Kreml-Kritiker Alexej Nawalny steht wieder vor Gericht

Umarmung vor Gericht: Die Liebe der Nawalnys kann nichts erschüttern

Kreml-Kritiker Nawalny kann seine Frau wieder umarmen Neuer Prozess
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Kreml-Kritiker Nawalny kann seine Frau wieder umarmen

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Ein bittersüßer Moment: Beim Prozess gegen Kreml-Kritiker Alexej Nawalny konnte er seine Frau Julia Nawalnaja endlich wieder in die Arme fallen. Den Prozess selbst kritisiert Nawalny als willkürliche Inszenierung.

Alexej Nawalny: Emotionales Wiedersehen mit seiner Frau

Eine innige Umarmung und ein schneller Kuss auf die Wange – Alexej Nawalny war beim Prozessauftakt seines neuen Strafprozesses sichtlich froh, endlich seine Frau Julia Nawalnaja wiederzusehen. Die Liebe der beiden wird nun erneut auf die Probe gestellt.

Der russische Regierungskritiker hat einen Mordanschlag nur knapp überlebt. Nach seiner Genesung in Deutschland war er bei seiner Rückkehr nach Russland schon am Flughafen wieder festgenommen worden. Jetzt steht er wieder vor Gericht und muss sich wegen angeblicher Veruntreuung von Geldern, seine inzwischen verbotene Anti-Korruptionsstiftung und wegen Beleidigung einer Richterin verantworten. Es drohen 15 Jahre Haft.

Nawalny kritisiert die erneute Anklage der russischen Regierung scharf. „Meine Prozesse sind ziemlich seltsam, was den Ablauf und die Urteile angeht, aber hier haben sie jede Grenze überschritten“, sagte der Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin beim Prozessbeginn am Dienstag.

Nawalny hofft auf Deutschland Unterstützung

Anstatt in der Hauptstadt Moskau fand die Verhandlung in einem improvisierten Gerichtssaal in dem rund 100 Kilometer entfernten Straflager statt, in dem Nawalny festgehalten wird.

Das Gericht lehnte es ab, den Prozess zu verlegen. Nawalny vermutet, die Auftraggeber des Verfahrens hätten Angst, dass dann jeder sehen könne, dass die Anklage erfunden sei. Dennoch waren Medienberichten zufolge mehrere Journalisten vor Ort.

Nawalnys Team appellierte auch speziell an die deutschen Medien. Sprecherin Kira Jarmysch schrieb auf Twitter in deutscher Sprache „Am 15.02 trifft sich Putin mit Bundeskanzler @OlafScholz in Moskau. Und morgen beginnt das beispiellose Gerichtsverfahren gegen Nawalny - direkt im Gefängnis.“ Sie ruft in dem Tweet deutsche Medienvertreter auf, auch kritische Fragen zu Nawalnys Prozess zu stellen.

Nawalnys Team hoffte außerdem, dass auch Kanzler Olaf Scholz bei seinem Treffen mit Putin am Dienstag im Kreml die Kritik der Bundesregierung an dem Vorgehen gegen den Oppositionellen erneuert. „Deutschland ist ein Land, das für Frieden und Gerechtigkeit steht. Und jetzt ist seine Position wichtig wie nie“, schreibt Jarmysch auf Twitter. Die Bundesregierung hatte unter Scholz' Vorgängerin Angela Merkel immer wieder die Freilassung Nawalnys gefordert.

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Rache nach Mordanschlag?

Jarmysch ist außerdem der Meinung, Putin räche sich mit dem Verfahren an Nawalny, „nachdem es ihm nicht gelungen ist, ihn zu töten“. Nawalny hatte einen Mordanschlag mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok im August 2020 nur knapp überlebt. Der Präsident wies eine Beteiligung zurück. Die EU hatte wegen des Attentats Sanktionen gegen Russland verhängt.

Nawalny war nach seiner Genesung in Deutschland, wo ihn auch Angela Merkel in der Charité in Berlin besucht hatte, vor einem Jahr nach Russland zurückgekehrt. Er wurde am 17. Januar 2021 noch am Flughafen in Moskau festgenommen, weil er gegen Auflagen in einem anderen Strafverfahren während seiner Genesung verstoßen haben soll. (dpa/jbr)

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