Frauen besonders betroffen

Altersarmut in Deutschland: Rund jedem Dritten droht die Grundsicherung

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04. August 2020 - 14:52 Uhr

Wenn die Rente nicht reicht

Steigende Altersarmut – das ist in Deutschland seit Jahren ein Problem. Rund ein Drittel der heute sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten wird im Alter auf die Grundsicherung angewiesen sein. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD hervor, die RTL auch vorliegt. Dabei sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Altersarmut in Deutschland: So kommen die Zahlen zustande

Grundlage bilden die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, wie zuvor bereits BILD berichtet hatte:

  • Nach Angaben der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit gab es im Jahr 2019 rund 33,42 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, bei denen Angaben zum Bruttolohn vorlagen.
  • Von denen verdienen rund 10,13 Millionen Menschen weniger als 2.000 Euro brutto.
  • Beschäftigte, die heute weniger als 1.991 Euro brutto verdienen, können im Laufe ihres Lebens nicht genügend Rentenpunkte ansammeln, um mit ihrer Nettorente im Alter oberhalb der gesetzlichen Grundsicherung zu liegen.
  • Somit könnte – nach aktuellem Stand – rund ein Drittel der Beschäftigten auf die Grundsicherung angewiesen und damit im Alter von Armut bedroht sein.

Betroffen sind dabei besonders Frauen: Rund 6,4 Millionen Bürgerinnen verdienen weniger als 2.000 Euro brutto. Damit sind sie doppelt so oft betroffen wie Männer (3,7 Millionen).

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Genügend Lohn für die Lebensleistung?

Die Statistik bezieht sich allerdings nicht nur auf Vollzeitbeschäftigte, auch Teilzeit-Jobs und Azubi-Gehälter fließen in die Zahlen mit ein.

Ob die betroffenen 10,13 Millionen später tatsächlich die Grundsicherung in Anspruch nehmen werden, ist nicht sicher. Es könnte beispielsweise sein, dass sie zusätzliches Privatvermögen haben oder auf das Einkommen ihres Lebenspartners zurückgreifen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung nicht hervor.

Was ist die Grundsicherung?

Anspruch auf Grundsicherung haben Personen, die in Deutschland wohnen und ein so geringes Einkommen oder Vermögen haben, dass es für den Lebensunterhalt nicht ausreicht. Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt Menschen, deren gesamtes Einkommen im Alter unter 893 Euro liegt, prüfen zu lassen, ob sie Anspruch auf Grundsicherung haben. Menschen, die berechtigt sind, die Grundsicherung zu erhalten, bekommen derzeit durchschnittlich bei 841 Euro (Stand: Dezember 2019).

Geld zurücklegen - für viele Menschen unmöglich

Fest steht: Millionen Menschen kommen im Alter nur mit Mühe über die Runden - sparen war während der Erwerbstätigkeit kaum möglich. Ab 2021 soll es deshalb mit der Grundrente einen Aufschlag auf die Minirenten von langjährig Versicherten geben.

Wer genau Anspruch auf die Grundrente hat, erklären wir hier. 

Doch Armut betrifft nicht nur Rentner. Auch 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche sind in Deutschland von Armut bedroht. Das zeigt eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung. Wie die Stiftung gemeinsam mit Influencern das Problem angehen will, zeigen wir hier.

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