Damit der Impfstoff nicht verfällt

Arzt bietet AstraZeneca-Impfung auf Ebay-Kleinanzeigen an

Hausarzt Peter Weitkamp kritisiert, dass seine Praxis zu wenig Biontech-Impfstoff geliefert bekommen.
Hausarzt Peter Weitkamp kritisiert, dass seine Praxis zu wenig Biontech-Impfstoff geliefert bekommen.
© deutsche presse agentur

05. Mai 2021 - 18:57 Uhr

80 bis 90 Impfdosen kostenlos auf Ebay-Kleinanzeigen angeboten

"Es wäre Wahnsinn, den zuverlässigen und wirksamen Impfstoff verkommen zu lassen", ist Allgemeinmediziner Peter Weitkamp aus Kirchlengern in Ostwestfalen überzeugt. Deshalb hat er einen ungewöhnlichen Weg gewählt, den überschüssigen Impfstoff von AstraZeneca unter die Leute zu bringen: Ebay-Kleinanzeigen.

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Hausarzt kritisiert: Bekommen fast nur noch AstraZeneca 

Zwei Tage lang habe Weitkamp über die Internet-Plattform Impftermine mit AstraZeneca für Menschen über 60 Jahre angeboten – und das kostenlos! Ab der kommenden Woche werde er seine AstraZeneca-Restbestände, etwa 80 bis 90 Impfdosen, denen verabreichen, die sich auf sein Inserat hin meldeten. Zuvor hatte die "Neue Westfälische" über den Mediziner berichtet.

Weitkamp kritisierte, dass die Praxen fast nur noch AstraZeneca erhielten, das gefragte Biontech dagegen an die Impfzentren gehe. Er halte es aus medizinischer Sicht für falsch, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) AstraZeneca weiterhin nur für Menschen über 60 Jahre empfehle. Es gebe zudem auch zahlreiche unter 60-Jährige, die AstraZeneca haben wollten. Laut Bund-Länder-Beschluss müssen sich diese Jüngeren dann an die Praxen wenden, in den Impfzentren wird AstraZenca Menschen unter 60 Jahren nicht mehr gespritzt.

Viele Praxen seien aber in Sorge wegen Haftungsfragen, betonte Weitkamp. "Der Staat zieht sich aus der Haftung. Stattdessen sollen die niedergelassenen Ärzte haften, das ist ein Skandal."

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Hausarzt: "Die Alten nehmen den Jungen den Biontech-Impfstoff weg"

Der Impfstoff habe zu Unrecht ein schlechtes Image, so Weitkamp. Das führe dazu, dass viele noch nicht Geimpfte über 60 Jahren nun in die Impfzentren strömten, um sich dort Biontech abzuholen. "Das ist unsolidarisch. Die Alten nehmen den Jungen den Biontech-Impfstoff weg."

Auch die Stiftung Patientenschutz mahnte, "nicht Alt gegen Jung auszuspielen". Das helfe in der Krise nicht weiter. "Zentrales Problem ist, dass wir nicht genug Impfstoff haben. Es reicht noch nicht für Jedermann. Aber weder der Alte noch der Junge haben Schuld an diesem Mangel", sagte Vorstand Eugen Brysch.

Der Hausärzteverband Nordrhein sieht die Ebay-Aktion des Arztes auf Anfrage nicht kritisch. Eine solche Aktion sei allenfalls problematisch, wenn Geld genommen werde. "Ansonsten ist jeder verimpfte Impfstoff besser als ein weggeworfener", heißt es in einer Stellungnahme. Sinnvolle Wege könnten auch etwa Drive-in-Angebote vor Einkaufszentren sein. Die Belieferung der Praxen laufe "sehr schleppend", klagte der Verband. "Das gilt insbesondere für den Impfstoff Biontech."

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dpa/mor

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