Erster NRW-Ministerpräsident auf Reise an den BosporusÜberraschendes Treffen mit Erdoğan – Wüst (CDU) zu Besuch in der Türkei

von Tobias Janßen, Stefan Efferth und Vanessa Nikić

Hendrik Wüst ist als erster amtierender NRW-Ministerpräsident offiziell in die Türkei gereist. Neben den engen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei steht dabei auch ein besonderes Jubiläum im Mittelpunkt. Für eine Überraschung sorgt gleich am ersten Tag ein Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Eine Million Menschen mit türkischen Wurzeln leben in NRW

Am Montagmorgen (28.09.) startete NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst mit einer Delegation aus Düsseldorf nach Ankara. Begleitet wird der CDU-Politiker von Vertretern aus Wirtschaft und Medien. Es ist die erste offizielle Türkei-Reise eines amtierenden nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten. Dabei sind die Verbindungen zwischen NRW und der Türkei besonders eng. Rund eine Million Menschen mit türkischen Wurzeln leben nach Angaben der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen. Viele von ihnen sind Nachkommen der sogenannten Gastarbeiter, die seit den 1960er-Jahren unter anderem in Stahlwerken, im Bergbau oder in der Autoindustrie gearbeitet haben. Ein Anlass für Wüsts Reise ist deshalb auch der 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens.

Wüst besucht Henkel-Werk in Ankara

Auch wirtschaftlich spielt die Türkei für Nordrhein-Westfalen eine wichtige Rolle. Nach China und den USA ist sie der drittwichtigste Handelspartner NRWs außerhalb Europas. Mehr als elf Milliarden Euro umfasst der Handel nach Angaben Wüsts. Zum Auftakt besuchte der Ministerpräsident deshalb ein Werk des Düsseldorfer Henkel-Konzerns in Ankara. Vorstandschef Carsten Knobel begleitet die NRW-Delegation. Wüst will die wirtschaftlichen Beziehungen ausbauen und spricht sich unter anderem für eine Modernisierung der Zollunion sowie schnellere Verfahren bei Geschäftsvisa aus.

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Erdoğan empfängt Wüst im Präsidentenpalast

Für die größte Überraschung des Tages sorgt allerdings ein politischer Termin. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan empfängt Wüst im Präsidentenpalast in Ankara. Das Gespräch dauert nach Angaben aus der Delegation rund 50 Minuten. Ein solcher Empfang ist für einen deutschen Ministerpräsidenten ungewöhnlich. Nach Angaben aus Wüsts Delegation hat Erdoğan als Staatspräsident zuvor noch keinen deutschen Landesregierungschef empfangen. „Das ist ungewöhnlich für einen Ministerpräsidenten: Normalerweise wird so der Bundeskanzler empfangen. Es wirkt, als ob Wüst in der Türkei schon als Nachfolger für Friedrich Merz wahrgenommen wird”, so Vanessa Nikić. Die RTL WEST Politikchefin begleitet die Reise. Im Gespräch zwischen Wüst und Erdoğan ging es unter anderem um die Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen und der Türkei, die wirtschaftliche Zusammenarbeit und aktuelle politische Fragen.

Wüst legt Kranz für Atatürk nieder

Nach dem Treffen mit Erdoğan besucht Wüst das Mausoleum des türkischen Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk und legt dort einen Kranz nieder. Am Dienstag (29.09.) geht die dreitägige Reise weiter. In der deutschen Botschaft in Ankara soll Wüst mit rund 1.500 Gästen den Tag der Deutschen Einheit feiern. Anschließend reist die Delegation nach Istanbul weiter. Dort stehen weitere politische und wirtschaftliche Termine auf dem Programm.