Ex-Außenminister Joschka Fischer

"Baerbock als Kanzlerin wäre ein extrem positives Signal"

Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen)
Der ehemalige Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen)
© deutsche presse agentur

17. Mai 2021 - 8:32 Uhr

von Philipp Sandmann

Was sagt eigentlich der ehemalige grüne Außenminister und Vizekanzler Joschka Fischer zur Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock? Wäre er glücklich über die Grünen im Kanzleramt? Im exklusiven Interview mit RTL sagt Joschka Fischer: "Ich wäre äußerst glücklich, wenn das passieren sollte. Einerseits… Andererseits wäre das auch eine gewaltige Herausforderung. Mal schauen."

Aber er traut Annalena Baerbock das Kanzleramt absolut zu: "Sie hat die Fähigkeiten", so Fischer. Sollte Baerbock Kanzlerin werden, wäre dies ein "zukunftsorientiertes und extrem positives Signal für Veränderung und dass unser Land bereit ist, für eine neue Generation", so der Ex-Außenminister.

Fischer fügt mit Blick auf Robert Habeck hinzu: "Wir waren aber auch in der sehr ungewöhnlichen Situation, dass wir zwei exzellente Kandidaten hatten."

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Fischer: "Rot-Rot-Grün ist keine ernsthafte Option"

Die Möglichkeit einer Koalition aus Grün-Rot-Rot hält Fischer für unrealistisch: "Ich glaube nicht, dass so eine Koalition wirklich eine ernsthafte Option ist."

Zudem müsste die SPD "psychologisch" erstmal "damit klar kommen", dass die Grünen womöglich der stärkere Partner wäre. Weiter: "Aber die Linken als dritte Partei? Ich sehe nicht, wie man mit denen eine Koalition formen kann. Die Linkspartei ist gespalten zwischen dem Westen und romantischen Träumen über Russland."

Joschka Fischer übt Kritik an Merkel

Fischer äußerte auch Kritik an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Ich würde sagen, dass Angela Merkel den Deutschen ein Gefühl der Sicherheit gegeben hat, aber wir haben dafür einen hohen Preis bezahlt. Deutschland ist in vielen Belangen den Herausforderungen unserer Zeit nicht gewappnet – die Digitalisierung ist da ein Beispiel."

Deutschland sei zudem nicht auf "der Höhe der Zeit", wenn es darum gehe die Rolle der größten Wirtschaft in der Europäischen Union einzunehmen.

Hinsichtlich der Situation im Nahen Osten warnte Fischer u.a. vor den möglichen Folgen des Truppenabzugs der US-Amerikaner und der Bundeswehr aus Afghanistan: "Da steht uns eine große humanitäre Krise bevor. Über dieses Szenario müssen wir uns im Klaren sein, wenn wir Afghanistan verlassen."

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