Fake-Portal warb mit Prominenten

Bitcoin-Betrüger zocken Rentnerin über 30.000 Euro ab - sie wollte ihren Kindern helfen

25. Dezember 2020 - 13:11 Uhr

Betrugsopfer Marlies K. wollte ihre Kinder finanziell unterstützen

Marlies K. verlor knapp 35.000 Euro durch Bitcoin-Betrug – dabei war sie sich doch so sicher: "Ich bin eigentlich ein vorsichtiger Mensch" und "ich kann heute noch nicht verstehen, warum ich das gemacht habe", sagt das Betrugsopfer heute. Sie will andere vor der Betrugsmasche warnen, auf die sie hereingefallen ist. Der Glaube an das Gute in Menschen und der Wille ihre Kinder finanziell beim Hausbau zu unterstützen, diese Kombination haben sie auf das seriös wirkende und glanzvoll beworbene Angebot eingehen lassen. Wie Marlies K. und unser Reporter die Fake-Berater von "BSB Global" am Telefon konfrontieren – im Video.

Verbraucherzentrale: "Fake, um Verbraucher anzulocken"

"Die prominent besetzte Werbung dieses Bitcoin-Handels – es wird auf eine erfolgreiche Fernsehshow verwiesen – ist ein Fake, um Verbraucher anzulocken", erklärt Stefanie Kahnert, Juristin bei der Verbraucherzentrale Brandenburg. Nicht das erste Mal, wie dieser Fall aus dem letzten Jahr zeigt, in dem "Höhle der Löwen"-Star Judith Williams als angebliches Werbegesicht einer Fake-Bitcoin-Plattform missbraucht wurde. Auch mit den Gesichtern von Dieter Bohlen und Günther Jauch sei ohne deren Zustimmung geworben worden.

Im Video: Das sagt "Höhle der Löwen"-Star Judith Williams zu den Fake-Angeboten

Da die beworbenen Firmen in der Regel gar nicht existieren, fließe das investierte Geld auf ausländische Konten zum Beispiel in die Schweiz, nach Großbritannien und Estland an Betrüger. So erging es auch Marlies K., die mehrfach Geld ins Ausland überwies – und dieses nicht wiedersah.

"Es handelt sich um einen Fake-Shop für Geldanlagen", so Kahnert weiter und ergänzt: "Wir haben in den letzten Wochen vermehrt Anfragen und Beschwerden zu vermeintlichen Geldanlagemöglichkeiten unter anderem zu Kryptowährung erhalten." Die Verbraucher seien in zinsarmen Zeiten neugierig und auf der Suche nach lohnenden Finanzmodellen, beschreibt die Juristin. "Meiden Sie jedoch Angebote, die einfache oder utopische Renditen versprechen, insbesondere, wenn dabei Geld ins Ausland fließen soll."

Marlies K.: "Nach schlaflosen Nächten meinem Mann davon erzählt"

Auch Marlies K. erging es so: Die Rentnerin erhoffte sich aus ihrem Ersparten etwas mehr machen zu können, um so die Kinder beim Hausbau unterstützen zu können. Bei einer ersten Überweisung ging auch alles glatt, im Online-Depot der Fake-Handelsplattform "BSB Global" erhielt sie Zugriff auf die angeblich von ihr erworbene Summe der Kryptowährung Bitcoin. Daraufhin überwies sie 10.000 Euro, durch nochmaligen Auftrag nach einer Fehlüberweisungsmeldung und angebliche Hilfe, die ihr in telefonischer Beratung empfohlen, aber erst nach einer Versicherungszahlung möglich sei, wurde daraus schnell viel mehr.

"Ich habe mich auch nicht getraut, das jemandem zu erzählen – es war mir selber auch peinlich", beschreibt die Seniorin. Erst nach schlaflosen Nächten habe sie ihrem Mann davon erzählt – schlussendlich die Anzeige bei der Polizei gestellt und den Verbraucherschutz in Brandenburg informiert. Langsam schwindet die Hoffnung, ihr Geld noch wiederzubekommen, doch sie sagt: "Ich möchte warnen und andere vor den Fehlern bewahren, die ich gemacht habe." Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat dazu einige Tipps zum Erkennen von Fakes rund um Kryptowährungen veröffentlicht.