„Ich dachte, das ist jetzt ein ganz langsamer Tod“Verschollen im australischen Outback – Carolina kämpft zwölf Tage lang ums Überleben

von Djamina Koudsi und Daniela Wüstner

Kein Essen, kaum Wasser und weit und breit keine Hilfe: Nach einem Unfall mit ihrem Van war Carolina Wilga aus Castrop-Rauxel im australischen Outback völlig auf sich allein gestellt. Zwölf Tage lang kämpfte die damals 26-Jährige ums Überleben. Heute blickt sie anders auf ihr Leben – und hat ihre Geschichte in einem Buch festgehalten.

Van-Unfall wurde für Carolina zum Überlebenskampf

Eigentlich ist Carolina Wilga nach Australien gereist, um ihrem großen Traum näherzukommen. Die gelernte Zerspanungstechnikerin machte dort Work and Travel. Irgendwann möchte sie ein eigenes Hostel eröffnen. Mit ihrem Van reiste sie ohne feste Route durch das Land, das Navi blieb aus. Doch dann hatte Carolina mitten im australischen Outback einen Unfall. Plötzlich war sie auf sich allein gestellt und versuchte zu Fuß, Hilfe zu finden. Zwölf Tage lang irrte sie durch ein Gebiet von rund 3.000 Quadratkilometern. Mit jedem Tag schwanden ihre Kräfte. „Man läuft tagtäglich und man findet einfach nichts“, erinnert sie sich. Irgendwann habe sie gedacht: „Das ist jetzt ein ganz, ganz, ganz, ganz langsamer Tod, in den ich gerade lauf.“

Regenwasser aus Pfützen hielt Carolina am Leben

Carolina schlief unter freiem Himmel und ernährte sich von Pflanzen. Besonders wichtig war die Suche nach Wasser. Zweimal regnete es während ihrer Zeit im Outback. Die 26-Jährige entdeckte, dass sich das Regenwasser in Mulden auf bestimmten Steinen sammelt. „Dann konnte ich eben aus den Pfützen trinken“, erzählt Carolina.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Gedanke an ihre Familie gab ihr Kraft

Aufgeben wollte Carolina trotz Hunger, Durst und körperlicher Erschöpfung nicht. Vor allem der Gedanke an ihre Familie in Deutschland trieb sie weiter an. Sie versprach sich selbst, so lange zu laufen, wie ihr Körper noch kann. „Du bewegst dich und du bist noch nicht tot. Steh auf und laufe“, habe sie sich immer wieder gesagt. Mit Schmerzen und immer weniger Kraft setzte sie ihren Weg fort.

Nach zwölf Tagen trifft Carolina auf eine Farmerin

Schließlich erreichte Carolina eine Straße. Dort traf sie auf eine Farmerin – und ihr Überlebenskampf endete nach zwölf Tagen. Mit Schnittverletzungen und zahlreichen Insektenstichen kam die junge Frau ins Krankenhaus. Heute blickt Carolina anders auf ihr Leben. „Ich habe eine neue Chance bekommen im Leben“, sagt sie. Ihr sei bewusst geworden, wie schnell alles vorbei sein könne und dass man seine Zeit deshalb nutzen sollte. Ihre Geschichte hat Carolina Wilga inzwischen in einem Buch verarbeitet. Der Titel: „Dem Outback entkommen“.