So laut, dass man beim Zuschauen schon rote Ohren, rosa Wangen und ein grenzdebiles Grinsen im Gesicht bekommt.

Auf der anderen Seite dann Mimi. Die Frau, mit der es schon in Sekunde eins funkte. Die Frau, die Niko Halt in der neuen Situation geben konnte. Die Frau, die von Anfang an gefühlt schon seine Freundin war und ihn beim Treue-Test beobachtet – Temptation Island VIP anyone? Nikos "moja Mimi" und sein Verhältnis zu ihr erinnern mich an die "Heimweh-Kuh": Als Kind habe ich mal Ferien auf einem Reiterhof gemacht. Wer dort Heimweh bekam, durfte eine XL-Kuscheltier-Kuh, die "Heimweh-Kuh", mit ins Bett nehmen. Am nächsten Morgen fühlte man sich nach der Schmuse-Session gleich wie neu geboren und ganz doll getröstet. So ging's Niko wohl auch mit Mimi, die er ja schließlich oft als "sein Zuhause" bezeichnet hat.

Meine Hoffnung aufs Happy End stirbt zuletzt

Gut, als es nach Ende der Show dann aber tatsächlich zurück nach Hause ging, verflog das Bedürfnis nach Trost und Sicherheit offenbar genauso schnell wieder, wie es in der ersten Nacht der Rosen gekommen war. Schade eigentlich. Mimi und Niko hätten, rein von außen betrachtet, auf jeden Fall eine rosige (ja, platt!) Zukunft vor sich haben können… Wäre da nicht noch immer das gewisse Etwas, das Niko für Michèle hegt. Beim Wiedersehen und auch in den Interviews hinterher bestreiten beide zwar trotz Liebesgerüchten immer wieder, mittlerweile ein Paar zu sein. Ganz vorbei scheint mir die Nummer aber noch nicht zu sein. Wäre doch irgendwie auch ein schönes Happy-End. Und ein Zeichen dafür, dass zusammen in die Direktnachrichten gucken tatsächlich zur großen Liebe führen kann. Hach!