Unbekannte Täter plünderten tausende SchließfächerMillionencoup in Gelsenkirchen – Prozess gegen Sparkasse beginnt bald

von Parviz Khosrawi und Patricia Brinkmann

Im vergangenen Dezember brachen Täter in eine Sparkasse in Gelsenkirchen ein. Sie räumten rund 3.200 Schließfächer aus. Der Schaden wird auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzt. Viele Kunden kämpfen seitdem um Entschädigung und Aufklärung.

Opfer hat schlaflose Nächte

Seit Monaten durchlebt Joachim Alfred Wagner einen Albtraum. Er ist eines der Opfer des Sparkassencoups in Gelsenkirchen. Der 63-Jährige glaubte, seine Familienerbstücke seien dort sicher. Doch im Dezember dann das böse Erwachen: Unbekannte brachen ein und plünderten die Schließfächer. Schmuck und Goldmünzen des Mannes sind weg. Der Wert: rund 49.000 Euro. Joachim Alfred Wagner erklärt: „Dass das alles auf einmal zerstört ist und dahin bröselt, das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Man schleppt die ganze Sache permanent auch jetzt bis zum ersten Tag vor Gericht mit sich herum, wie einen schweren Rucksack mit Steinen.“

Drei Kläger gegen die Sparkasse Gelsenkirchen

Am Donnerstag (11.06.) zieht er mit seinem Anwalt vor das Landgericht Essen. Der 63-Jährige ist einer von drei Klägern. Sie wollen, dass die Sparkasse Gelsenkirchen haftet. Die Täter kamen im Dezember durch eine Tiefgarage. Von dort aus arbeiteten sie sich zur Bank vor. Dabei umgingen die Unbekannten Sicherheitssysteme und kamen so in ein Archiv. Von dort bohrten sich die Kriminellen in den Tresorraum. Laut Ermittlern hebelten sie innerhalb von mindestens vier Stunden fast alle Schließfächer auf. Im Schnitt etwa alle 20 Sekunden eines. Der Wert der Beute: geschätzt um die 100 Millionen Euro. Es ist das zweitgrößte Schließfachdepot in Deutschland, so der Jurist Daniel Kuhlmann. Er ist überzeugt: Dafür war die Anlage nicht ausreichend gesichert: „Es gab kein Alarmsystem innerhalb der Tresorräume, keine Videoüberwachung, keine Patrouillen von Sicherheitsdiensten. Offensichtlich ist ja auch auf den Brandmeldealarm, der ausgelöst worden ist, überhaupt nicht reagiert worden.“ Die Feuerwehr kam damals, schaute aber nicht in alle Räume. Sie ging von einem Fehlalarm aus. Der Inhalt der Schließfächer ist jeweils bis zu einem Betrag von 10.300 Euro versichert. Das wusste auch Joachim Alfred Wagner. Er und andere Geschädigte sind trotzdem sauer. Sie wollen wissen, wie so ein Einbruch überhaupt passieren konnte.