Screening für RaucherLungenkrebs-Früherkennung jetzt kostenlos - Neue Kassenleistung ab April
Langjährige starke Raucher können ab sofort einmal im Jahr eine kostenlose CT-Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs in Anspruch nehmen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten – rund zwei Millionen Menschen in Deutschland könnten davon profitieren.
Klüngelköpp-Keyboarder informiert sich
Jochen Damm, Keyboarder der Kölsch-Band Klüngelköpp, hat sich früher zwei bis drei Packungen Zigaretten am Tag gegönnt, ist inzwischen auf einen Tabakerhitzer umgestiegen. Wirklich gesund sei das aber auch nicht, weiß er selbst. Deshalb informierte er sich in einer Kölner Praxis über das neue Screening-Angebot. Für ihn ist es naheliegend, sich jetzt einen „Zwischenstand“ zu verschaffen und zu klären, ob es Grund zur Sorge gibt. Den kostenlosen Kassentarif kann er allerdings nicht nutzen. Er ist privat versichert. Sein privater Versicherer sollte die Kosten jedoch in der Regel ebenfalls übernehmen.
Bis zu 25 Prozent weniger Todesfälle möglich
Seine Ärztin Dr. Veronika Liepe verweist auf die eindeutige Studienlage: In Untersuchungen habe sich gezeigt, dass die Sterberate bei Männern durch die Früherkennung um bis zu 25 Prozent gesenkt werden konnte, auch bei Frauen entwickelten sich dadurch weniger Lungenkrebserkrankungen. Ohne Früherkennung wird Lungenkrebs laut Experten in rund drei Viertel der Fälle erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Dann sterben in den folgenden fünf Jahren rund 80 Prozent der Betroffenen. Das Ziel der sogenannten Niedrigdosis-Computertomografie ist es, den Diagnosezeitpunkt deutlich nach vorne zu verlagern, wie auch Prof. Axel Goßmann, Geschäftsführer der Kliniken Köln, betont: Werde der Krebs früh entdeckt, sei er im besten Fall noch operabel und die Heilungschancen deutlich besser.
Wer hat Anspruch auf das Screening?
Das Angebot richtet sich an gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre ohne lange Unterbrechung Zigaretten geraucht haben und auf mindestens 15 sogenannte Packungsjahre kommen. Packungsjahre berechnen sich aus der Anzahl der täglich gerauchten Schachteln multipliziert mit der Zahl der Raucherjahre. Wer täglich eine Packung raucht und das seit 15 Jahren tut, kommt demnach auf genau 15 Packungsjahre. Auch Ex-Raucher sind anspruchsberechtigt, sofern ihr Rauchstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt.
Kritik an den Kriterien
Aus der Wissenschaft gibt es Kritik an den recht engen Zugangskriterien: Menschen mit ebenfalls erhöhtem Lungenkrebsrisiko, die die Voraussetzungen knapp nicht erfüllen, könnten durch das Raster fallen und würden vom Programm nicht erreicht. Hinzu kommen Risiken des Screenings selbst: Jede CT-Untersuchung ist mit Röntgenstrahlung verbunden, die theoretisch selbst zur Krebsentstehung beitragen kann. Außerdem sind falsch-positive Befunde möglich – also Befunde, die zunächst verdächtig wirken, sich aber als harmlos herausstellen. Das kann für Betroffene mit erheblicher psychischer Belastung verbunden sein und im schlimmsten Fall unnötige Eingriffe wie eine Biopsie nach sich ziehen. Dr. Liepe ordnet das jedoch ein: Solche Fehlbefunde kämen vor, aber äußerst selten – und für die Zielgruppe überwiege der Nutzen die Risiken deutlich.
Noch nicht überall verfügbar
Wer das Screening nutzen möchte, braucht zunächst eine Überweisung von einer Haus- oder Facharztpraxis. Nicht jede Praxis darf die Untersuchung bereits anbieten: Ärzte, die die Berechtigung zur Teilnahme prüfen, benötigen eine besondere Fortbildung, radiologische Praxen zusätzlich eine Genehmigung der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Es wird deshalb noch einige Zeit dauern, bis das Screening flächendeckend verfügbar ist. Jährlich erkranken in Deutschland rund 56.500 Menschen an Lungenkrebs, bei Männern ist es die häufigste Krebs-Todesursache überhaupt. Die Hoffnung hinter dem neuen Programm: Wenn es gut angenommen wird, könnten in Deutschland bis zu 1.000 Krebstodesfälle pro Jahr verhindert werden.

































