Schon 22 Millionen Euro Schaden

Auch BKA-Chef warnt: 30 Prozent fallen immer noch auf WhatsApp-Enkeltrick herein

Whatsapp Enkeltrick Betrug
Achtung Falle! Diese Nachricht ist bestimmt von keinem notleidenden Kind, sondern ein waschechter Betrug per Whatsapp. Foto: Zacharie Scheurer/dpa-tmn
deutsche presse agentur

Es beginnt so: „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt. Das ist meine neue Handynummer, die kannst du dir einspeichern. Bist du zu Hause?“ Oder so: „Hallo Papa, hier ist dein Ältester, mein Handy ist kaputt, das ist jetzt meine neue Nummer.“ Garniert sind die Nachrichten oft mit netten Emojis, denn es soll Vertrauen aufgebaut werden. Doch genau das ist die Masche: Die Täter geben sich im Chat als Verwandte oder Bekannte aus und bitten dann um Geld.

Sogar der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, hat nun vor Betrugsversuchen in Messenger-Diensten gewarnt.

Ein Anruf und der Schwindel fliegt auf

Was in den Betrugsnachrichten folgt, sind mehr (schlimmer Unfall) oder weniger (Waschmaschine kaputt) abenteuerliche Geschichten, die darin münden, dass nun ja dringend Geld benötigt werde. Ob man nicht schnell etwas überweisen könne? Das ist der Punkt, an dem so Kontaktierte spätestens aus der Kommunikation aussteigen sollten, rät die Verbraucherzentrale Hessen: „Gehen Sie niemals auf Geldzahlungsforderungen über Messenger-Dienste ein.“

Lese-Tipp: Keine fremden Nummern bei Whatsapp anrufen

Der Schwindel lässt sich meist leicht aufdecken, indem man den Verwandten oder die Verwandte direkt auf der bekannten – angeblich alten – Nummer anruft, erklären die Verbraucherschützer. Außerdem ratsam: den Vorfall der Polizei melden, einen Screenshot der Nachricht erstellen und den Absender blockieren.

Im Video: "Ihr Kind hat einen Unfall verursacht" - LKA warnt vor dreisten Schockanrufen

LKA warnt vor dreisten Schockanrufen - so schützen Sie sich "Ihr Kind hat einen Unfall verursacht"
02:30 min
"Ihr Kind hat einen Unfall verursacht"
LKA warnt vor dreisten Schockanrufen - so schützen Sie sich

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22 Millionen Euro Schaden im Jahr 2022

Allein in den ersten acht Monaten 2022 habe die Polizei 40.000 solche Betrugsfälle registriert, mit einem Schaden von insgesamt 22 Millionen Euro, sagte BKA-Chef Münch den Zeitungen der Funke-Mediengruppe am Dienstag (4. April). Die Täter seien in 30 Prozent der Fälle erfolgreich gewesen.

Die Masche: „Hier erhalten die Betroffenen von einer unbekannten Nummer eine Chat-Nachricht von einem vermeintlich vertrauten Absender mit dem Hinweis: ‘Mein altes Handy ist kaputt, dies ist meine neue Handynummer, lösche die alte und speichere die bitte ab.’ Doch dahinter steckt ein Krimineller“, beschrieb Münch.

„Und irgendwann kommt die Nachricht, man müsse dringend Rechnungen bezahlen, aber das eigene Online-Banking funktioniere aufgrund des neuen Handys noch nicht. Das Ziel: eine Überweisung an die Täter.“

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Sie sind drauf reingefallen? Bank und Polizei informieren

Wer bereits in die Falle getappt ist, sollte sofort seine Bank informieren, die eine etwaige Überweisung vielleicht noch stoppen kann, wenn noch nicht zu viel Zeit vergangen ist. Dann gilt es, Anzeige bei der örtlichen Polizei zu erstatten.

Die Polizei warnte bereits im vergangenen Frühjahr: Schon damals waren zahlreiche Fälle bekannt, in denen Angeschriebene – oftmals Seniorinnen oder Senioren – den Kriminellen so auf den Leim gegangen waren. Teils wurde sogar mehrere Male Geld überwiesen, in einigen Fällen sogar auf Konten im Ausland.

Die beste Reaktion ist keine Reaktion

Die Täterinnen und Täter gehen geschickt vor, erklärt das Landeskriminalamt Niedersachsen. Die Anfragen seien fast durchweg in sehr gutem Deutsch verfasst. Wichtig deshalb: Auf solche Nachrichten gar nicht erst zu reagieren.

Lese-Tipp: Achtung, Betrugsversuch – diesen Whatsapp-Zahlencode nicht weitergeben!

Betroffene fragen sich natürlich, wie die Kriminellen an ihre privaten Mobilfunknummern kommen. Auch wenn sich das fast nie eindeutig klären lässt, vermutet die Verbraucherzentrale Hessen vor allem Phishing-Attacken und illegalen Datenhandel als Hauptquellen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten nicht nur deswegen grundsätzlich zurückhaltend bei der Preisgabe ihrer privaten Daten sein. (dpa/ija/vdü)