Schreckliche Szenen im Afghanistan-Krieg

Junge Frau weint in Videobotschaft: "Unser Leben zählt nicht, weil wir hier geboren wurden"

17. August 2021 - 9:15 Uhr

Herzzerreißende Botschaft aus Afghanistan

Es sind grausame Szenen, die sich in Afghanistan abspielen. Seit dem Abzug der westlichen Truppen, übernehmen die Taliban das Land. Am heutigen Sonntag griffen die Islamisten die Hauptstadt Kabul an. Kurz darauf ging ein herzzerreißendes Video im Internet viral. Darin zu sehen: Eine weinende Frau, die glaubt, für den Rest der Welt wertlos zu sein, weil sie in Afghanistan geboren wurde.

Taliban übernimmt Afghanistan - "Ich kann nicht aufhören zu weinen"

Die Frau schaut direkt in die Kamera, Tränen laufen ihr über die Wangen. "Wir zählen nicht, weil wir in Afghanistan geboren wurden", sagt sie. Die Afghanin wischt sich die Tränen aus dem Gesicht, hält kurz inne und redet weiter. "Ich kann nicht aufhören zu weinen, ich muss mir die Tränen wegwischen, um dieses Video aufnehmen zu können." Und weiter: "Keiner interessiert sich für uns". Das Video dauert insgesamt 45 Sekunden. Es wurde bisher (Stand 15. August 2021, 12 Uhr) mehr als eine Million Mal angesehen.

Taliban-Kämpfer sitzen auf der Ladefläche eins Pick-ups.
Taliban-Kämpfer sitzen auf der Ladefläche eins Pick-ups. Die militant-islamistischen Taliban nahmen am Sonntag die afghanische Hauptstadt Kabul ein.
© dpa, Hamed Sarfarazi, nwi

Taliban kontrollieren die Verbindungsstraßen nach Pakistan

Nach und nach erobern die Taliban Afghanistan zurück. Die radikal-islamischen Kämpfer nahmen die Stadt Dschalalabad kampflos ein. "Es finden zurzeit keine Kämpfe statt, weil sich der Gouverneur den Taliban ergeben hat", sagte ein afghanischer Behördenvertreter Reuters. Dies sei die einzige Möglichkeit gewesen, das Leben von Zivilisten zu retten. Nach Auskunft eines westlichen Offiziellen kontrollieren die Taliban damit nach dem Fall der letzten bedeutenden Stadt neben der Hauptstadt Kabul die Verbindungsstraßen nach Pakistan.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Angeblich "friedlicher Machtwechsel" vereinbart

Dann griffen die Taliban die Hauptstadt Kabul an. Das afghanische Präsidialamt teilte auf Twitter mit, dass rund um die Stadt Schüsse zu hören gewesen seien. Die Sicherheitskräfte hätten die Lage aber unter Kontrolle.

Die Taliban wiederum sollen nach eigenen Angaben mit der afghanischen Regierung in Gesprächen über eine friedliche Übergabe der Hauptstadt Kabul sein. Man werde keine Rache üben, sagte ein Taliban-Sprecher. Allen, die der Regierung oder im Militär gedient hätten, werde vergeben. Zivilisten müssten das Land nicht aus Angst verlassen.

Kurz darauf meldete sich auch der amtierende Innenminister Abdul Sattar Mirsakwal zu Wort. Ihm zufolge würde Kabul nicht angegriffen. Die Sicherheit der Stadt sei garantiert, sagte er in einem am Sonntag veröffentlichten Video. Es sei die Vereinbarung getroffen worden, dass ein Machtwechsel friedlich erfolge. (dpa/ dky)

Auch interessant