Er wirkte an neuer Schumi-Doku mit„Mir fehlt er wahnsinnig“ – Schumachers Schicksal lässt RTL-Legende Hans Mahr bis heute nicht los

„Schumacher ‘94 – Die Geburt einer Legende“: Netflix-Doku beleuchtet das legendäre Schumi-Jahr
„Schumacher ‘94 – Die Geburt einer Legende“: Die Netflix-Doku blickt zurück auf das wichtigste Jahr in Schumachers Karriere.
Netflix/ „Schumacher ‘94 – Die Geburt einer Legende“
von Anke Jonschker und Peter Reichert

Eine neue Doku führt ihn zurück in alte Zeiten.
Ex-RTL-Chef Hans Mahr wirkte als Berater an der Netflix-Dokumentation „Schumacher ‘94 – Die Geburt einer Legende“ mit – für ihn der Beginn einer hochemotionalen Zeitreise. Im RTL-Interview offenbart er, wie sehr ihm Schumi fehlt, warum Corinna im dramatischen WM-Jahr 1994 Michaels wichtigste Stütze war – und weshalb ihn die Mitarbeit so bewegt hat.

Hans Mahr vermisst Michael Schumacher bis heute

„Mir fehlt er wahnsinnig.“ Dieser Satz sitzt. Hans Mahr (77) hat Michael Schumacher über viele Jahre begleitet, ihn bewundert und, wie er selbst sagt, vielleicht sogar ein bisschen „verehrt“. Heute schmerzt ihn vor allem, dass der siebenmalige Weltmeister nach seinem schweren Skiunfall 2013 völlig aus der Öffentlichkeit verschwunden ist.

„Dass er nicht mehr greifbar ist, das bedrückt mich jedes Mal, wenn ich mit der Formel 1 in Berührung komme“, sagt Mahr im RTL-Interview. Gerade die Tragik von Schumachers Schicksal lässt ihn nicht los. Jahrzehntelang raste der Deutsche mit enormem Tempo über die gefährlichsten Rennstrecken der Welt. Dann veränderte ausgerechnet ein Skiunfall sein Leben. „Und dann gehst du Skifahren. Ganz normal Skifahren“, sagt Mahr. „Das ist schon furchtbar.“

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Mit der Mitarbeit als Expert Advisor (Person mit Fachwissen, die eine Produktion inhaltlich, technisch oder rechtlich berät; Anm. d. Red.) begann für Mahr die emotionale Reise in eine längst vergangene und für „Formel-1-Deutschland” so prägende Zeit. Die RTL-Legende war unter anderem Chefredakteur, Informationsdirektor und Geschäftsführer bei RTL und erlebte Schumacher über Jahre im Formel-1-Fahrerlager. Für „Schumacher ‘94 – Die Geburt einer Legende“ kehrte er noch einmal tief in diese Zeit zurück. Der Dokumentarfilm startet am 2. Oktober bei Netflix.

Hans Mahr spricht im RTL-Interview über Michael Schumacher
Hans Mahr spricht im RTL-Interview über Michael Schumacher
RTL

Corinna gibt dem scheuen Michael Halt

Im Mittelpunkt steht jenes Jahr, in dem aus dem damals 25-jährigen Schumacher Deutschlands erster Formel-1-Weltmeister und ein Nationalheld wird. Doch 1994 bedeutet nicht nur Siege und „Schumi Mania“. Es ist auch das Jahr der tödlichen Unfälle von Roland Ratzenberger (†33) und Ayrton Senna (†34).

Mahr erinnert sich an einen jungen Michael Schumacher, der ganz anders gewesen sei als der spätere Superstar. „Ein bisschen ein Einzelgänger, sehr zurückhaltend, fast scheu.“ Eine Person gibt ihm in dieser aufwühlenden Zeit Halt: Seine damalige Freundin und spätere Ehefrau Corinna.

„Gemeinsam mit der Corinna hat er sich wohler gefühlt in dieser Welt. Auch in dieser Formel-1-Welt“, erzählt Mahr. Sie habe Michael geholfen, „in den schwierigsten Situationen“ durchzukommen. Bei den großen Erfolgen genauso wie in den dunkelsten Momenten.

Besonders der Tod von Senna habe Schumacher getroffen. Der Brasilianer sei eines seiner Vorbilder gewesen, ein Mann, den er auf der Strecke besiegen wollte. Plötzlich war er tot. Mahr beschreibt, welcher Gedanke sich einem Rennfahrer dann aufdrängen könne: „Dann bin ich der Nächste.“

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„Man sieht viel von Corinna“

Auch deshalb berührt die neue Dokumentation den Medienmanager. Neben Wegbegleitern wie Flavio Briatore (76), Bernie Ecclestone (95), David Coulthard (55), Willi Weber (84), Kai Ebel (62) und Heiko Waßer (68) kommt Corinna Schumacher (57) ausführlich zu Wort. Sie erzählt auch von den Anfängen ihrer Liebesgeschichte mit Michael.

„Man sieht viel von Corinna. Corinna, wie sie das mitgemacht hat, mitgelitten hat, sich mitgefreut hat“, schwärmt Mahr. Für ihn ist der Film deshalb keine bloße Abfolge legendärer Rennen. „Es ist ein Kammerspiel, wenn man will. Es ist das ganze Leben des Michael Schumacher eigentlich in eine Saison hineingepresst.“

Seine Empfehlung könnte eindeutiger kaum sein: „Ich kann nur jedem sagen: anschauen.“

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Selbst Mahr entdeckt bei der Arbeit am Film noch einmal neu, wie besessen Schumacher an seinem Erfolg arbeitete. Wenn das Auto am Samstag nicht funktionierte, wartete er nicht einfach darauf, dass andere das Problem lösten.

Schumacher sei über Nacht selbst bei den Mechanikern in der Garage geblieben, habe seine Eindrücke eingebracht und sogar Hand angelegt. Am Sonntag stand dann ein besseres Auto da. „Das hat so wie er kaum jemand anderer gemacht“, sagt Mahr.

Für ihn liegt darin ein Teil des Schumacher-Geheimnisses. Der Rennfahrer sei ein „wirklicher Bastler“ gewesen, der gemeinsam mit Konstrukteuren und Mechanikern um jedes Detail kämpfte. Nicht nur sein Talent machte ihn zum Champion, sondern auch dieser unbedingte Wille, selbst das letzte bisschen Leistung aus dem Auto herauszuholen.

1994 verändert Michael Schumacher – und die Formel 1

Über allem liegt das Horror-Wochenende von Imola. Rubens Barrichello (54) überlebt einen schweren Unfall, Roland Ratzenberger und Ayrton Senna sterben. „Es war ein Niederschlag nach dem anderen“, erinnert sich Mahr.

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Für ihn wurde Imola zum Wendepunkt. Danach habe die Formel 1 immer stärker in die Sicherheit investiert. Schumacher setzte sich über Jahre für Verbesserungen ein. Mahr schreibt ihm und Niki Lauda einen erheblichen Anteil daran zu.

32 Jahre später ist das Jahr 1994 für Hans Mahr deshalb viel mehr als die Geschichte eines ersten WM-Titels. Es erzählt von einem jungen Mann, der plötzlich ganz oben steht, gleichzeitig Tod und Gefahr so nah erlebt wie nie zuvor und dabei einen Menschen an seiner Seite hat, der ihm Halt gibt.

Und für Mahr selbst ist die Dokumentation eine Reise zurück zu jemandem, den er bis heute schmerzlich vermisst.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche