4 Monate nach erschütterndem Online-Experiment

„Angriff auf unsere Kinder“: Sind sie jetzt endlich vor sexueller Belästigung sicher?

20. Juli 2021 - 14:01 Uhr

Neuer Undercover-Test mit erschreckendem Ergebnis

Dieses Experiment schockierte nicht nur Eltern: Im März 2021 zeigte das RTL-Spezial "Angriff auf unsere Kinder", wie gefährlich das Internet für Minderjährige sein kann. Heute, vier Monate später, wollen wir wissen: Was haben die erschütternden Ergebnisse von damals bewirkt? Nutzen pädophile Straftäter – mangels Verifizierungspflichten – gewisse Plattformen immer noch für ihre Taten, oder wurden die Schutzmaßnahmen verstärkt? Um das zu überprüfen, gibt sich erneut eine erwachsene Schauspielerin online als ein 12-Jähriges Mädchen aus. Was sie dabei in nur drei Stunden erlebt, sehen Sie im Video.

Mutter fasst Mut zur Anzeige: „Das geht sonst immer weiter“

Die Resonanz auf die über 500 sexualisierten Nachrichten, Bilder und Videos, die drei vermeintlich minderjährige Lockvögel im RTL-Spezial ertragen mussten, war riesig: Nicht nur die Staatsanwaltschaft konnte dank unserer Recherchen konkret gegen Verdächtige vorgehen – auch Eltern von ganz real betroffenen Kindern meldeten sich bei uns.

Eine Mutter berichtet uns etwa von ihrer Tochter: Die 12-Jährige wurde von erwachsenen Männern über Instagram zum Verschicken aufreizender Bilder gedrängt. Die Mutter war zunächst zu unsicher, ob das für eine Anzeige bei der Polizei ausreicht. Doch nach "Angriff auf unsere Kinder" und dem Gespräch mit unserer Reporterin ist sie sich sicher: "Dass ich im Recht bin, dass diese Person bestraft gehört. Das geht sonst immer weiter – dann ist das nächste Kind ein Opfer."

LESE-TIPP: Sexueller Missbrauch: Schon der Versuch ist strafbar

Ehemaliger Täter will bei Aufklärung helfen

Aber auch von einer Seite, mit der wohl niemand gerechnet hätte, wurden wir kontaktiert: "Ich habe Mädchen psychisch komplett manipuliert", gesteht uns ein ehemaliger Sexualstraftäter. Jetzt will er unserer Reporterin dabei helfen aufzuklären, welche Codes pädophile Kriminelle in Chats und Foren benutzen, um sich zu vernetzen und auf anderen Plattformen Kinderpornografie auszutauschen. Er sei bereit, mit den Ermittlungsbehörden zusammenzuarbeiten, um zukünftigen Missbrauch von Kindern zu verhindern. Er selbst wurde in erster Instanz wegen Anstiftung zur und Besitz von Kinderpornografie verurteilt. Knapp zwei Jahre sollte er demnach in Haft – hat allerdings Revision eingelegt.

RTL.de empfiehlt

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Ebay Kleinanzeigen: SMS-Verifizierung als Schutz vor Cybergrooming?

Eine Plattform, auf der die Lockvögel des Experiments damals sexualisierte Nachrichten bekamen, war Ebay Kleinanzeigen. In der Live-Sendung im März kündigte Ebay-Pressesprecher Pierre du Bois für den Sommer System-Anpassungen an, die verhindern sollen, dass Täter anonym bleiben können - insbesondere eine verbindliche Verifizierung. Diese wird beim wiederholten Experiment allerdings noch nicht von der vermeintlich 12-Jährigen Userin verlangt: Sie kann ohne Altersangabe oder Handynummer eine Suchanzeige für Babysitter-Jobs erstellen – über die sie prompt erneut sexuell belästigt wird. Hierzu schreibt Ebay:
"Das Herzstück im Kampf gegen Cybergrooming ist und bleibt die SMS-Verifizierung. Wir haben sie im März für Sommer angekündigt und dabei bleibt es auch. Auch wenn der Sommer jetzt eine kleine Pause macht, werden wir in den nächsten Wochen bereits die ersten Nutzer auf diese Weise verifizieren können."

Knuddels: Handynummer wird „häufiger“ abgefragt

Wie bereits vor vier Monaten kann sich Schauspielerin Lea* auch bei der Chatplattform Knuddels ohne Verifizierung Ihres Alters oder ihrer Identität anmelden. Knuddels schreibt dazu:
"Uns ist wichtig zu betonen, dass uns keine Nutzung von Knuddels durch Kinder bekannt ist. (…) Sollte es Hinweise geben, dass sich ein Kind hinter dem Account verbirgt, erfolgt eine permanente Sperrung des Accounts sowie weiterer Wiedererkennungsmerkmale." Als eine weitere Maßnahme des Jugendschutzes gibt das Unternehmen an: "Im Anmeldeprozess wird nun häufiger die Handynummer abgefragt. Dadurch können wir die Echtheit eines Profils leichter feststellen." Zumindest bei der Neuauflage unseres Experiment war dies allerdings nicht der Fall. (rka)

*Name geändert

Podcast "heute wichtig": Nazan Eckes über sexuelle Gewalt im Netz

Auch der Podcast "heute wichtig" beschäftigt sich mit dem ernsten Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern im Internet. Diesmal ist RTL-Moderatorin Nazan Eckes, selbst Mutter von zwei Kindern, dabei und überzeugt: "Da muss noch ordentlich was passieren, um das Internet für Kinder und Jugendliche sicherer zu machen."

"heute wichtig" gibt es kostenfrei auf AUDIO NOW und bei allen weiteren Podcast-Plattformen.

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