Graf Lambsdorff im RTL-Interview

Alexander Graf Lambsdorff (FDP) sieht den Gipfel zwischen Russland und den USA als "Erfolg für Putin"

17. Juni 2021 - 11:31 Uhr

"Putin ist nervös"

von Daniel Heyd

Das Treffen zwischen US-Präsident Biden und Russlands Präsident Putin wurde mit Spannung erwartet, beschlossen wurde aber wenig. Der Bundestagsabgeordnete Alexander Graf Lambsdorff zieht trotzdem eine positive Bilanz: "Man darf die Erwartungen jetzt nicht zu hoch schrauben. Beide Seiten haben sie ja auch vor dem Treffen bewusst runtergeschraubt. Und die Tatsache, dass das Treffen stattgefunden hat, ist eine gute Nachricht." Aber was im Einzelnen vereinbart wurde, wäre noch relativ dünn, so Lambsdorff weiter.

Einen Sieger des Treffens gäbe es zwar nicht, aber laut Lambsdorff hat der Gipfel einen der beiden besonders gestärkt. "Dass das Treffen stattgefunden hat, war ein Erfolg für den russischen Präsidenten", so der FDP-Politiker im RTL-Interview. "Russland ist eine Weltmacht – eine Weltmacht teilweise auf Abwegen und eine wirtschaftlich nicht besonders starke – aber Tatsache ist, dass das Land eines der großen Mächte des 21 Jahrhunderts ist. Und was da gestern passiert ist, hat genau diese Auffassung bestätigt."

Mit den USA wieder auf Augenhöhe zu verhandeln, sei für Putin innenpolitischer Rückenwind, so Lambsdorff und weist auf die Wahlen in Russland im September hin: "Die Wahlen werden zwar nicht demokratisch ablaufen, aber dennoch ist Putin nervös. Und vor dem Hintergrund ist das Treffen für Putin ein großer Erfolg." Lambsdorff betont, dass der Gipfel in Genf erst der Startschuss für ein neues Kapitel der Beziehungen zwischen USA und Russland sei: "Biden steht am Anfang seiner Regierungszeit und Putin hat eine Verfassungsänderung durchgedrückt, mit der er theoretisch bis 2036 Präsident bleiben könnte. Also das Treffen ist ein Anfang gewesen aber noch lange nicht das Ende."

"Wir haben immer eine ausgestreckte Hand nach Russland"

Für Deutschland sei das Aufeinandertreffen ein sehr gutes Zeichen gewesen: "Es ist immer besser, wenn die USA mit anderen Ländern reden und auch wenn Russland für einen Dialog bereit ist. Denn wir als Deutschland sind zu klein, um den Weltlauf alleine aus den Angel zu heben. Die USA und Russland sind die größten Atommächte der Welt, wenn da ein Dialog stattfindet der zu einer gewissen Berechenbarkeit beitragen kann, dann ist das für alle anderen Länder eine gute Nachricht."

Angesprochen auf die Russland-Politik der FDP sagt Lambsdorff: "Wir sind Freunde Russlands, seiner Menschen und der Kultur. Wir haben immer eine ausgestreckte Hand nach Russland. Aber wir sind genauso kritisch was die Verletzung freiheitlicher Werte angeht. Aber die Tür für Russland, um zurückzukehren ins Hause Europa, ist aus unserer Sicht immer offen."